Jahresrückblick Chaos und Anarchie
Das ablaufende Jahr hat das Scheitern der amerikanischen Irak-Politik sichtbar gemacht. Nun droht ein Großkonflikt in der gesamten Region. Matthias Naß über die wichtigste Entwicklung 2006
Matthias Naß ist stellvertretender Chefredakteur der ZEIT
Die Geschichte werde ihm Recht geben, prophezeite Donald Rumsfeld bei seinem Abschied als Chef des Pentagons. Ob er das wirklich glaubt? Immer überschaubarer wird die Schar derjenigen, die noch einen „Sieg“ Amerikas im Irak beschwören. George W. Bush gehört zu ihnen, sein Vize Dick Cheney, natürlich. Aber selbst beim harten Kern der Neokonservativen bröckelt die Front der Kriegsbefürworter.
Das nun zu Ende gehende Jahr hat das Scheitern der amerikanischen Irak-Politik für jedermann sichtbar gemacht. Die Kongresswahlen Anfang November wurden zu einem Referendum gegen den Krieg. Zu hoch ist den Amerikanern der Preis: 3000 irakische Zivilisten sterben jeden Monat, mehr als 2900 US-Soldaten sind bisher gefallen. Nicht Demokratie hat die Invasion dem Irak gebracht, sondern Anarchie.
Und niemand weiß einen Weg aus dem Schrecken. Eine gute Lösung gibt es nicht, nur schlechte und weniger schlechte Optionen. Eine davon wäre es, die Vorschläge der Baker-Kommission umzusetzen. Im Wesentlichen laufen sie auf zweierlei hinaus: Erstens, die Internationalisierung des Konflikts, d.h. die Einbeziehung aller Nachbarstaaten in die Suche nach einer politischen Lösung; zweitens, die Nationalisierung der militärischen Auseinandersetzungen, d.h. die Stärkung der irakischen Armee und damit verbunden den schrittweisen Abzug der US-Kampftruppen bis zum Jahresbeginn 2008.
Ob damit, wie Kritiker warnen, alles nur noch schlimmer würde? Wer wollte das schon ausschließen. Aber die Mehrheit der Iraker empfindet die Amerikaner längst als Besatzer, Angriffe auf sie gelten als legitim. Ihre Anwesenheit provoziert täglich neue Gewalt, statt diese einzudämmen.
Präsident Bush hat politische und moralische Schuld auf sich geladen, als er diesen unnötigen und unbegründeten Krieg vom Zaun brach. Amerikas Ansehen ist auf einen Tiefpunkt gesunken, mehr noch, die Weltmacht hat sich durch schiere Inkompetenz und Hybris gelähmt. Gestärkt hat Bush allein Amerikas stärksten Widersacher in der Region, das Regime des Holocaustleugners Ahmadineschad in Teheran.
Der Irak also ein weiteres Kapitel in der ewigen Geschichte jener „Torheit der Regierenden“, von der die Historikerin Barbara Tuchman einst schrieb? Das wäre schon trostlos genug. Aber das Grauen könnte noch größer werden. Am Ende dieses Jahres steht der Mittlere Osten am Rande eines Großkonfliktes, zu dem das Chaos im Irak, die Machtkämpfe im Libanon und die Rivalität zwischen Fatah und Hamas in Palästina zusammenwachsen könnten.
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- Datum 22.12.2006 - 11:21 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Was der sehr geehrte Herr Naß meint, ist Anomie, nicht Anarchie. Die Anarchie bezeichnet eine organisierte Gesellschaftform, die herrschafts- und hierarchiefrei funktioniert, was also in jedem Fall eine stabile Ordnung impliziert.
Anomie hingegen meint das Fehlen einer sozialen Ordnung und wurde ursprünglich auch als Synonym für Gesetzlosigkeit verwendet. Wenn Herr Naß feststellt, dass die Invasion dem Irak 'nicht Demokratie [...], sondern Anarchie' gebracht hat, ist dass (leider) nicht richtig, weil im Irak derzeit keine stabile Ordnung herrscht.
