TechnologieDurchdacht statt getrieben

Die Neuerfindung des noch jungen Jahres: das Telefon. Apple zeigte am gestrigen Dienstag erstmals sein iPhone – und alle anderen Hersteller müssen sich Gedanken machen. Erstmals seit langem könnte wirklich Bewegung in den Markt für mobile Fernsprechgeräte kommen. Ein Kommentar von Falk Lüke

Apple-Urgestein Steve Jobs stellte das iPhone in San Francisco vor.

Apple-Urgestein Steve Jobs mit iPhone  |  © David Paul Morris/Getty Images

Wenn ein Elektronikhersteller ein neues Telefon vorstellt, ist das nur selten ein berichtenswertes Ereignis. Als gestern Apple-Chef Steve Jobs in San Francisco das iPhone präsentierte, war es nicht nur ein Ereignis, es war eine Kampfansage: nicht weniger als eine kleine Revolution kündigt sich an. Apple wird mit dem iPhone seinem Ruf gerecht, das Rad neu erfinden zu können. Mit einem faszinierend klaren Blick für das große Ganze und die kleinen Details setzt die Firma die großen Hersteller gehörig unter Druck.

Um zu verstehen, warum das iPhone solch einen Fortschritt bedeutet, muss man die Entwicklungen der letzten Jahre betrachten: Die tragbaren Telefone wurden zwar immer kleiner und leistungsfähiger. An ihren grundlegenden Konzepten wagte kein Hersteller mehr zu rütteln – zu eingeschliffen schien das Nutzerverhalten zu sein.

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Die größten Innovationsschritte der vergangenen zehn Jahre waren stets von Providerwünschen oder neuen Geschäftsmodellen getrieben. Polyphone Klingeltöne sorgten für den Verkauf von Musik an die MTV-Kundschaft, integrierte Kameras sollten die Multimedia-Dienste der Provider zu Verkaufsschlagern machen. Wenig verwunderlich, dass man von Nokia über SonyEricsson bis BenQ den Markt für mobile E-Mails fast komplett an einen Hersteller verlor, der aus dem nichts kommend eigene Endgeräte und Softwarelösungen anbot: RIMs Blackberry ist heute der de facto-Standard für den Unterwegszugriff auf Mailkonten. Die Großen der Branche hatten den Bedarf schlicht nicht erkannt und keine durchdachten, funktionierenden Lösungen in petto.

Apple zäumt das Pferd nun wieder an den Nüstern auf: das iPhone verzichtet auf einige gewohnte Eigenschaften – zugunsten besserer. So ist die seit einem Jahrzehnt in mühsamer Fingerakrobatik erlernte Vierfach-Tastenbelegung für das Smartphone nicht mehr nötig: Wenn getippt oder gewählt werden muss, wird eine volle Tastatur auf dem Touchdisplay angezeigt. Die oft umständlichen Softwarelösungen für den Abgleich des Telefonadressbuchs mit dem Computer sollen passé sein, nicht nur für die Nutzer von Apple-Computern.

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