So kannt man den Präsidenten, der als Diktator regierte: Saddam Hussein am 17.12.1997 in Bagdad© AFP/Getty Images

Saddam Hussein ist an diesem Morgen hingerichtet worden. 25 Jahre lange hatte er den Irak mit Methoden des Terrors regiert. Doch während der langen Monate des Prozesses gegen Saddam Hussein kam nur ein Bruchteil seiner Verbrechen zur Sprache. Auch die Vernichtung von rund 50.000 Kurden im Jahr 1991 gehörte dazu.

Die Todesstrafe gegen Saddam wurde wegen der Ermordung von 148 schiitischen Männern und Jungen im Jahr 1982 ausgesprochen. Auch das wird in dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Irak als Zeichen gelesen: Der Sunnit Saddam Hussein ist wegen eines Verbrechens an Schiiten hingerichtet worden. Das irakische Gericht bestätigte das Todesurteil am 26. Dezember, die Vollstreckung sollte innerhalb eines Monates stattfinden. Bis zum Schluss war nicht klar, ob Saddam noch vor Jahresende hingerichtet würde.

Am Samstag beginnt für die Sunniten der Eid, ein hohes islamisches Fest, für die Schiiten beginnt derselbe Festtag am Sonntag. Das irakische Gesetz aber scheint Hinrichtungen an Festtagen nicht zu erlauben. Es war offensichtlich die von Schiiten dominierte Regierung, die auf eine schnelle Hinrichtung Saddam Husseins gedrängt hat. Auch das ist ein Zeichen. Muneer Haddad, Richter am irakischen obersten Gericht, wischte alle Bedenken mit den Worten vom Tisch: „"Saddam Hussein ist kein Sunnit. Er ist kein Schiit. Er ist kein Muslim!“"

Dieser Satz des Richters gäbe ein seltsames Epitaph für den Diktator ab, der im Laufe seiner 25-jährigen Alleinherrschaft alle Rollen durchspielte, die der Irak zu bieten hatte. Er war irakischer Nationalist, er war Panarabist, Befreier Jerusalems, Rächer der geknechteten arabischen Massen, Führer aller irakischen Stämme, er war Sozialist, Todfeind des Islamismus und schließlich Beschützer des Islams. Nichts war dem Mann heilig.

Wer durch die Straßen Bagdads kam, der konnte Saddam Hussein in allen seinen Posen besichtigen. Saddam betend in der Moschee, Saddam als Staatsführer mit Schlips und Anzug, Saddam als Stammesführer mit der kefiyah auf dem Kopf, Saddam als volksnaher Held mit Tirolerhut. Selbst Babylon hatte der grausame Schausteller nicht verschont. Eine Fahrt durch Bagdad war wie eine Geisterfahrt durch die Geschichte des Iraks.