Second Life Mafia im Cyberspace
Sie erledigen die bösen Jobs: Verbrecher machen die virtuelle Welt von Second Life unsicher. Im Interview erzählt einer von ihnen, wie das vor sich geht
Thommy F. geht in der Nähe von Washington zur Highschool – und ist Unterboss einer Mafiafamilie in Second Life.
ZEIT online: Wie sind Mafias in Second Life organisiert?
Thommy F.: „Mafia“ kann hier vieles bedeuten. Es gibt riesige Clans, aber die brechen leicht auseinander. Ich gehöre zu einer kleinen Gruppe von Geschäftsleuten, die sehr eng zusammenarbeiten.
ZEIT online: Welche Art von Geschäften macht ihr?
Thommy F.: Einige sind im Glücksspielgeschäft, andere kümmern sich um Cyber-Prostitution und wieder andere tun Dinge, die nicht so legal sind – aber da möchte ich lieber nicht in die Tiefe gehen.
ZEIT online: Nicht so legal?
Thommy F.: Du musst verstehen, dass ich das nicht ausführen kann. Nur so viel: Einen großen Teil der Zeit verwenden wir darauf, andere zu täuschen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Das ist eine einfache Art, an Geld zu kommen.
ZEIT online: Ist es in Second Life möglich, andere zu bedrohen oder zu verletzen?
Thommy F.: Zugegeben, bei Neulingen ist das schwer. Aber wenn Du ein eigenes Geschäft betreibst, können wir das ruinieren.
ZEIT online: Wie?
Thommy F.: Wir sorgen dafür es, dass niemand mehr dort einkauft oder vermüllen es mit virtuellem Abfall. Sagen wir, jemand besitzt einen Nachtclub. Ein Mafiosi könnte seine Handlanger mit virtuellen Waffen hinschicken. Die wirken so, dass der Ort länger braucht, um auf den Rechnern der Besucher geladen zu werden. Niemand kann sich dann noch richtig bewegen. Und es macht einfach keinen Spaß mehr, dahin zu gehen. Wenn man das ein paar Tage lang macht, ist das sehr effektiv.
ZEIT online : Läufst Du nicht Gefahr, aus Second Life verbannt zu werden?
Thommy F.: Ich? Es gibt Typen für solche Aufgaben, weit unten in der Hierarchie.
ZEIT online : Was kannst Du für mich erledigen?
Thommy F.: Wenn es da jemanden gibt, der Dich nervt oder Dein Geschäft behindert, finden wir ihn und machen ihm Deine Sicht der Dinge deutlich.
ZEIT online : Kannst Du jemanden für mich beseitigen?
Thommy F.: Unglücklicherweise kann man ja gegen einen Avatar keine Gewalt anwenden. Aber es gibt Wege. Wir benutzen High-Tech-Waffen, kleine Programme, die den Computer Deines Freundes so verlangsamen, dass er keinen Spaß mehr hat und verschwindet. Oder wir erschleichen uns sein Vertrauen und nehmen ihm dann sein Vermögen ab.
ZEIT online : Wie werde ich Mafiamitglied?
Thommy F.: Das hängt vom Clan ab. Manche Familie holen ihre Leute direkt von der Straße, das ist sehr unprofessionell. Wir wollen unsere Leute erst kennenlernen, ihnen vertrauen, dann erledigen sie ein paar Dinge für uns...
ZEIT online : Was für Dinge?
Thommy F.: Nun ja, das ist jetzt natürlich alles theoretisch: Stellen wir uns vor, da ist ein Typ in unserem Kasino oder treibt sich auf unserem Land herum – und er nervt alle und vertreibt die Gäste. Dann würden wir gerne jemanden haben, der ihn aufsucht und ihm unsere Position erklärt. Wenn das gut läuft, besteht vielleicht die Möglichkeit, in unsere Familie aufgenommen zu werden.
ZEIT online : Geht es Euch dabei eigentlich ums Geld oder um den Spaß?
Thommy F.: Ehrlich, es geht um den Spaß. Natürlich versuchen wir, in dem Spiel soviel Geld wie möglich zusammenzubekommen. Je mehr Geld, desto mehr Spaß!
ZEIT online : Geld hat aber doch in Second Life einen echten Wert...
Thommy F.: Ich habe vor ein paar Monaten mal 100.000 Linden-Dollar (umgerechnet 300 Euro) umgetauscht. Auch wenn es nie meine Absicht war, all mein virtuelles Geld in echtes zu verwandeln, muss ich zugeben, dass es ziemlich cool war.
ZEIT online : Gibt es Mafia-Rivalitäten in Second Life?
Thommy F.: Mafia-Kriege enden oft in Schießereien, das liegt daran, dass viele Mafiosi Teenager sind, die schnell am Abzug sind... Wirkliche Auseinandersetzungen beginnen damit, dass man andere Gruppen infiltriert und dann finanziell ruiniert.
ZEIT online : Anderen Geld wegzunehmen, ist das nicht Diebstahl und Betrug?
Thommy F.: Das würde ich nicht sagen, es ist komplizierter... Jeder hat eine andere Definition, unter bestimmten Umständen erscheint dem einen legal, was für den anderen Betrug ist. Wenn Du weißt, was ich meine...
ZEIT online : Das sagen auch Verbrecher, bevor sie im Gefängnis landen... Hast Du keine Angst, deswegen in der Wirklichkeit Ärger zu bekommen?
Thommy F.: Es gibt nichts, wofür man mich belangen könnte.
ZEIT online: Was würde es mich kosten, jemanden beseitigen zu lassen?
Thommy F.: Das hängt von der Situation ab. Wenn wir eine riskante Methode verwenden, würde ich sagen, so um die 15.000 Linden-Dollar.
ZEIT online: Was war der bedeutendste Mafia-Fall in Second Life?
Thommy F.:
Es gab viele wirklich schöne Momente. Der beste war, als wir eine komplette andere Familie innerhalb von zwei Tagen ausradiert haben. Nicht zu vergessen, dass wir ihr Geld bekamen. Glücklicherweise haben unsere Methoden niemals dazu geführt, dass sich Linden Lab (der Betreiber von Second Life) eingemischt hat – abgesehen von ein paar gesperrten Zugängen von Leuten, die Drecksarbeit für uns erledigt.
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- Quelle ZEIT online
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die pulp magazine bestanden aus vielen unterschiedlichen stories, mit ähnlichen inhalten hier ...
die autorschaft der pulps war ebenso plural
mir scheint, die pulps werden heute weiter in solchen virtuellen welten geschrieben (ja auch per tastatur bspw.) ... es scheinen auch dieselben adressaten zu sein (die oft auch die macher waren, während heute diese macher früher mit einsteigen können)
mir scheint, weniger spiel als man glaubt ................. viel eher ein pulp magazine mit vielen autoren ... die dramaturgien sind wie bei den pulps immanente (was man genre nennt) ...
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