Öl-Lieferstopp Tank ist noch voll

Trotz der Unterbrechung einer Ölpipeline aus Russland ist der Rohöl-Preis gesunken. Die Versorgung ist sicher. Dennoch muss die EU über ihre Energiestrategie nachdenken

Öl-Raffinerie in Weißrussland. Auch sie erhält nun kein Rohöl mehr

Öl-Raffinerie in Weißrussland. Auch sie erhält nun kein Rohöl mehr

Noch immer ist die Ölleitung "Druschba" von Russland über Weißrussland und Polen nach Deutschland geschlossen. Doch hierzulande wird dies mit Gleichmut aufgenommen. Der Ölmarkt ignorierte den Ausfall der Lieferungen weitgehend, obwohl diese mit 1,8 Millionen Barrel am Tag immerhin der gleichen Menge entsprechen, die täglich im Irak produziert wird und von der immer wieder behauptet wurde, dass sich ihr Ausfall deutlich auf die Weltmarktpreise auswirken würden.

Doch obwohl die russische Pipeline leer daliegt, sank der Brent-Preis für Rohöl am Dienstagnachmittag mit 51,40 Euro unter das Niveau vom Montagmorgen. Am Montag war der Preis zwar kurzfristig um einen Dollar gestiegen, rutschte aber schon am Abend wieder auf sein Ausgangsniveau.

Anzeige

"Die Märkte haben eben schon ihre Erfahrung mit solchen russischen Demonstrationen", sagt Klaus Matthies, Fachmann für Rohstoffmärkte am Hamburger Weltwirtschaftsinstitut. Die Auseinandersetzung mit der Ukraine vom vergangenen Jahr und der Gasstreit mit Weißrussland an Silvester hätten gezeigt, dass die Auswirkungen solcher Streitereien auf Westeuropa eher gering seien. "Zudem sind die Reserven der Raffinerien groß, und auch der Staat verwaltet eine ausreichende strategische Reserve."

Die Europäische Union hat berechnet, dass Deutschland sich selbst 130 Tage lang mit Rohöl versorgen könnte, wenn sämtliche Lieferungen ausfallen würden. Die russische Pipeline bringt etwa ein Fünftel der hiesigen Produktion ins Land. "Deutschland wäre also mithilfe der Reserven für etwa 15 Monate gut versorgt", sagt Matthies. Insofern gehe von dem Lieferstopp keine unmittelbare Beeinträchtigung aus. Außerdem könnte Öl auch auf anderem Weg von Russland hierher gebracht werden, beispielsweise durch Tanker. "Saudi-Arabien hat seine Exporte im November gesenkt und will das im Februar nochmals tun es sollten also genug freie Schiffe zur Verfügung stehen", sagt Matthies.

Ähnliches war von der Internationalen Energieagentur (IEA) zu hören. Die IEA sieht die Ölversorgung in Europa durch die Schließung ebenfalls nicht gefährdet. Die EU bezieht etwa 12,5 Prozent ihres Erdölverbrauchs durch die unterbrochene Fernleitung. Die Raffinerien in den an die Leitung angeschlossenen Ländern hätten ausreichend Öl für mehrere Tage auf Lager, hieß es von der IEA. "Es besteht daher nicht die Gefahr, dass die Versorgung der Endnutzer zum Erliegen kommt." Sollte Russland die Öl-Leitung längerfristig schließen, könnten die Raffinerien außerdem auf andere Versorgungswege zurückgreifen. Einige hätten schon damit begonnen, Alternativen zu organisieren. Die IEA teilte weiter mit, sie wolle eine schnelle und klare Lösung des Konflikts.

