Gentechnik Pharmafabrik Huhn

Schottische Forscher verwandeln Eier in effiziente Bioreaktoren. Sie sollen günstige Medikamente produzieren.

Im Dezember 2000 schien die Zukunft schon Gegenwart zu sein. Wissenschaftler des Roslin Institute in Edinburgh hatten das genetisch veränderte Huhn Britney erschaffen, dessen Eier wichtige Inhaltstoffe für Medikamente liefern sollten. So stand es wenigstens in den Zeitungen. Eine Falschmeldung, wie sich herausstellte, denn Britney legte zwar Eier, doch die gewünschten Wirkstoffe ließen sich daraus noch nicht gewinnen. Erst jetzt, mehr als sechs Jahre später, verkünden dieselben Forscher den Durchbruch.

Die Namen der neuen Wunderhühner sind für Helen Sang und ihr Team kein Thema mehr, dafür legen die Hennen nun tatsächlich Eier, die pharmazeutische Wirkstoffe enthalten. Im Hühnereiweiß konnte Sang etwa bestimmte Antikörper und Botenstoffe des menschlichen Immunsystems nachweisen, die im Kampf gegen Krebs, Arthritis und andere schwere Krankheiten zum Einsatz kommen sollen.

Die Wissenschaftler setzten die Gene für die gewünschten Wirkstoffe in das Gen für das Hühnereiweiß Ovalbumin ein. Dieses Protein findet man im Hühnerleib ausschließlich in Eiern, und dort kommt es auch nur - und zwar reichlich - im Eiklar vor. Die Wirkstoffe können gezielt aus den Eiern isoliert werden, in den Organen der transgenen Hennen treten sie gar nicht auf.

Im Vergleich zu anderen biotechnologischen Verfahren ist es billiger, schneller und effizienter, Nutztiere für die Massenproduktion von Arzneimitteln einzusetzen, berichten die Forscher. Die neue Methode bietet ihrer Ansicht nach eine geeignete Möglichkeit, der wachsenden Nachfrage nach bestimmen Wirkstoffen nachzukommen.

Auch Rinder oder Schafe wurden schon genetisch verändert, um menschliche Proteine in ihrer Milch zu produzieren. Der entscheidende Vorteil der Hühner ist jedoch ihr kurzer Lebenszyklus. Zudem legen die Hennen schon früh ihre ersten Eier, während die Milchproduktion von anderen Nutztieren erst relativ spät einsetzt.

Bislang ist allerdings noch kein Medikament, das aus solchen transgenen Tieren stammt, auf dem Markt. Mitte 2007 könnte sich das mit Antithrombin III jedoch ändern. Das aus Ziegenmilch gewonnene Arzneimittel soll Patienten bei Operationen vor Thrombosen schützen.

An den als Gene-Pharming bezeichneten Bereich der Gentechnik, der aus "Pharmazie" und dem englischen Wort "Farming" entstand, werden große Erwartungen geknüpft. Sowohl von der Medizin, als auch von der Wirtschaft. Kritiker bemängeln, dass die Techniken noch nicht ausgereift und die gesundheitlichen Risiken für die Tiere somit nicht absehbar sind.

 
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