Stoiber Geht er?

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hat sich mit Landtagspräsident Glück und CSU-Fraktionschef Herrmann zu Krisengesprächen getroffen. Herrmann wollte sich danach nicht festlegen, ob Stoiber Spitzenkandidat bleibt

Beerben sie Stoiber? Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (l.) und Bayerns Innenminister Günther Beckstein

Beerben sie Stoiber? Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (l.) und Bayerns Innenminister Günther Beckstein

Die CSU präsentierte sich am Montag gespalten: Während beispielsweise Generalsekretär Markus Söder erneut ein Treuegelübde für den angeschlagenen Parteichef Edmund Stoiber ablegte, wollte sich der Fraktionsvorsitzende Joachim Herrmann nach einem Gespräch mit dem CSU-Chef am Montagmorgen nicht darauf festlegen, ob er selbst Stoiber noch als Spitzenkandidaten der CSU für die Landtagswahl 2008 sieht. Dies sei nicht der richtige Zeitpunkt, sich dazu zu äußern, sagte Herrmann lediglich. Er habe Stoiber in dem Gespräch seine Wahrnehmung der Lage mitgeteilt. Zugleich betonte er aber, Stoiber sei bei dem Gespräch in "aufgeräumter Stimmung" gewesen. "Vital, wie wir ihn kennen". Er sei überzeugt, dass die Fraktion mit Stoiber bei ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth ein "gutes Gespräch" führen werde.

Herrmann hatte bereits am Wochenende deutlich gemacht, dass sich immer mehr Mitglieder der Fraktion wünschten, dass man "mit einer anderen Konstellation" in die Landtagswahlen gehe. Auch vor Beginn der Sitzung des Fraktionsvorstandes sagten einige Abgeordnete, es sei der Basis nicht zu vermitteln, wenn Stoiber nach all diesen Querelen tatsächlich im Amt bleibe.

Anzeige

Der bayerische Landtagspräsident Alois Glück, der sich ebenfalls zu einem Gespräch mit Stoiber getroffen hatte, wollte hinterher nicht sagen, was sie besprochen haben. Medienberichten zufolge wollten Glück und Herrmann Stoiber bei den getrennten Treffen einen Fahrplan für den geordneten Rückzug Stoibers von der Spitzenkandidatur und vom Parteivorsitz präsentieren.

Stoiber erklärte allerdings nach den Gesprächen bei seiner Ankunft in Wildbad Kreuth erneut: "Ich kämpfe für mich, für Bayern und für die CSU." In Zusammenhang mit Medienberichten über eine außereheliche Affäre von Agrarminister Horst Seehofer nannte Stoiber seinen möglichen Nachfolger die "erste Wahl für höchste Ämter". Es sei unanständig, dass so etwas über die Medien gestreut werde. Die gegenwärtige Krise war durch die so genannte Spitzelaffäre ausgelöst worden. Stoibers Büroleiter soll das Privatleben von Stoibers Kritikerin, der Fürther Landrätin Gabriele Pauli, ausspioniert haben. Der Ministerpräsident nimmt am Nachmittag an der Sitzung des Fraktionsvorstands teil, am Dienstag will er sich dann einer Diskussion mit der gesamten Fraktion stellen.

Bereits am Wochenende hatte Stoiber angekündigt, er wolle auf Regionalkonferenzen die Zustimmung der Basis zurückgewinnen. Gleichzeitig wurde jedoch breit über mögliche Nachfolger spekuliert. Die besten Chancen für das Amt des CSU-Vorsitzenden werden Seehofer nachgesagt, für das Amt des Ministerpräsidenten Bayerns kommt Innenminister Günther Beckstein in Frage.

Ungewohnte Unterstützung bekam Stoiber am Montag aus den Reihen der SPD. Der in parteiinternen Machtkämpfen erfahrene Vize-Kanzler Franz Müntefering sagte, er rechne damit, dass Stoiber sich "berappeln" werde. Alle möglichen Gegenkandidaten hätten sich so in einander verhakt, dass am Ende Stoiber als einziger übrig bleiben werde.

Beckstein ließ es am Morgen offen, ob er für Stoibers Nachfolge kandidieren würde, falls der zurücktritt. Diese Frage stelle sich derzeit nicht, sagte er im Deutschlandfunk ausweichend. Im Falle eines Amtsverzichts von Stoiber werde es Diskussionen geben. "Da gibt es viele, die Interesse hätten."

Leser-Kommentare
  1. Die Medienmeute wird von Tag zu Tag widerlicher!!!

