Ausgerechnet ein Atomkonzern, die französische Areva , will den Hamburger Windanlagenbauer Repower übernehmen. Am Montag bot Areva den Repower-Aktionären einen stolzen Preis: 105 Euro in bar je Aktie. Diese Summe liegt nicht nur deutlich über dem Repower-Schlusskurs vom vergangenen Freitag, sie übertrifft auch die Kursziele der Analysten.

Die Anleger reagierten euphorisch. Der Kurs der Repower-Aktie schoss im Vergleich zu Freitagabend um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Die Börsianer wetteten gar darauf, dass Areva sein Übernahmeangebot noch erhöhen werde, denn am späten Montagnachmittag notierte das Papier bei rund 110 Euro. In seinem Sog verteuerten sich auch die Anteile des im TecDax gelisteten Konkurrenten Nordex deutlich.

Offiziell begründet die Areva-Chefin Anne Lauvergeon ihre Übernahmepläne damit, dass ihr Unternehmen seine Position in der kohlendioxidfreien Stromerzeugung stärken wolle. Doch dahinter steckt mehr: Die Windkraft gilt plötzlich wieder als renditeträchtiger Wachstumsmarkt, und Areva will sich durch die Übernahme vollends den Einstieg in diesen Markt sichern.

Branchenexperten sehen Geschäftschancen vor allem im Ausland und weit vor der Küste. Zwar stecken die draußen im Meer angesiedelten Offshore-Windparks derzeit noch in der Entwicklung und haben auch mit einigen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen . Doch sie werden in Zukunft das Windenergie-Geschäft kräftig vorantreiben, erwartet Josef Auer, Energieexperte der Deutschen Bank. Auf hoher See kann die Stromausbeute nämlich deutlich höher sein als an Land, denn über dem Meer weht der Wind viel stärker, und die dort installierten Windräder sind besonders groß. So wird vor Borkum derzeit beispielsweise ein Windpark aus Fünf-Megawatt-Anlagen gebaut - den leistungsstärksten und größten, die es derzeit auf der Welt gibt.

Es gibt nur wenige Unternehmen, die solche gigantischen Windräder bauen können. Repower, das die Anlagen auch entwickelt und vertreibt, ist eines davon. "Repower hat seine schwierige Phase überwunden und ist gut in Form", urteilt Torsten Hinsche, bei der Commerzbank Leiter des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energien. Aus seiner Sicht rechtfertigen die "guten Aussichten" des Windkraftspezialisten auch den Preis, den Areva zu zahlen bereit ist.