Bundeswehr Afghanistan von oben
Tornados der Bundesluftwaffe und deutsche Aufklärungsdrohnen sollen der Nato helfen, den Krieg in Afghanistan zu gewinnen. Ein Kommentar von

Tornados bei einer Luftwaffenschau im August
Sollen Maschinen der Bundesluftwaffe im Himmel über Afghanistan das Balkenkreuz zeigen und aus relativ niedriger Höhe das Land abfotografieren? Schon vor einem Jahr hatten die Verantwortlichen der Nato alle Mitgliedsstaaten aufgefordert, luftgestützte Aufklärungs-Fähigkeiten für den Einsatz in Afghanistan zur Verfügung zu stellen. Nun ist eine konkretisierte Nato-Forderung auf den Tisch des Bundeswehr-Generalinspekteurs Schneiderhan geflattert : Deutschland soll sechs seiner "Tornado-Aufklärer in Afghanistan stationieren, die mit ihren unter den Tragflächen aufgehängten Kamera-Behältern (Pods) Tageslicht- und Infrarot-Aufnahmen mit einer Auflösung von weniger als 30 cm schießen können.
Im Frühjahr 2007 soll die Stationierung beginnen. Mindestens 250 Soldaten sind für den Betrieb der Systeme erforderlich, und die Kosten sind beachtlich, sie belaufen sich auf 50 Millionen Euro. Betroffen wäre das Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" in Schleswig-Jagel. Im Fachjargon heißt die Truppe Recce (eine Verballhornung von Reconnaissance). Sie war in Deutschland auch schon zur Begleitung von Castor-Transporten und zur Unterstützung der Leichensuche in Kriminalfällen im Einsatz.
Nun also auch am Hindukusch? Über dem Osten und dem Süden Afghanistans fliegt die Nato seit Monaten täglich knapp zehn Aufklärungs- und Beobachtungs-Einsätze (ISR). Es ließe sich fragen, ob diese Aktivität durch den deutschen Beitrag wirklich produktiver wird, schließlich lassen sich die Fotos aus dem Tornado-Pod erst drei Stunden nach Landung des Flugzeugs nutzen. Sie dürften sich wohl eher zur Aufklärung fester Anlagen als von gegnerischen Bewegungen nutzen. Nur - welche Anlagen mögen das sein? Opiumfelder vielleicht. Dann gerieten die Deutschen ins Fadenkreuz der Opium-Lords.
Dies dürfte eine der Fragen sein, die nun im politischen Raum diskutiert werden wird. Die andere: Ist die Recce-Stationierung durch das Bundestagsmandat vom 13.9.2006 gedeckt, oder muss das Parlament neu entscheiden? Die parlamentarische Opposition dürfte auf ein Nein festgelegt sein; am Rand der SPD wird sich sicherlich eine Gruppe finden, die medienwirksames Sperrfeuer vorhält.
Und dann gibt es noch einen besonders heiklen Aspekt. Die deutsche Luftwaffe brennt nämlich geradezu darauf, über Afghanistan das Balkenkreuz zu zeigen - wegen der psychologischen Wirkung auf die eigene Truppe. Die Bundesmarine hat den Libanon, da wollen die Flieger auch zeigen, dass sie gebraucht werden. Ein Bedürfnis, das für Militärs eigentlich normal ist, in der Gesellschaft aber wenig Sympathie wecken dürfte.
So haben wir nun also zum Jahresende noch eine weitere Debatte über die globalen Einsätze der Bundeswehr beschert bekommen. Von der Öffentlichkeit eher unbeachtet vollzieht sich in ihrem Windschatten allerdings eine weitere, langfristig bedeutsame Veränderung: Die Nato hat an die Mitgliedstaaten die Forderung gestellt, ab sofort sechs "Predator/B"-Drohnen zum Preis von 100 Millionen Euro pro Jahr zu bestellen, um die ISR-Fähigkeiten des Bündnisses auf das erforderliche Einsatzniveau zu heben. Ein weiterer Schritt zur Roboterisierung der Kriegsführung, deren nicht geringste Wirkung auch darin bestehen wird, dass die Schwelle für den Einsatz sinkt. Denn ein abgeschossener Predator ist zwar ein materieller Verlust, aber es stirbt kein einziger Soldat.
