James Brown hat den Funk konzentriert, manchmal bis auf einen einzigen Ton, oder ein Krächzen. Er konnte das, weil ihm das ganze Repertoire des Jazz zur Verfügung stand, mit dem sich Intensität erzeugen lässt, und Intensität war das Charakteristikum der Musik des „Godfather of Soul.“ Noch im hohen Alter aktiv: James Brown im Alexandra Palace in London im November 2006.

Geboren 1933 in einem Kaff in South Carolina, wurde James Joe Brown bald zu einem Problemkind, landete als Gewalttäter im Jugendgefängnis - und wurde dann Musiker. Er beherrschte mehrere Instrumente, vor allem aber sang er und bewegte sich vom Gospel zum Rhythm and Blues. „James Brown and the Famous Flames“ hatten Erfolg, und über die Jahrzehnte bildete sich dann sein Stil heraus: ein andauernder, fast bis zur Serialität reduzierter Beat aus Schlagzeug, Bass und minimalistischer Gitarre als Grundlage, und darauf aufbauend Jazzattacken oder Vorformen des Rap.

Ekstase war das treffende Wort für die James Brown Show. Die war eine Mischung aus Gospel-Gottesdienst (mit allen zugehörigen Beigaben, dem Wechselgesang, der Predigt, der Teilnahme des Publikums), minutiöser Jazz-Choreographie und Las-Vegas-Glitter. Selbstinszenierung mit absurden Gürtelschnallen, Betonfrisur und tätowierten Augenbrauen. Und reiner Personenkult, der es dem Chef indes erlaubte, Bandmitglieder herauszustellen und bekannt zu machen: klassische Show-Dramaturgie. Sie ließ Musiker wie Maceo Parker und Bootsy Collins erstrahlen.

„Livin’ in America“ war ein Brown-Hit. In der Tat lässt sich an James Browns Biographie vieles demonstrieren, was amerikanisch ist. Die Chance, von ganz unten nach ganz oben zu kommen. Der kulturelle Reichtum dieser bunten Nation. Der ungebrochene Stolz auf kommerziellen Erfolg. Die Emanzipation der Schwarzen („I’m black and I’m proud“ sang Brown in den Sechzigern. Und unterstützte Richard Nixon). Auch, dass die Justiz sich nicht scheut, Prominente hinter Gitter zu bringen; in den neunziger Jahren wurde James Brown mehrmals wegen Gewaltdelikten und Drogenkonsum verurteilt.

Und jedesmal fand er dann wieder seinen Weg zurück, auf die Bühne, in die Gesellschaft, in die Familie. Die Schlussszene seiner Shows: Der beinahe kollabierende Meister wird herausgeführt, befreit sich aber aus dem seinem Umhang und springt noch einmal wankend an die Rampe, tanzt, singt, wieder erscheint sein Assistent, wirft ihm den Umhang über die Schulter, James Brown geht ein paar Schritte mit ihm, befreit sich erneut ... in seiner Jugend war er auch mal Boxer.

James Brown hat die schwarze Musik verändert, sie um die Welt getragen, und mit ihr ein Lebensgefühl des Optimismus, des Mutes, der Standhaftigkeit, des Durchhaltens über viele Jahrzehnte. Eine lebensbejahende Musik. In „Sex Machine“, einem seiner größten Hits, geht es genau darum: am Leben zu sein. Bis ins hohe Rentneralter zelebrierte James Brown seine Ekstasen auf internationalen Bühnen. Am ersten Weihnachtstag 2006 ist dieser große Musiker gestorben.

Lesen Sie mehr über Funk und die Rolle, die James Brown in ihm spielte, in unserer Genreübersicht "Funk" .