Allerdings sei die Schließung schon ein Signal dafür, dass Deutschland intensiver darüber nachdenken müsse, seinen Rohölbedarf durch unterschiedliche Lieferanten zu decken, sagt Matthies. Am Donnerstag will die Oil Supply Group der EU zusammentreten, um genau diese Frage zu beraten. Am Mittwoch will auch die Europäische Kommission ihr Strategiepapier zur Entwicklung des europäischen Energiemarkts vorlegen.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 09.01.2007 um 10:53 Uhr

    Noch früher als erwartet ist das eingetreten was man voraussehen konnte, der Beweis wie abhängig wir von instabilen Systemen sind.
    Auf der einen Seite abhängig von einer Gas-Mafia wie der Gasprom und beim Öl vom politischen Räkespiel zwischen Rußland und Weißrußland, zwischen Rußland und Deutschland/Europa, zwischen Weißrußland und Deutschland/Europa, und so weiter...
    Und auf der anderen Seite vom Öl aus einer politisch völlig instabilen Zone wie den arabischen Länder, wo jeden Tag islamische Fundamentalisten den Ölhahn in die Finger bekommen können.

    Zu verdanken haben wir das in der Hauptsache Schröder und Trittin. Die beiden haben die Pläne umgesetzt alle AKWs zu schließen und uns in die totale Abhängigkeit der oben genannten zu manövrieren.
    Eigentlich gehören Schröder und Trittin dafür vor ein Gericht, denn als sie ihre Ämter übernahmen haben sie einen Eid geleistet, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Diesen Eid haben sie mit ihrer idiotischen Energiepolitik gebrochen. - Natürlich werden sie nicht angeklagt, wir sind ja hier in der BRD!

    Und was macht die jetzige Regierung? Erkennt sie in welch verhängnisvolle Abhängigkeit Deutschland schliedert? Erkennt sie das die stabile Energieversorgung der Zukunft nur über AKWs führt? Das dieser rot-grüne energiepolitische Schwachsinn korregiert werden muß?

    Offenbar nicht, denn das einzigste was man diesbezüglich zu hören bekommt ist der Hinweis auf den Koalitionsvertrag, und da steht drin, die idiotische Politik von Schröder und Trittin und co fortzusetzen. Der Koalitionsvertrag wird durchgezogen bis zum Abwinken!
    Nur gut das da nicht drinsteht, springt alle in die Jauchegrube. Die würden glatt reinspringen, weils im Koalitionsvertrag steht!

    Und wo sind die Gewerkschaften? Die kontinuierliche Versorgung mit preiwerter Energie, jedenfalls nicht teurer als diese die Konkurrenz bekommt, ist für den Arbeitsmarkt unverzichtbar. Höhere Energiekosten als die Konkurrenz bedeutet massenhaften Arbeitsplatzverlust. Also wo sind die Gewerkschaften? Die Bonzen bekommen ihre fetten korrupten Ärsche nicht hoch! - Wir sind in der BRD!

    Und jetzt fehlen noch die, denen wir das letzlich zu verdanken haben, den Gegnern der AKW. Dieser unsägliche Haufen von Hysterikern, 'wollen sie eine Million Tote haben', Grünkern mümmelnder Ökospinner, und jenem linken Anarchopack wie man es auch bei Attac findet. Diese Staatszersetzer.

    Das die Energieversorgung einer Industrienation quasi von solchen Idioten gesteuert wird zeigt, wie verrottet die politische Klasse der BRD ist, sonst würde sie so etwas nicht zulassen.
    Das System BRD ist eben kaputt!

  1. Natürlich kann man mit Kernkraft Benzin ersetzen! Man braucht der Bahn/Straßenbahn nur billigen Atom-Strom zur Verfügung zu stellen und schon ist das Problem gelöst. . Kelber ist ein typischer SPDler, unterbelichtet und arrogant! J.S.

    • Anton3
    • 09.01.2007 um 11:31 Uhr

    Für den längst fälligen, epochalen Richtungswechsel in Richtung nachhaltiger und dezentraler Energieversorgungen (technologisch, industriell, steuerlich innoviert) sprechen zwei Gründe: Erstens die Verantwortung für künftige Generationen auf diesem Planeten. Zweitens die Unberechenbarkeit und Masslosigkeit russischer 'Energiekonzerne' wie Lukoil und Gazprom.