Der Autor ist Militärexperte und betreibt die Website
Geopowers
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Zum Thema
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- Datum 21.12.2006 - 10:26 Uhr
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 14
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Der neue Ehrgeiz der Tornado-PiIoten, es den Kollegen von der Marine gleichzutun, ist natürlich lachhaft. Von den Tornados werden sich echte Terroristen kaum schockieren lassen. Der Druck aus den afghanischen Bergen wird sich dadurch also nicht verringern.
Schon schlimm, wie die kürzlich so vehement geführte Drückebergerdiskussion immer wieder aufs neue das militärische Ehrgefühl einiger Kameraden herausfordert.
... dass endlich eine Diskussion um einen Beitrag Deutschlands jenseits von Nordafghanistan geführt wird. Warum Tornados mit ausgeprägter Aufklärungsfähigkeit keine Terroristen schocken soll, verstehe ich zwar nicht, steht aber auch auf einem anderen Blatt. Ganz grundsätzlich geht es einfach nicht an, dass ständig die anderen den Kopf hinhalten sollen, während wir für uns relativ ruhige Einsatzgebiete in Anspruch nehmen. Deutschland war in Afghanistan von Anfang an mit dabei und sitzt im selben Boot wie die anderen Nationen. Es wäre gut, wenn sich im Zuge der aktuellen Debatte in der politischen Öffentlichkeit die Erkenntnis durchsetzen würde, dass Deutschland genau wie alle anderen seinen Beitrag dort zu leisten hat, wo es zusammen mit anderen ein militärisches Engagement eingegangen ist.
antiamerikanische Geseiere, was man hier in Deutschland bis zum Erbrechen hören muss.
1. Deutschland ist nun mal mit nach Afghanistan gegangen, ob das nun sinnvoll war, oder nicht. Tatsache ist, wir waren von Anfang an mit dabei und können uns nicht so rausreden, dass da die Amerikaner irgendwas ausbaden müssten, das sie sich selbst eingebrockt hätten.
2. Öl! Wenn keine Argumente da sind, mit denen man Amerika ans Bein pinkeln kann, dann muss das Öl herhalten. Wo gibt's denn bitte in Afghanistan Öl? Wie kann man so einen Mist erzählen?
3. Was machen wir am Hindukusch? Vielleicht ging es ja darum, ein Regime zu beseitigen, das nachgewiesenermaßen Terrorgruppen Unterschlupf, militärische Ausbildung, finanzielle Unterstützung usw. gewährt hat? Vielleicht war das deswegen notwendig, weil besagte Terroristen nachgewiesenermaßen weltweit Anschläge verübt haben (New York, London, Madrid)?
4. Amerika und die Taliban haben gegen die Russen gekämpft! Na sowas, welch ein Verbrechen! War es denn Ihrer Meinung nach korrekt, dass Russland dort einmarschiert ist? Hätte man das tolerieren sollen?
5. Was verteidigen wir in Darfur? Ich schmeiß mich weg! Gar nichts, das ist es ja eben! Wir sehen zu, wie dort Minderheiten abgeschlachtet werden! Das müsste doch in Ihrem Sinne sein, oder nicht?
