„Die Autobiografie der 68-er Ikone EXKLUSIV in BILD“, so stand es an diesem Montag auf der Website Bild.de , garniert mit einem Bild von Uschi Obermaier (Bildunterschrift: „Sie probierte alles aus - Männer, Drogen, Länder“). Nicht, dass dies eine überraschende Nachricht wäre. Allenfalls die Verwendung des Wortes „exklusiv“ lässt ein wenig stutzen, wenn man bedenkt, dass Frau Obermaier schon vor 12 Jahren eine Autobiografie veröffentlicht hatte.

Aber vielleicht ist diese Lebensbeschreibung ja ganz anders als die andre, womöglich ist seither viel los gewesen im Leben der Autorin oder es sind ihr bestimmte tolle Sachen wieder eingefallen oder sie traut sich jetzt zum ersten Mal, richtig Enthüllendes von sich geben. Also, das alles exklusiv. Super.

Uschi Obermaier in Bild ist aus 68er-Perspektive eigentlich logisch, stand sie doch im Spektrum zwischen Rosa Luxemburg und Paris Hilton dem Partygirl näher als der Revolutionärin. Ihre Anschlussfähigkeit an dieses Blatt ist ebenso wenig verwunderlich wie die des Oskar Lafontaine. Zu den Arbeitsprinzipien der Bild -Zeitung gehört, dass sie in der Lage ist, sich so ziemlich alles anzuverwandeln.

Ob Ufos, Mehrwertsteuer oder verrutschte Oberteile, stets gelingt es den Machern des Blatts, daraus ein Ereignis in der Bild -Welt zu zaubern. Das Phänomen ist typisch Kapitalismus. Er kann fast alles gebrauchen. Che Guevara ziert Badehosen und Mao Tse Tung hübscht Handtaschen auf. Sofern es dem Absatz der Waren dient (und nicht gegen Rechtsvorschriften verstößt), ist jeder Inhalt zulässig. Warum also jetzt besonders über Uschi Obermaier nachdenken?

Weil sie, obgleich sie keine Ulrike Meinhof war, in der damaligen Bild -Perspektive eben doch den Feind repräsentierte, der mit Polemik, Blockaden, Steinen und Brandsätzen anrückte - als verlängerter Arm „Pankows“ (so nannte Bild damals die DDR-Regierung). Und jetzt wird die Dame gedruckt.

Was ist das: neue Toleranz? Versöhnliche Geste? Nein, etwas ganz anderes. Ob jemand das Blatt damals als Gefahr oder Bollwerk der Demokratie ansah, einräumen musste er, dass es in der Ära Axel Springer einen Standpunkt vertrat. Von dem aus es die Welt in Gut und Böse einteilte. Und das auch so meinte. Mittlerweile scheint der Zeitung aber sogar die eigene Geschichte gleichgültig geworden zu sein.

Lange her, der militante Antikommunismus der „wilden Jahre“. Die Kommunisten sind ja auch weg. Man könnte das Entideologisierung nennen. Wenn da nicht der Gedanke wäre: In Bild treffen Absatzlogik und Populismus zusammen. Vor ihnen sind alle Inhalte gleich. Und ist das nicht selbst eine Ideologie?