Sprache Macht der Ausgebeuteten
Die Worte des Jahres sind gewählt. Auf Platz zwei: "Generation Praktikum" - ein Begriff aus dem LEBEN. An seine Entstehung erinnert sich
Als uns in der Leben-Redaktion an diesem Freitag die Nachricht erreichte, der Begriff von der "Generation Praktikum" habe den zweiten Platz erreicht bei der Wahl zum Wort des Jahres, musste ich lachen. Hatten wir die Karriere dieses Wortes geahnt? Von wegen!
An einem Montagabend Ende März des Jahres 2005 standen wir auf dem Gang und überlegten. Der Kollege Matthias Stolz hatte in den vergangenen Wochen eine große Geschichte recherchiert über die zunehmende Ausbeutung von Praktikanten. Er war auf das Thema gestoßen, als ihm bei einer Party in Berlin eine gute Bekannte, Anfang 30, erzählt hatte, sie habe ihren Job verloren und mache nun wieder ein Praktikum, weil sie sonst keine Arbeit finde.
Er hatte dann die Geschichte geschrieben.
Aber welche Überschrift sollten wir darüber setzen? Der Redaktionsschluss nahte. Die trotz unserer Verspätung noch gut gelaunte Chefin vom Dienst hatte uns ermahnt, wir seien wieder einmal spät dran. Da entschieden wir uns für "Generation Praktikum".
Ich fragte noch einen zufällig vorbeilaufenden Kollegen nach seiner Meinung, der zuckte mit den Schultern, murmelte "Immer diese Generationstitel, Golf, XYZ, Praktikum, was denn noch...?". Ein anderer wollte uns aufbauen und sagte: "Kann man schon machen". Als wir die Seite schließlich zum Druck freigaben, dachten wir, dass es vielleicht irgendwo da draußen doch noch eine originellere Zeile gegeben hätte.
Wie das Wort Karriere machte, hat Matthias Stolz schon in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung erfahren: Praktikanten in anderen Redaktionen waren mit dem ZEIT-Artikel zu ihren Chefs gegangen und hatten gesagt: "Sehen Sie, das hatte ich Ihnen doch auch schon mal vorgeschlagen!" Dann schrieben diese Praktikanten ihre Artikel - und das Wort "Generation Praktikum" begann zu kursieren.
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- Datum 15.12.2006 - 05:11 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Zeit eben. da geht man auf ne fete, nen empfang, darf auch ne vernissage sein - man schnappt was auf - und treibt die nächste sau durch´s dorf.
kritik an gesellschaftlichen zuständen, ausbeutungsverhältnissen gar, gibt es in allenfalls homöophatischen dosen.
wie auch anders - bloß keine werbekunden vergraulen. warum auch - zu einer launig-zynischen zeile reicht es allemal - MACHT DER AUSGEBEUTETEN
na denn: hoch die tassen
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