    • Crest
    • 09.01.2007 um 13:02 Uhr

    die die Gafahren leugnen,
    die in Hinblick auf Uranlieferungen optimistischer sind
    und die auf einen volkswirtschaftlichen Nutzen spekulieren.

    Und recht haben sie!

    Herzlichst Crest

    • Anonym
    • 09.01.2007 um 14:02 Uhr

    Schon komisch, da wurde angeboten D zum Verteilerkopf für russische fossile Brennstoffe zu machen, das wurde aber abgelehnt. Polen fühlte sich das Recht genommen, Lieferungen nach D zu kappen. Im Moment hängt es im Transitland Weißrussland. Welch ein Unding, würde D Brennstoffe beziehen unter Umgehung anderer Länder, durch die Ostsee...

    Zur Atomlobby: Wo kriegen wir denn unser Uran her? Die einzige deutsche Mine wurde nach der Wende dichtgemacht. Ich verrate es Ihnen: Aus dem HEU-Deal und somit aus Russland...

    Was hilft letztendlich? Sich nicht von anderen abhängig machen, eher umgekehrt. Energieeffizienz und Autarkie, so weit wie möglich durch neue Energien.

    Man darf gespannt warten, bis die ersten Spinner jetzt gleich noch Atomkraft wg. CO2 anpreisen...

  2. 'Wo kriegen wir denn unser Uran her? ... Ich verrate es Ihnen: Aus dem HEU-Deal und somit aus Russland...'

    Können Sie irgendwie nachvollziehbar erklären wie Sie hier auf Rußland kommen? Ich würde sagen, wir beziehen das angereicherte Uran von unseren lieben westlichen Verbündeten; wozu haben wir die schließlich. Aber Rußland?

    'Energieeffizienz und Autarkie, so weit wie möglich durch neue Energien.'

    Hm, wir könnten mehr essen, dann müssen wir mehr sch....., und schon können wir mehr Biogas gewinnen. Meinten Sie das?

    'Man darf gespannt warten, bis die ersten Spinner ...'

    Wer hier der wirkliche Spinner ist dürfte ja wohl klar sein!

  3. Ich bin entsetzt wie viele Leute doch ernsthaft die Kernkraftnutzung anziehen wollen und die Kernkraftnutzung auch noch als 'sicherer' (im Sinne der nicht-abhaenig von Russland und 'Terroristenlaendern') bezeichnen. Solch eine bornierte und vor allem gefaehrliche Meinung ist fuer mich unverstaendlich. Wieso werden Menschen immer von leichter Nutzung dazu bewegt Risiken, die in Tchernobyl und Japan nun wirklich ausfuehrlichst erforscht wurde, zu negieren?!
    Und Menschen, die Schroeder und Trittin als Verbecher und eine Organisation wie Attac als Ausgeburt einer kaputten BRD darzustellen, kommen mir so vor, als ob sie sich immer noch nach dem alten guten Deutschland sehnen und die Rechte der Menschen am liebsten auf Essen, schlafen und 'Ja-sagen' reduzieren moechten...

    Solche Menschen sollten besser auf Zeitungen wie die FAZ oder die Bild zurueckgreifen, als Journalisten der Zeit, die offen und ehrlich ihre Meinung sagen und sich nicht von konservativen Wirrkoepfen, die jetzt schon sogenannte 'Killerspiele', auf Neudeutsch Ego-Shooter, dem dummen Deutschen Volk entziehen wollen, ihre Meinung diktieren lassen, als nichts-koennend zu bezeichnen!

    MFG

    Kolja Ortmann

  4. Kernkraft ist eine anspruchsvolle Technologie die nicht von jedem gemeistert werden kann.
    Insofern mag es ein instinktiver Akt der Selbsterkenntnis gewesen sein, als Rote und Grüne ihren Ausstieg beschlossen haben.
    Das Sozialisten nicht mit Kernkraft umgehen können, sieht man ja an Tschernobyl usw.. J.S.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service