Musikbranche Nur nicht umkippen!Seite 3/3
Die Anzahl der Veröffentlichungen auf dem Label Hausmusik ist in den letzten Jahren zurück gegangen...
Richtig, in den letzten drei Jahren hatten wir jeweils nur zwei Veröffentlichungen. Ich stecke heute wesentlich mehr Zeit in den Vertrieb. Das hat wirtschaftliche Gründe: Es hängt mehr am Vertrieb. Wenn ich den vernachlässige, verliere ich schnell mal zehntausend Euro. Wenn ich das Label vernachlässige, dann bringe ich einfach weniger raus.
Ab wann lohnt sich eine Veröffentlichung für die Labels, die in eurem Vertrieb sind?
Das kann man so einfach nicht sagen. „Faking The Books“ von Lali Puna hat sich 35.000 mal verkauft, das klingt viel. Die Band hat aber in den USA getourt, sie hat Werbung gemacht, sie war vierzig Tage im Studio. Außerdem sind die zu viert. Wenn Styrofoam eine Platte macht, dann verkauft die sich vielleicht 7.000 mal. Das rechnet sich aber viel mehr, weil der alleine ist und die Musik an seinem Rechner bastelt.
Und Ihre eigenen Veröffentlichungen beim Label Hausmusik?
Tja, die Platten, die ich in den vergangenen Jahren veröffentlicht habe, kennt kaum jemand. Squares On Both Sides verkauft 300, iso68 vielleicht auch mal 2000. Calexico haben ihre erste Platte bei Hausmusik rausgebracht, von der haben wir 4500 Schallplatten verkauft, aber das ist eine Ausnahme. Ernst Happel hat mal gesagt, »Vorher muss man's wissen, hinterher weiß es jeder«. Bei Squares On Both Sides dachte ich, die Platte sei so gut, dass muss sich einfach durchsetzen. Es setzte sich nicht durch, die spielen leider sehr wenige Konzerte.
Wie treffen Sie ihre Musiker? Schicken die einfach Demos und Sie suchen die aus, die Ihnen gefallen?
Zuallererst: Ich mache nur Platten, die mir selbst gefallen. Und meist von Leuten, die ich kenne. Daniel Bürkner von Squares On Both Sides kam immer hier in den Laden, der hat mir irgendwann mal eine Kassette gegeben, das war großartig, nur unglaublich schlecht aufgenommen. Ich bekomme auch bestimmt drei Demos jeden Tag, von fünfzig ist vielleicht eins überhaupt anhörbar. Die Sache mit den Demos ist sowieso ein Märchen, von tausend kommt es vielleicht bei einer zur Veröffentlichung. Ich kann den Leuten immer nur empfehlen, live zu spielen. So erarbeitet man sich ein Publikum
Wie reagiert Hausmusik auf den wachsenden Download-Bereich? Davon profitieren Sie als Vertrieb ja kaum...
Wir spezialisieren uns. Wir machen mehr Wiederveröffentlichungen und fast nur noch Vinyl. In Deutschland verkaufen wir etwa achtmal so viel Vinyl wie CDs. Es ist leider sehr teuer, da muss man anders kalkulieren. Allein mit den neuen Sachen werden wir auf Dauer nicht überleben können.
Verleiden dieses ständige Wandeln am wirtschaftlichen Abgrund und der Kampf um die Eigenständigkeit Ihnen die Arbeit nicht?
Nein, es macht nach wie vor Spaß. Wenn der finanzielle Druck ganz groß ist, dann ist es hart. Aber ich könnte auch nicht einfach zumachen, ich habe eine Verantwortung. Meine Frau ist Italienerin, manchmal träume ich davon, das ganze von Italien aus zu machen. Vieles geht ohnehin über das Internet, ich käme dann für zehn Tage im Monat nach München. Das Problem ist, ich packe hier auch, stehe am Wochenende im Laden. Dafür müsste ich dann wieder jemanden bezahlen, das kann ich mir nicht leisten.
Wir haben Wolfgang Petters beim Interview gefilmt. Sehen Sie hier die
Videogalerie
- Datum 06.02.2007 - 12:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren