Geopolitik Treuebonus im BruderzwistSeite 2/2
Allerdings hat Lukaschenko nicht wie die Staatschefs der Ukraine oder Moldawiens Raum zum taktischen Manövrieren zwischen Russland und dem Westen. Das versucht Putin nun zu nutzen. Er wartete noch Lukaschenkos manipulierte Wiederwahl im März vergangenen Jahres ab, bevor er die Dividende für Russlands Rückendeckung einforderte. Während die Europäische Union und die USA den weißrussischen Präsidenten endgültig mit politischer Isolationshaft belegten, erkannte Russland die Präsidentschaftswahl umgehend an, um den ungeliebten Lukaschenko an sich zu binden. Denn er bleibt aus der Sicht der russischen Geopolitiker die geringste Bedrohung. Jedem seiner Nachfolger stünde der Westen als Partner offen.
Diese realistische Bestandsaufnahme ist ein schwerer Schlag für die Mehrzahl der Politiker Russlands, die den Mythos Weißrusslands als untrennbarem Teil der russischen Scholle auch weiterhin pflegen. Im Gaskonflikt mit Minsk ging es dem Kreml nicht nur um die Verminderung der Abhängigkeit von Gastransitländern und um mehr Profit, den das hoch verschuldete Gasprom braucht, um eine drohende Versorgungslücke zu vermeiden. Denn in den vergangenen Jahren kümmerte sich Gasprom statt um die Erschließung neuer Gasfelder lieber im Kremlauftrag um den Ausbau seines Medienimperiums und seiner Beteiligungen bei europäischen Gasversorgern. Russlands Führung erwirbt mit Gasproms Hilfe vor allem Macht dort, wo sich der politische Einfluss verringert.
Beltransgas stellt nur den Beginn einer Expansion der russischen Wirtschaft nach Weißrussland dar. Zwar gibt die neue Nachbarschaftspolitik des Kremls vor, künftig nur für ökonomische Vorteile konkrete politische Loyalität einzufordern. Nachbarländer, die ihre Unabhängigkeit betonten, müssten dafür entsprechend teuer bezahlen mit Gaspreisen zum europäischen Tarif. Doch das Denken in Einflusssphäre und Treuebonus haftet der russischen Führung weiterhin an. So erhalten die ukrainische Regierung, die das orangefarbene Gespenst zu Russlands Gunsten vorerst vertrieb, oder Armenien, das eine Kontrollmehrheit am Gasversorgungsnetz abtrat, Gas zum politischen Sonderpreis. Der Versuch, den Status quo um Lukaschenko mit dem größtmöglichen Profit zu verbinden, passt in dieses Lehrstück über die Macht des kremlgesteuerten Unternehmens Gasprom, das Preise und Wohlverhalten notfalls mit Erpressung diktiert.
- Datum 12.05.2009 - 16:49 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Was bezahlt der deutsche Abnehmer: 250 $/tm3 ?
200$ sind damit 20% Rabatt sind damit Erpressung ?
100 $ und damit 60% Rabatt sind unmoralisch ?
Mit der Abwertung des Dollar und der Aufwertung des Rubel sind die innerrussischen Preise in Relation zu Weissrussland stark angestiegen.
Dass Weissrussen nicht weniger für Gas bezahlen sollen als die Russen selbst, das sollte trotz aller Probleme mit Putin auch der Westen einsehen.
Hat hier im Westen keiner die Aufwertung des Rubel und damit der Förderkosten mitbekommen?
Führen die biherigen Rabatte wie für Weissrussland nicht zur beklagten Verschwendung?
Hatte Weissrussland nicht 3 Jahre Zeit sich auf den Ölschock von 2003 einzustellen ? Achso Herr Lukaschenko hat ja anderes zu tun als sein Land fitter zu machen.
Mit etwas Kleverness verkauft er einen Teil des Gases zum Weltmarktpreis weiter und seine Landsleute frieren so oder so.
Wie wäre es denn mit Hausisolation im großen Stil statt Hausobservation?
Das kann man ja von einem Diktator nicht verlangen: einen Fortschritt für sein Volk.
Den Verlangen ja noch nicht einmal die reichen Europäer von sich: Der Energieverbrauch der europäischen Haushalte ist höher als vor 30 Jahren.
Nur der hohe Preis weckt jetzt unsere Alten auf.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren