Gewalt Bilanz toter Kinder

Jede Woche werden etwa drei Kinder in Deutschland getötet. Die Deutsche Kinderhilfe und der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordern eine bessere Hilfe für gefährdete Eltern.

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke. Amüsantes, Nachdenkliches, Politisches. Die Deutsche Kinderhilfe Direkt und der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) haben auch einen Jahresrückblick veranstaltet – einen sehr traurigen. Es tut sich nämlich gar nichts. Jedes Jahr sterben in etwa drei Kinder in der Woche in Deutschland an Misshandlungen. Unicef rechnete seit 2003 mit 100 getöteten Kindern in Deutschland pro Jahr. Die aktuelle Zahl der Kriminalstatistik 2005 liegt jedoch bei 179. Die Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor. Die Tendenz ist leider gleichbleibend.

Dieses Jahr war ein Jahr der spektakulären Todesfälle, die breit in den Medien und auch in der Politik diskutiert wurden. Kevin in Bremen, Justin, Mehmed, Nadin und gerade am Donnerstag erst wurde in Thüringen ein 10-Monate altes Baby gefunden, das die Mutter verdursten ließ.

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Eine Chance sei die Medienaufmerksamkeit, sagt Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe Direkt. Denn hoffentlich wird beim Todestag von Kevin und all den anderen nachgefragt, was denn inzwischen geschehen sei, damit 2007 nicht wieder dieselbe Zahl von toten Kindern gemeldet werden muss. Denn er kommt zu dem Schluss: »Die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland funktioniert nicht.« Er kritisierte, die Probleme der Familien, in denen Gewalt gegen Kinder an der Tagesordnung seien, könnten mit dem derzeitigen Jugendhilfesystem nicht gelöst werden.

Woran hakt es also? Die Jugendämter sollten gleichzeitig gestärkt und mit anderen Institutionen vernetzt werden, sagt die Kinderhilfe. Ein Sachbearbeiter betreut oft 150 Fälle. Ehrmann ist zwar der Ansicht, die Jugendämter hätten ausreichende Befugnisse; sie könnten Mädchen und Jungen bei Gefahr auch ohne Richterbeschluss aus ihren Familien holen, aber: »Die Leute sind doch personell gar nicht in der Lage, rauszukommen, die sitzen doch nur am Schreibtisch.« Sie sind auch psychisch überfordert. In Berlin hätten die Jugendamtsmitarbeiter beispielsweise den höchsten Krankenstand. Es gibt in den meisten Bundesländern keine Supervision für die Menschen, die sich um Kinder kümmern. Sie stehen mit dem Leid, mit der Gewalt, der sie täglich begegnen und auch mit den weitreichenden Entscheidungen, die sie treffen müssen, allein da. In anderen Berufssparten, bei Psychologen etwa, wäre das undenkbar.

Außerdem sollten sich die Jugendamtsmitarbeiter mehr mit Betroffenen außerhalb ihres Amtes kurzschließen. Meldet beispielsweise ein Streetworker oder ein Kinderheimleiter dem Jugendamt eine problematische Familie, dann beruft das Jugendamt eine Fallkonferenz ein und entscheidet darin, was gemacht wird. Das Beispiel Kevin zeigte, es hätte viel genützt, wenn der Heimleiter dabei gewesen wäre, dem Kevin kurzzeitig anvertraut worden war und der die Familie gut kannte. Ähnliches gilt für viele freie Träger, die oft viel näher an den Familien dran sind, weil sich ihre Streetworker ohnehin um Alkoholiker kümmern oder mit den Jugendlichen arbeiten.

Leser-Kommentare
    • ORTAD
    • 18.12.2006 um 20:06 Uhr

    Und woher haben sie die Informationen über die Gründe, aus denen diese angeblichen 98% in der Unterschicht gelandet sind?

    Was hat das mit den Gefängniswärtern zu tun? Sind die Gefängnisinsassen etwa alle wegen Kindesmisshandlung im Knast?

    Wohl kaum...

    • ORTAD
    • 18.12.2006 um 20:10 Uhr

    Welche Teile dieser 'raffgierigen Helferindustrie' möchten Sie denn als erstes abschaffen? Altenheime? Ambulante Pflegedienste? Krankenhäuser?

    Ein wenig unkonkret Ihr Vorschlag.

    • ORTAD
    • 18.12.2006 um 20:10 Uhr

    Und woher haben sie die Informationen über die Gründe, aus denen diese angeblichen 98% in der Unterschicht gelandet sind?

    Was hat das mit den Gefängniswärtern zu tun? Sind die Gefängnisinsassen etwa alle wegen Kindesmisshandlung im Knast?

    Wohl kaum...

    • ORTAD
    • 18.12.2006 um 20:17 Uhr

    nur die Kinder, die von ihrem Vater misshandelt werden, und deren Mütter sich nicht wegtrauen aus vielen Gründen (vielleicht auch, weil sie Angst haben, als Alleinerziehende in der Gesellschaft diskrimiert zu werden), die werden Sie noch immer nicht erreichen, wenn Sie schreiben: 'Vor allem Alleinerziehende'.

  1. Nein, so ist es nicht, es ist keine Eiseskälte. Aber wir müssen darauf achten, dass wir den Sozialstaat bewegungsfähig halten: sonst geht ihm die Luft aus.

    Was wir noch machen können, liegt im Bereich des privaten Engagements - genau da krankt es gewaltig. Man kann sich zum Beispiel dem Jugendamt als Pflegevater oder Pflegemutter - auch für Kurzzeitpflege - zur Verfügung stellen (man muss es nicht einmal umsonst tun: man kriegt ordentlich was dafür). Dann hat das Jugendamt die Möglichkeit, gefährdete Kinder kurzfristig aus Problemfamilien herauszunehmen, bis sich die Gesamtlage wieder beruhigt hat. Im Moment ist es so, dass viel zu wenig Pflegefamilien bekannt sind, so dass das Jugendamt nur in den massiven Fällen eingreifen kann.

  2. von einer Person, die hier ihre eigenen Glaubenswahrheit als Tatsachen ausgibt.
    Oder könnten Sie so nett sein die Quelle Ihrer Behauptungen zu offenbaren?

  3. 7.

    Soso, jemand, der fordert, dass eine Mutter, die ihr Kind grausam umgebracht hat, ins Gefängnis kommt, der dagegen ist, dass Babys zu drogensüchtigen 'Ziehvätern' kommen, und der will, dass auch Mittelschichtsfamilien vom Staat unterstützt werden, ist ein Nazi?

    Und ich hatte immer gedacht, Nazis waren böse Leute, die Juden umgebracht haben.

    Aber ich lasse mich von Ihnen gerne eines Besseren belehren.

  4. Sprechen Sie mal mit Jugendamtsmitarbeitern, wieviele ihrer Problemfälle aus der Mittelschicht kommen. Oder fragen Sie Gefängniswärter das gleiche über ihre Schützlinge. Aber, wie heißt es so schön: nicht sein kann, was nicht sein darf.

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