Ein baufälliges Wohnhaus in Hannover, Königsworther Straße. Durch eine unscheinbare Ladentür geht es in die bizarre Welt von Silke Arp bricht: ein Club und Gesamtkunstwerk, eine Art Merzbau der Neunziger, dem Dadaismus verbunden. Silke Arp bricht – kurz "Silke" genannt – riecht nach Schimmelsporen, Zigarettenrauch und muffigen Sofas. So geht's im Avantgarde-Keller zu: Die Silke-Arp-Bildergalerie

Eine steile Treppe führt hinunter in einen höhlenartigen Keller zur kleinen, lamettabehangenen Bühne und der Tanzfläche aus mattgetretenen Stahlplatten. 100 Leute haben hier Platz, wenn 200 kommen, wird es eng. An der kleinen Theke kann man Herrenhäuser Pils bestellen. Eine Lichtreklame "Zum Deutschen Schmied" hängt an der Wand, ein Mobile aus vergilbten Kaufladenschachteln bewegt sich im Luftzug.

Hinter dem Tresen, neben einem Fahrkartenentwerter, sitzt Uwe und füllt Salzstangen in die Gläser. Über der Tanzfläche breitet ein Bussard seine Flügel aus, hinter dem DJ-Pult hängt ein Herz-Kreislauf-Modell, über dem Klavier ein Teppich mit Jesus-Bild. Immer wieder wird umdekoriert und umgebaut.

Silke Arp bricht ist Treffpunkt, Verein und Club, ehrenamtlich organisiert und unkommerziell. Von den Spenden der Gäste und Freunde wird die Miete bezahlt oder mal ein neuer Plattenspieler. Musiker bekommen für ihren Auftritt etwas Warmes zu essen, Getränke und einen Schlafplatz. Silke ist aber mehr als nur ein Ort, sie ist eine Freundin: Eine etwas rätselhafte und schwierige Person, die man lieb hat, die aber oft auch anstrengend ist, weil sie komische Sachen in ihrem Wohnzimmer macht oder unsympathische Gäste anlockt.

Silke ist ihrer Zeit immer eine Nasenlänge voraus, mit Beharrlichkeit wunderlich, kritisch, spielerisch, sprühend vor Witz. Ihre Freunde haben viele Nächte in ihrem Keller durchtanzt, geredet, gelacht. Unvergesslich bleiben Auftritte wie die von Mr. Quintron & Miss Pussycat: Eine Dame im Miezekatzenkostüm schwingt die Rumba-Rasseln, während ihr Kollege mit nacktem Oberkörper schweißüberströmt in die Tasten seiner Hammond-Orgel schlägt und sich um den Verstand brüllt. Dann unterbrechen sie die Ekstase, um ein Puppentheater-Stück aufzuführen, dem das Publikum kichernd zusieht. Aber es gibt auch Abende, an denen man gelangweilt nach Hause geht, weil auf der Bühne Jungs mit angesagten Frisuren vor ihren Powerbooks sitzen und digitales Gestöpsel servieren. Als die Silke plötzlich hip wurde, kippte die Wohnzimmeratmosphäre des öfteren in ein Wir-stehen-cool-in-einem-trendy-Club-herum.

Und trotzdem ist Silke immer noch ein unkonventionelles Projekt von einfallsreichen Machern, die einmal im Monat zu Konzert- und Filmabenden oder einfach nur zum Tanz einladen. Silke ist berühmt für ihren schlechten Geschmack und die kultivierte Improvisation, ihre Spürnase für alte Schätze und ihren Mut zum Verrücktsein.