Entwicklungshilfe „Der Westen ist scheinheilig“

Der Experte für Entwicklungspolitik, Peter Niggli, begrüßt das Engagement Chinas auf dem afrikanischen Kontinent - trotz aller Kritik. Darin stecke eine echte Chance für die Region

China und Indien engagieren sich in Afrika. Dies tun beide Länder aber nur, um dringend benötigte Rohstoffe auszubeuten, kritisieren europäische Entwicklungshelfer. Es gehe beiden Staaten gar nicht darum, die Lebensbedingungen der Menschen dort zu verbessern. Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud, der entwicklungspolitischen Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke, findet das Vorgehen Chinas wie Indiens trotzdem richtig.

ZEIT online: Herr Niggli, der UN-Beauftragte zum Erreichen der Millenium-Ziele, Jeffrey Sachs, fährt durch Afrika und verteilt Moskito-Netze und Spezial-Dünger an arme Menschen. Ist in fünfzig Jahren Entwicklungshilfe so wenig passiert, dass Herr Sachs jetzt zeigen muss, wie es richtig geht?

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Peter Niggli: Nein, das kann man so nicht sagen. Aber man muss klar festhalten, dass das, was lange Zeit Entwicklungshilfe genannt wurde, oft geopolitisch motiviertes Schmiergeld war. Bis zum Ende des Kalten Krieges war das die dominante Motivation für Entwicklungshilfe der großen Geberländer aus dem Westen. Viele dieser Gelder dienten der Finanzierung von Freunden und der eigenen Industrie. Nur ein geringer Teil ist tatsächlich in Gesundheitsprojekte, Bildung und soziale Entwicklung geflossen.

ZEIT online: Was halten sie von dem Modellprojekt, das Jeffrey Sachs in 79 afrikanischen Dörfern begonnen hat?

Niggli: Es kommt immer auf die Umsetzung an. Aber in konkrete Projekte zu investieren, scheint mir immer ein sinnvoller Ansatz zu sein.

ZEIT online: Sachs begrüßt auch das zunehmende entwicklungspolitische Engagement von Staaten wie China oder Indien. Sehen Sie das ähnlich?

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