Für weitere Fragen zu den beiden Begriffen reicht ein Blick in eine beliebige Enzyklopädie.
Freundliche Grüße
Wobei herrschaftsfrei insofern richtig ist, als dass es keine Herrschaft von Menschen über andere Menschen gibt, aber natürlich insofern falsch, als dass die Menschen sich natürlich selbst beherrschen! Ich gebe allerdings zu, dass Begriffe wie "Macht" und "Herrschaft" abstrakte Begriffe sind, die im Sprachgebrauch kaum mit einheitlicher Bedeutung verwendet werden.Ergänzt werden sollte meines Erachtens stets, dass Anarchie tatsächlich die im Menschen genetisch angelegte Gesellschaftsform ist, dass Menschen wie Jesus von Nazareth und Sokrates Anarchisten waren, aber auch Menschen wie Klaus Störtebecker und Thomas Müntzer.Dabei herscht z.B. bezogen auf die Freibeuter des späten Mittelalters ein völlig falsches Bild: Freibeuter wie Klaus Störtebecker mordeten nicht möglichst viel, sondern möglichst wenig, und auf den Freibeuter-Schiffen gab es Verträge für alle Besatzungsmitglieder, die unter sozialen Aspekten sehr vorbildlich waren: Die Beute wurde stets zu gleichen Teilen aufgeteilt, jeder konnte sich jederzeit entscheiden, mit seinem bis dahin erworbenen Anteil das Schiff zu verlassen, wurde jemand im Kampf zum Invaliden, dann stand ihm eine "Rente" zu und so weiter. Solche Dinge sprechen nicht für "Chaos", sondern für Organisation nach den Bedürfnissen der Menschen.Freibeuter raubten nicht aus Gier, sondern aus Not, und die, die sie beraubten, waren die wahren Verbrecher der Gesellschaften.Es wäre weitaus sinnvoller, wenn man Schulkinder Anarchie lehren würde, als wenn man ihnen vorgaukelte, die Frau sei aus Adams Rippe geschaffen.Inwiefern ein Blick in eine beliebige Enzyklopädie reicht, wie christian85 behauptet, ist äußerst fraglich, weil der Begriff "Anarchie" tatsächlich von den herrschenden gesellschaftlichen Kräften, die im Grunde satanisch bestimmt sind (Maximierung der Herrschaft von Menschen über andere Menschen), nach Strich und Faden diffamiert wird.[entfernt, bitte vermeiden Sie das Setzen von Links die als Werbung für eigene Pages dienen/ Redaktion; svb]
Wobei herrschaftsfrei insofern richtig ist, als dass es keine Herrschaft von Menschen über andere Menschen gibt, aber natürlich insofern falsch, als dass die Menschen sich natürlich selbst beherrschen! Ich gebe allerdings zu, dass Begriffe wie "Macht" und "Herrschaft" abstrakte Begriffe sind, die im Sprachgebrauch kaum mit einheitlicher Bedeutung verwendet werden.Ergänzt werden sollte meines Erachtens stets, dass Anarchie tatsächlich die im Menschen genetisch angelegte Gesellschaftsform ist, dass Menschen wie Jesus von Nazareth und Sokrates Anarchisten waren, aber auch Menschen wie Klaus Störtebecker und Thomas Müntzer.Dabei herscht z.B. bezogen auf die Freibeuter des späten Mittelalters ein völlig falsches Bild: Freibeuter wie Klaus Störtebecker mordeten nicht möglichst viel, sondern möglichst wenig, und auf den Freibeuter-Schiffen gab es Verträge für alle Besatzungsmitglieder, die unter sozialen Aspekten sehr vorbildlich waren: Die Beute wurde stets zu gleichen Teilen aufgeteilt, jeder konnte sich jederzeit entscheiden, mit seinem bis dahin erworbenen Anteil das Schiff zu verlassen, wurde jemand im Kampf zum Invaliden, dann stand ihm eine "Rente" zu und so weiter. Solche Dinge sprechen nicht für "Chaos", sondern für Organisation nach den Bedürfnissen der Menschen.Freibeuter raubten nicht aus Gier, sondern aus Not, und die, die sie beraubten, waren die wahren Verbrecher der Gesellschaften.Es wäre weitaus sinnvoller, wenn man Schulkinder Anarchie lehren würde, als wenn man ihnen vorgaukelte, die Frau sei aus Adams Rippe geschaffen.Inwiefern ein Blick in eine beliebige Enzyklopädie reicht, wie christian85 behauptet, ist äußerst fraglich, weil der Begriff "Anarchie" tatsächlich von den herrschenden gesellschaftlichen Kräften, die im Grunde satanisch bestimmt sind (Maximierung der Herrschaft von Menschen über andere Menschen), nach Strich und Faden diffamiert wird.[entfernt, bitte vermeiden Sie das Setzen von Links die als Werbung für eigene Pages dienen/ Redaktion; svb]
Ach bin ich froh, die ZEIT doch nicht aboniert zu haben! Wenn der stellvertretender Redakteur schon sowas produziert, was kann man von der Zeitung für die Zukunft erwarten?!
