Somalia Rückkehr der WarlordsSeite 2/2

Einige Kriegsherren Somalias haben sich mit ihrer Unterstützung der Islamisten offensichtlich verkalkuliert. So wandelte sich Yusuf Indha’adde in den vergangenen Monaten zum strenggläubigen Anhänger des UIC. Vorher hatte er seine Streitmacht durch Drogenhandel finanziert und nebenher Hilfsorganisationen 15 Prozent ihres Budgets vor Ort an Steuern abgenommen. Nach unbestätigten Quellen befindet sich der zuletzt zum „Verteidigungsminister“ des UIC aufgestiegene Indha’adde nun zufällig auf Pilgerreise gen Mekka.

Clanzugehörigkeit ist in Somalia wichtiger als Religion. So setzen sich die Schariagerichte bis auf eines aus Mitgliedern des Hawiye-Clans zusammen. Die mächtigen Hawiye wurden bei der Kabinettsbildung der Übergangsregierung im kenianischen Exil stark vernachlässigt, zugunsten anderer Clans. So erst konnten die Schariamilizen gleichzeitig auch eine lockere Sammlungsbewegung einiger Hawiye werden. Doch auch die Hawiye sind untereinander gespalten. Hussein Aidid beispielsweise erkannte die Vorzeichen und harrte auf Seiten der Übergangsregierung aus. Der Kriegsherr Mohammed Dheere, auch Hawiye, floh gar nach Äthiopien, als Islamisten Jowhar einnahmen, die von ihm kontrollierte Stadt nördlich Mogadischus, die er vor wenigen Tagen nun mit Äthiopiens Hilfe wieder einnehmen durfte.

Auch Hussein Aidids Angebot, den Regierungssitz nach Mogadischu zu verlegen, soll angenommen werden. Premierminister Ghedi ist bereits per Hubschrauber zu Konsultationen eingeflogen. Es wäre das erste Mal, dass die Übergangsregierung Mogadischu beherrscht. Aber ob das in naher Zukunft geschehen wird, bleibt fraglich. Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer EU-Ratspräsidentschaft angekündigt, zwischen den Konfliktparteien vermitteln zu wollen. Ein schweres Unterfangen, vor allem mit bloßen Worten. Viele Faktionen versuchen, Macht zu erbeuten. Die großen Waffendepots der Islamisten sind bereits weggeschafft oder geplündert, die Preise für automatische Gewehre innerhalb von zwei Tagen rapide gesunken.

Es wird sich zeigen, ob der von einigen UIC-Islamisten angedrohte Guerillakrieg nun tatsächlich gestartet wird. Und ob der anders aussehen wird, als die Zustände in Somalia nicht ohnehin schon lange sind. Entscheidend ist hier auch die Zahl der vormals kaum präsenten Dschihadis aus dem arabischen Ausland. Hussein Aidids Milizen jedenfalls sind vorbereitet. Eine andere Art der Arbeit kennen ohnehin die wenigsten; seit nunmehr 16 Jahren ist Somalia eine zerfallene Staatsruine.

Zum Thema
In Somalia bahnt sich ein neuer Krieg an - Bereits jetzt sind Tausende äthiopische Soldaten im Land, um die Übergangsregierung vor Angriffen von Islamisten zu schützen »

Keine Einigung bei der UN - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich in einer Dringlichkeitssitzung über den Konflikt in Somalia nicht auf eine Erklärung einigen können »

Hassans Traum von Großsomalia - Am Horn von Afrika haben Islamisten die Macht erobert »

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service