In der vergangenen Woche ging es an dieser Stelle schon einmal darum, wie Wetter, Ölpreis und Aktienmärkte zusammenhängen: Die milde Witterung kurbelt die wirtschaftliche Aktivität an, was die Marktteilnehmer fälschlicherweise als reale Konjunkturverbesserung verstehen. In ihrem Irrtum treiben sie die Aktienkurse weiter in die Höhe: Während die Rentenmärkte fielen, erklomm der Dax in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Anfang 2001. Sollte der Aufwärtstrend der Aktienkurse einmal gebrochen werden, wird ihr Fall besonders schmerzhaft sein.

Neben den überraschend guten Konjunkturdaten wirkt der niedrige Ölpreis positiv auf die Börse. Preise von knapp unter 50 US-Dollar je Barrel gab es schon lange nicht mehr. Im Gegensatz zu den 80 Dollar, die vor ein paar Monaten zu zahlen waren, ist dies ein Niveau, das sich nachhaltig auf die Inflationsraten auswirken wird. Das billige Öl versetzt die Notenbanken sowohl in den USA als auch in Euroland in die Lage, die Zinszügel weniger straff anzuziehen und so die Konjunktur zu unterstützen. Die Märkte freut's - wenn auch einzelne Aktien in einem solchen Umfeld unter dem niedrigen Ölpreis leiden: Ölaktien beispielsweise, die in den jüngsten Wochen nicht gerade zu den Highflyern gehörten.

Billiges Öl belebt also die Kurse. Wie Ölpreis und Konjunktur zusammenhängen, ist nicht ganz so offensichtlich. Landläufig herrscht die Ansicht vor, ein deutlich gesunkener Ölpreis kurble - einerseits - die wirtschaftliche Entwicklung an, während - andererseits - eine sich verbessernde Wirtschaftslage die Nachfrage anschwellen lasse und so den Ölpreis wieder nach oben treibe. Unklar bleibt aber, wie stark der Einfluss eines sinkenden oder steigenden Ölpreises auf Wirtschaftswachstum und Inflation ist.

Ökonometrische Modelle kommen hier jedenfalls zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Einig sind sie sich zumindest, dass die Inflationsrate direkter beeinflusst wird als die Konjunktur selbst. Klar ist auch, dass ein fallender Ölpreis den Preisdruck senkt und so die Konjunktur unterstützt. Wie stark diese Auswirkungen nun sind, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Zwischen kurz- und mittelfristigen Effekten ist da zu unterscheiden, und zusätzlich spielen länderspezifische Unterschiede eine Rolle. Viele Modelle unterstellen, dass ein Ölpreisrückgang um 10 Prozent das jährliche Wirtschaftswachstum um 0,3 Prozentpunkte nach oben treibt, während er die Preise um etwa 0,2 Prozentpunkte sinken lässt.

Wie wirkt sich nun umgekehrt die konjunkturelle Entwicklung auf den Ölpreis aus? Um diese Frage zu beantworten, darf man nicht nur auf die USA oder Euroland schauen, das wäre fatal. Vor allem China spielt seit einiger Zeit ebenfalls eine Rolle, und aus dem Reich der Mitte sind bislang noch keine Anzeichen einer Konjunkturabkühlung zu erkennen. Auch in Euroland sind die Wirtschaftsdaten so gut wie schon seit langem nicht mehr, und in den USA deuten sie auf eine weiche Landung hin. Wie war noch gleich die Bauernregel? Wenn die Konjunktur brummt, steigt die Nachfrage und Öl wird teurer. Derzeit aber sinkt der Ölpreis - wie kann das sein?

Die treibenden Faktoren müssen wohl anderswo gesucht werden. Die sonst immer gern genommenen "Spekulanten" sollen diesmal außen vor bleiben, denn der Ölpreis ist ja gesunken, und das nehmen fast alle gerne in Kauf.