    Politiker und Journaille werden die Wahlbeteiligung auf neue Tiefststände treiben.

    korfstroem

  2. Wir denken, dass Stoiber in seiner gesamten Amtszeit als Ministerpräsident, sehr viel für den Freistaat getan hat und es auch geschaftt hat BY zu einem der reichsten Bundesländer, neben BW und Niedersachsen, zu machen. Aber seine Glanzzeiten scheinen, traut man der Basis, inzwischen schon längst vorbei zu sein. Er sollte lieber einem jüngeren/einer jüngeren den Platz freimachen und, jetzt auf seinem Höhepunkt, abtreten.

    Nicht umsonst heisst es: 'Man soll dann aufhören, wenn es am besten ist!'

    Gäbe es denn jemanden in der CSU der in der Lage wäre den Posten des Herrn Stoibers zu übernehmen?
    Unserer Meinung nach hat es die CSU versäumt rechtzeitig für einen Nachfolger/-in des Herrn Stoibers zu Sorgen. Durch dieses Versäumnis haben sie nun keinerlei Alternative zu einem Stoiber und sind somit von der plötzlich aufgeworfenen Debatte um einen Rücktritt völlig überfordert.
    Frau Pauli hat zwar durch ihre Medienpräsens einen Rücktritt Stoibers gefordert, allerdings kann weder sie noch ein anderer der CSU einen geeigneten Nachfolger bennen.

    Es wird wohl bei good old Edi bleiben!

    Stefan, Gio, Markus , Jenny

  3. Auch die politischen Gegner von MP Stoiber müssen feststellen, daß im Moment eine gewaltige Kampagne läuft. Stoiber soll weg. Angeschlagen ist er bereits. Aber, Seehofer, ein Politiker, der für eine Nachfolge infrage käme, ist auch nicht genehm und stört schon lange. Aus Sicht des Kanzleramtes läuft alles planmäßig.

    Wer steckt hinter dieser Kampagne? Es sind die gleichen Verleger-Journalisten, die Angela Merkel mit aller Macht ins Bundeskanzleramt geschrieben haben. Jetzt wird programmgemäß auch Horst Seehofer fertig gemacht - zumindest wird es versucht. Profiteur dieser schäbigen Kampagne wäre allein Angela Merkel im Bundeskanzlerin. Es ist anzunehmen, daß diese Kampagne aus der Clique um Angela Merkel gesteuert wird. In bester AgitProp-Manier, so wie Merkel es in Ost-Berlin als FDJ-Kreisleitungsmitglied und einflußreicher FDJ-Sekretär gelernt hat. Sie gehörte als Promovierte schließlich zur Führungs-Reserve der SED!

  4. Ach je, da hat er sie nun auch bekommen. Der arme Edi hat nun seine Laufmasche. Und nichts und niemand wird verhindern, dass sein Amt nun hin ist. Da kann er sich noch so bewegen wie er will, der Riss läuft wie ganz von alleine weiter. Man sieht ihn schon in den nun angekündigten Regionalkonferenzen wie ein Drache heiße Luft produzieren, während insgeheim sich viele in der CSU über ihn lustig machen werden mit kleinen auf den Handys verschickten 'Bahnhofsmissionen'. Nun geht es ihm ähnlich: er schafft es nun 'vom Hbf München in nur acht Minuten direkt ' ins politische Niemandsland nach Wolfratshausen. Opa ud Oma - auch das ist doch auch eine ehrenvolle Aufgabe für Edi und Karin. Politisch ist er im Aus. Und bleibt dort, was immer er unternehmen wird.
    Der Fokus richtet sich nun auf eine nachgewachsene Führungsriege, die es voraussichtlich auch nicht besser hinbekommen wird. Der Schatten von Stoiber ist lang. Armes Bayern.
    Zum Amüsement: [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]

  5. Die CSU demontiert sich selbst. Nicht Herr Stoiber muß sich für seine Standfestigkeit rechtfertigen.

    Weshalb fragt niemand die Ein-Punkte-Landrätin nach ihrer Motivation oder ihrem Hintergrund.

    Inzwischen wirkt die Affäre in höchstem Maße fremdgesteuert. Die Landrätin erscheint als Werkzeug, ihre Eitelkeit wird mit dem Zugang zu immer mehr Nachrachrichtenkanälen bedient.

    Cui bono? fragten schon die alten Römer. Wem nützt der ganze Schabernack?

    Die Kanzlerin wäre sicher eine Nutznießerin par excellence. Die Kenntnisse, das Geschick und den Apparat, um eine solche Medienwelle loszutreten, besitzt sie sicherlich. Aber wird ihr eine schwache CSU wirklich nützen?

    Die Kanzlerin nutzt zur Zeit die Dummheit der Deutschen und die Einfältigkeit der bayrischen Parteigenossen. Angela M. sind noch alle auf den Leim gegangen. Die Konflikte mit dem bayrischen Ministerpräsidenten hat sie elegant ausgesessen und in seinem eigenen Haus gezündelt. Die Herren Koch, Wulff & Co. können sich auf etwas gefaßt machen.

    korfstroem

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service