Zum Todlachen! Glauben Sie diesen Quatsch eigentlich selber? Ich fürchte fast, ja! Sie Schreiben: 'Zweitens haben die Amerikaner mit ihrer 'Colt-zieh, schieß- und dann denk' Masche das Desaster durchaus selbst angerichtet - wie schon vorher in Vietnam, Kambodscha und neuerdings im Irak.' Wenn keine Argumente mehr da sind, dann muss natürlich wieder mal Vietnam herhalten. Sie können es aber drehen und wenden, wie Sie wollen, die Bundeswehr war in Afghanistan von Anfang an mit dabei. Jetzt mit dem Finger auf andere zu zeigen ist schlichtweg feige. 'Und was die Anschläge angeht-das hat ja wohl auch erst funktioniert, nachdem die gleichen Amerikaner diese Typen oder ihre Vorgänger dazu ausgebildet hatten - dumm nur, dass die ihre neuen Kenntnisse eben nicht nur gegen die Russen gerichtet haben.' Ach ja, weil man früher die Vorgänger der Terroristen gegen die Russen unterstützt hat, darf man sich heute gegen diese Terroristen nicht wehren, eine verblüffende Logik, nur leider ziemlich borniert. 'Drittens gewinnt man heute 'Kriege' schon lange nicht mehr mit militärischen Mitteln.' Ich weiß, das hat Europa eindrucksvoll auf dem Balkan demonstriert. Bloß nicht militärisch eingreifen, auch dann nicht, wenn dort Minderheiten ausgerottet und vertrieben werden. Sehr plausibel, aber leider ebenfalls feige. 'Viertens; Die Bundeswehr dient der Landesverteidigung und zu nichts anderem!! Und die findet nicht am Hindukusch oder sonstwo statt. So war der Konsens, damit die Deutschen sich überhaupt wieder bewaffneten.' Auf diesen 'Konsens' spucke ich! Würden Sie genauso argumentieren, wenn Ihre Angehörigen Opfer eines Terroranschlags wären? Zeiten ändern sich und mit ihnen muss sich ein 'Konsens' ändern können. 'Erstens stimmt sowohl die Argumentation mit dem Öl -hier ging es halt um eine mittlerweile utopische Pipelinetrasse zu den innerasiatischen Vorkommen.' Ach ja, ich vergaß! Die Pipeline! Wenn argumentativ nichts mehr geht, dann werden Ölpipelines ins Feld geführt. Ziemlich unrealistisch in einem Land, das seit Jahr und Tag von Warlords regiert wird, finden Sie nicht. Ich bleibe dabei, es geht Ihnen in Wahrheit doch nur darum, Amerika ans Bein zu pinkeln. In Wirklichkeit leben auch Sie mit dem Öl ganz gut, an dem vermeintlich durch amerikanische Verantwortung vergossenes Blut klebt.
Ich glaube das Deutschland als 100%tiges Mitglied der NATO seine Pflichten welche aus dieser Mitgliedschaft bedingungslos zu erfüllen hat.
Es kann nicht sein das wir uns in der durch das Bündnis entstehenden Sicherheit wohlfühlen wollen, diese im Ernstfall militärisch aber nicht verteidigen wollen.
Unsere Soldaten machen in Afghanistan und an allen anderen Einsatzorten einen hervorragenden Job. Da wo wir sind gibt es Ruhe und Ordnung. Wir Deutschen und unser Militär sind durch Hilfsmaßnahmen weltweit hoch angesehen auch bei der afghanischen Zivilbevölkerung und das soll auch so bleiben. Dennoch bleibt diese ein Kampfeinsatz an der Seite unserer Alliierten und wenn diese uns um Hilfe bitten können wir diese nicht verweigern denn „Freedom is not free“.
Ich danke den Frauen und Männern welche für uns unsere Freiheit verteidigen und dafür bereit sind den ultimativen Preis zu bezahlen.
Wir sollten weniger darüber sprechen ob oder ob nicht, wir sollten eher über die verheerende Ausrüstungslage unseres Militärs sprechen, denn diese beschämt mich sehr.
Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
Leider wird da von den Politikern und Medien viel Stimmung gemacht aber ebensoviel verschwiegen - wie eben die 'stille Übereinkunft' über Opfer nichts zu melden.
Wenn es doch geschieht, dann ist das Gejammer gross. Die Welt ist bestimmt nicht mein bevorzugtes Blatt, aber diese beiden Artikel gehen unter die Haut:
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[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
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Auch daher erneut die Frage - was verteidigen wir am Hindukusch, in Darfur, mit der Scheinoperation auf dem Meer vorm Libanon wirklich?
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Die Amerikaner haben dort angefangen die Taliban zu unterstützen, um den Russen das Leben schwer zu machen. Und nun sind sie mit den von ihnen selbst ausgebildeten und ausgerüsteten früheren Freunden selber im heftigen Konflikt. Was hat Deutschland (oder Europa) damit zu tun.