Matthias Naß schreibt:
Präsident Bush hat politische und moralische Schuld auf sich geladen, als er den unnötigen und unbegründeten Krieg vom Zaun brach.
Will er damit sagen dass Bush nicht die juristische Schuld hat?
Ist es wirklich nicht möglich den nächsten und logischen Schritt zu machen und dann einige Hunderte Getöteten vom Hussein, der jetzt zum Tode verurteilt wurde, mit an Hunderttausend Getöteten jetzt und ein einigermassen stabilen Land in ein nicht mehr löslichen Kaos zu verwandeln, juristisch vergleichen?
Oder gilt nach wie vor : Wer Macht hat auch Recht!
Wobei herrschaftsfrei insofern richtig ist, als dass es keine Herrschaft von Menschen über andere Menschen gibt, aber natürlich insofern falsch, als dass die Menschen sich natürlich selbst beherrschen! Ich gebe allerdings zu, dass Begriffe wie "Macht" und "Herrschaft" abstrakte Begriffe sind, die im Sprachgebrauch kaum mit einheitlicher Bedeutung verwendet werden.Ergänzt werden sollte meines Erachtens stets, dass Anarchie tatsächlich die im Menschen genetisch angelegte Gesellschaftsform ist, dass Menschen wie Jesus von Nazareth und Sokrates Anarchisten waren, aber auch Menschen wie Klaus Störtebecker und Thomas Müntzer.Dabei herscht z.B. bezogen auf die Freibeuter des späten Mittelalters ein völlig falsches Bild: Freibeuter wie Klaus Störtebecker mordeten nicht möglichst viel, sondern möglichst wenig, und auf den Freibeuter-Schiffen gab es Verträge für alle Besatzungsmitglieder, die unter sozialen Aspekten sehr vorbildlich waren: Die Beute wurde stets zu gleichen Teilen aufgeteilt, jeder konnte sich jederzeit entscheiden, mit seinem bis dahin erworbenen Anteil das Schiff zu verlassen, wurde jemand im Kampf zum Invaliden, dann stand ihm eine "Rente" zu und so weiter. Solche Dinge sprechen nicht für "Chaos", sondern für Organisation nach den Bedürfnissen der Menschen.Freibeuter raubten nicht aus Gier, sondern aus Not, und die, die sie beraubten, waren die wahren Verbrecher der Gesellschaften.Es wäre weitaus sinnvoller, wenn man Schulkinder Anarchie lehren würde, als wenn man ihnen vorgaukelte, die Frau sei aus Adams Rippe geschaffen.Inwiefern ein Blick in eine beliebige Enzyklopädie reicht, wie christian85 behauptet, ist äußerst fraglich, weil der Begriff "Anarchie" tatsächlich von den herrschenden gesellschaftlichen Kräften, die im Grunde satanisch bestimmt sind (Maximierung der Herrschaft von Menschen über andere Menschen), nach Strich und Faden diffamiert wird.[entfernt, bitte vermeiden Sie das Setzen von Links die als Werbung für eigene Pages dienen/ Redaktion; svb]
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