Glücksspiel Weg mit den Wetten!Seite 2/2

Nicht zu unterschätzen ist auch der Suchtfaktor bei Finanzwetten. Für diese Erkenntnis genügt schon ein Blick in die Internet-Foren, wo sich die täglich zockenden Daytrader treffen. Bereits im Jahr 2000 führte der Herausgeber eines Daytrader-Informationsbriefs eine Online-Befragung zur Spielsuchtgefährdung durch. Sein Ergebnis: Rund 30 Prozent der Daytrader sind latent spielsuchtgefährdet, bei jedem 15. Daytrader zeigen sich Anzeichen einer starken Suchtgefährdung.

Allerdings wäre es fraglich, ob sich die Lage verbessern würde, wenn hier nach dem Lotto-Vorbild der Staat das Glücksspielmonopol an sich ziehen würde. Dann gäbe es womöglich an den Lotto-Annahmestellen Scheine, mit denen man auf die künftigen Zinsen der Bundesschatzbriefe wetten könnte. Oder die Zinsausschüttung von Bundesanleihen wird davon abhängig gemacht, ob im Vergleich zum Vorjahr mehr oder weniger Steuerhinterzieher überführt worden sind.

Wie das aussehen könnte, hat vor wenigen Wochen die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen mit ihrer "Jubiläumsanleihe" gezeigt. Ab dem vierten Anlagejahr entspricht dort der variable Zins nicht einfach dem Tagesgeldzins, sondern resultiert aus einer Wette auf den Abstand zwischen Kurz- und Langfristzinsen. Gezahlt wird die fünffache Differenz zwischen den zweijährigen und den zehnjährigen Kapitalmarktzinsen. Die Anleihe konnte jedoch nicht bei den Lotto-Annahmestellen gezeichnet werden, sondern bei den nordrhein-westfälischen Sparkassen.

Thomas Hammer ist freier Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor. Er schreibt unter anderem für das Wirtschaftsressort der ZEIT und beobachtet die Kapitalmärkte mit skeptischem Blick.

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Leser-Kommentare
    • MacT
    • 23.12.2006 um 11:33 Uhr

    In den 1930er Jahren wurden die Optionsscheine verboten. Damit hat man das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wenn man Finanzwetten verbietet, verbietet man auch alle Möglichkeiten der Kurssicherung. Damit erhöht man das Risiko vieler Produzent.
    Gleichzeitig reduziert man die Anzahl negativer korrellierter Wertpapiere. Dadurch reduziert man die Möglichkeit durch geschickte Portfoliostrategien das Risiko zu minimieren.

    Bloß weil einige Menschen ihr Glücksspielsuchtpotential nicht unter Kontrolle haben und nicht vernünftig mit Derivaten umgehen, will man allen diese Möglichkeit verbauen.

    Das ist ungefähr so wie, wenn man Waffen und Autos verbietet, weil es Menschen gibt die sich die Waffe klauen lassen (und damit Straftaten begünstigen) und andere mit ihrem Auto zu schnell fahren.

  1. Wenn der Staat nicht fähig ist, die Bürger via Schulsystem in Sachen Wirtschaft und Geldanlage vernünftig auszubilden, so soll er sie mindestens nicht bevormunden. Schlimmer, er will noch bestimmen, welche Glücksspiele trotzdem erlaubt sind, nämlich die eigenen, mit den er die Bürger unter Ausschaltung der Konkurrenz ausbeuten will.
    PS ich bin nicht Banker, aber ein gut orientierter Investor

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