Elterngeld Warte, Baby, warte!

Ab 1. Januar gibt es das neue Elterngeld. Es wird für viele junge Mütter und Väter Vorteile bringen. Aber leider lohnt sich die Neujahrsgeburt nicht für alle.

Der Countdown läuft. Noch drei Tage, dann beginnt das neue Jahr. Mit ihm kommt das neue Elterngeld, und in den verbleibenden Stunden hoffen viele hochschwangere Frauen, dass sich die Geburt ihres Kindes bis Neujahr hinauszögert. Für die meisten Eltern zahlt sich ein Baby, Jahrgang 2007, aus - mehr zumindest als eines, das noch auf den letzten Drücker im WM-Jahr das Licht der Welt erblickt.

Rasch zu den Zahlen: Zusätzlich zum Kindergeld (das weiterhin 154 Euro je Monat und Kind bringt) erhalten Elternpaare mit einem Jahresnettoeinkommen von weniger als 30.000 Euro derzeit noch monatlich 300 Euro Erziehungsgeld - während der ersten zwei Erziehungsjahre. Ab dem 1.1.07 gibt es statt diesem dann das Elterngeld. Es wird maximal 14 Monate lang ausgezahlt an Elternteile, die beruflich aussetzen, um sich um ihre Neugeborenen zu kümmern. Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens, maximal 1800 Euro pro Monat. Gering- oder Nichtverdiener erhalten weiterhin den Sockelbetrag von 300 Euro im Monat, allerdings nur noch für ein Jahr.

Anzeige

Johanna P. aus Hamburg würde zum Beispiel mehrere Tausend Euro verlieren, würde sie vor Montag, 00:00 Uhr, gebären. Ursprünglich wollte die im Öffentlichen Dienst beschäftigte P. ihren zweiten Sohn per Kaiserschnitt zur Welt bringen. Geplante Kaiserschnitte erfolgen allerdings sieben bis zehn Tage vor dem ursprünglich errechneten Geburtstermin: Das Baby gilt als geburtsreif, Wehen können den Eingriff aber noch nicht stören.

Das katholische Marienkrankenhaus weigerte sich, Familienpolitik zu betreiben, und im Fall von Johanna P. von der üblichen Zeitspanne für Kaiserschnitt-Geburten abzuweichen. Die 34-Jährige muss ihren schwangeren Bauch also ohne Kaiserschnitt ins neue Jahr hinüberretten, und wird – toi, toi, toi – in der ersten Januarwoche natürlich entbinden.

Auch andere Krankenhäuser geben sich hippokratisch anständig und unbestechlich. Kaiserschnitt-Verzögerungen widersprächen ebenso den „medizinischen Regeln“ wie wehenhemmende Medikamente, so Professor Kurt Hecher von der Eppendorfer Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin. Allenfalls „weiche Mittel“ seien zulässig.

Wer seine Schwangerschaft ein bisschen verlängern möchte, sollte körperliche Belastungen vermeiden, nicht heiß baden, auf Abführmittel und auf Sex verzichten. Wenn die Wehen in der Silvesternacht einsetzen, könnte man theoretisch versuchen, einige Minuten zu gewinnen, so Hecher. „Dann könnte man der Patientin raten, die letzten Wehen noch zu veratmen, bevor sie aktiv mitpresst.“

Leser-Kommentare
    • keox
    • 29.12.2006 um 16:52 Uhr

    'Rasch zu den Zahlen: Zusätzlich zum Kindergeld (das weiterhin 154 Euro je Monat und Kind bringt)...'

    diese sprache macht deutlich, welchen stellenwert kinder heute einnehmen. sie sind ein knappes gut, entsprechend werden sie bewirtschaftet. wie bei jedem anderen gut werden unterstellte qualitätsunterschiede honoriert, also werden kinder um so stärker finanziert, je höher die soziale stellung ihrer eltern ist, die sich in der regel, wie alles andere auch, nach finanziellen gesichtspunkten bemißt.

    als die seichtigkeit des scheins noch nicht demokratie genannt wurde nannte man es beim namen: zuchtwahl.