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Den Amerikanern geht es (ausdrücklich für sich) um ihr Lebenselixier - ÖL - und den Werterhalt des Dollar als Ölhandelswährung - denn insbesondere ohne die Krücke Petrodollar, wäre der Dollar nur maximal einen halben Euro wert - mit allen Folgen die daraus erwachsen.
Nö, die amerikanische Regierung soll ihre verlogenen Spielchen schön alleine durchziehen, ohne ihre überwiegend Zwangsverbündeten da mit rein zu ziehen.
Ein sehr merkwürdiger Artikel, der es da geschafft hat von der Zeit veröffentlicht zu werden. Deutschland hat keine Bundesluftwaffe sondern nur eine Luftwaffe. Das Balkenkreuz war nur zu Zeiten der Wehrmacht aktuell und wird garantiert nicht über Afghanistan gezeigt werden - ist der Autor unachtsam, tendenziös oder einfach inkompetent gewesen?
Weiter soll es ggf. sogar einfach dem Ehrgeiz einer angeblich zu wenig beteiligten Teilstreitkraft zu verdanken sein, daß die Tornados im Süden eingesetzt werden sollen? An dieser Stelle sollte man daran erinnern, daß gerade die Luftwaffe die Teilstreitkraft war, die von allen am massivsten an den bisherigen Auslandseinsätzen in Kampfhandlungen beteiligt war. Und dann soll auch noch ausgerechnet das Aufklärungsgeschwader Immelmann für so eine Prestigeaktion von Luftwaffengenerälen mit 'Halsschmerzen' den Kopf hergehalten haben - ein recht kleines Geschwader, das auch so mehr als gut mit Aufträgen ausgelastet ist , die es dann nicht mehr erfüllen kann?
Meine Vermutung ist dagegen: Die Politik hat sich gütlich aus der Affaire gezogen. Die atlantischen Partner können mit ihren Forderungen ihr Gesicht waren, die deutsche Politik kann ein Zugeständis machen, ohne unmittelbar sich vor der pazifistischen, innländischen Öffentlichkeit für unvermeitliche Kollateralschäden verantworten zu müssen, die im Falle von der Entsendung von Jagdbombern enstehen würden. Zudem ist allgemein die Entsendung von Luftfahrzeugen anstatt von offiziell entsandten Heeresverbänden von dem Vorteil begleitet, daß so der Krieg, nur gesehen aus luftiger Höhe, abstrakter erscheint und weiterhin Konflikt statt Partisanenkrieg genannt werden kann.
Erstens stimmt sowohl die Argumentation mit dem Öl -hier ging es halt um eine mittlerweile utopische Pipelinetrasse zu den innerasiatischen Vorkommen.
Zweitens haben die Amerikaner mit ihrer 'Colt-zieh, schieß- und dann denk' Masche das Desaster durchaus selbst angerichtet - wie schon vorher in Vietnam, Kambodscha und neuerdings im Irak. Und was die Anschläge angeht-das hat ja wohl auch erst funktioniert, nachdem die gleichen Amerikaner diese Typen oder ihre Vorgänger dazu ausgebildet hatten - dumm nur, dass die ihre neuen Kenntnisse eben nicht nur gegen die Russen gerichtet haben.
Drittens gewinnt man heute 'Kriege' schon lange nicht mehr mit militärischen Mitteln.
Diese Raubzugmethoden haben speziell für Deutschland mehrfach übelste Folgen gehabt-wir zahlen für das letzte Abenteuer dieser Art schließlich heute noch. Schon vergessen??
Viertens; Die Bundeswehr dient der Landesverteidigung und zu nichts anderem!! Und die findet nicht am Hindukusch oder sonstwo statt. So war der Konsens, damit die Deutschen sich überhaupt wieder bewaffneten. Auch schon vergessen??
Pazifismus ist in dieser Zeit zweifellos fehl am Platz - aber Militarismus und Hurra Amerika wir kommen erst recht!!!
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