    • QUOTE
    • 30.12.2006 um 19:31 Uhr

    Endlich wird in Deutschland wieder zwischen Leyenswertem und Leyensunwertem Leben unterschieden und das Gebären von Leyenstüchtigem Leben - raffiniert wie die Essers, smart wie die Kleinfelds und gierig wie die Ackermänner, gell! - entsprechend honoriert.

    Wie wäre es zusätzlich mit einer Art Auszeichnung für verdiente Mütter derselbigen zum Anstecken (evtl. in Kreuzform)?

  1. Natürlich muß es im zweiten Absatz nicht heißen: 'KinderKRIEGEN ' (nicht Kinderlosigkeit) wird in diesem Land massiv bestraft'.

  2. Wenn bislang eine Zuchtwahl betrieben wird, dann in die Gegenrichtung: alle Mittel des Staates, die wirtschaftlichen Nachteile des Kinderkriegens auszugleichen, kommen den sozial schwachen Schichten zugute. Das Kindergeld etwa ist für jeden, der halbwegs Einkommensteuer bezahlt, zu großen Teilen nur die Rückerstattung zuviel entrichteter Steuern (und daher auch im Einkommensteuergesetz geregelt!). Nur für Geringverdienerhaushalte ist es hingegen eine echte Subvention. Kinderfreibeträge in der Krankenkasse kommen, wie das ganze Gesundheitssystem überhaupt, hauptsächlich Geringverdienern zugute - es sind nicht vor allem Kinderlose, sondern vor allem andere Eltern, die diese Menschen unterstützen. Jugendamt und Jugendhilfe (übrigens auch ein großer Teil der Polizei und des Strafvollzuges) sind zu zu 95% mit den Problemen der 'Sozial Schwachen' beschäftigt. Und das alte Erziehungsgeld? Nach Ablauf des ersten Halbjahres dufte man, um es zu erhalten, kaum mehr verdienen als ein Sozialhilfeemfpänger. Für so jemanden aber - also jemanden, der jeden Pfennig umdrehen muß - sind 300 Euro im Monat, zwei Jahre lang und anrechnungsfrei (!) etwa auf die Sozialhilfe, ein Vermögen.

    In ärmsten Verhältnissen, und nur dort, kann sich Kinderkriegen wirtschaftlich rechen! Mama kriegt eine größere Wohnung zugebilligt, muß fürs ALG II nicht mehr beim Arbeitsamt antanzen, erhält zusützliche Sozialhilfe für die Kinder (und in den ersten Jahren ist das deutlich mehr, als diese Kinder zusätzlich kosten, vor allem wenn man an ihnen spart). Kinderlosigkeit wird in diesem Land wirtschaftlich massiv bestraft -- es sein denn, einer kann sich beim besten Willen keine Kinder leisten. Dann wird es belohnt.

    Nun wird mit dem Elterngeld erstmals ein winziger Schritt unternommen, um auch für das Nicht-Prekariat die Nachteile des Kinderhabens ein ganz klein wenig zu verringern. Und schon ertönt das Geschrei der Gutmenschen, die wohl niemals begeifen werden, daß in diesem Lande ALLE Eltern außerhalb des Prekariats sozial benachteiligt sind - nämlich gegenüber vergleichbaren Kinderlosen. Ein Arzt mit zwei Kindern hat WESENTLICH weniger zur persönlichen Verfügung als sein kinderloser Kollege (selbst wenn der unverheiratet ist), und einem Durchschnittsverdiener mit 2 Kindern bleibt persönlich wenig mehr als einem Sozialhilfeempfänger. Ein Sozialhilfeempfänger mit 2 Kindern steht sich dagegen deutlich besser als einer ohne Kinder.

    Aber was interessiert's die Schönbeter?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service