USA

Die Klimawende des George W.

Überraschung bei der Rede zur Lage der Nation: US-Präsident Bush setzt auf saubere Energien.

Wie üblich zur Rede zur Lage der Nation: Standing Ovations für den Präsidenten

Wie üblich zur Rede zur Lage der Nation: Standing Ovations für den Präsidenten

Die Rede zur Lage der Nation 2007 markiert die ganz persönliche Klimawende des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Lange schon hatte sich der Positionswechsel angedeutet. Seit Dienstagabend gibt es auch für George Bush den Klimawandel. Er sei "eine Herausforderung" für die Menschheit.

Bush und seine wichtigsten Mitstreiter sind seit Amtsantritt 2001 einen weiten Weg gegangen. Man erinnert sich des Vizepräsidenten Cheney, der im Energiesparen eine Tugend sah, aber noch keine Energiepolitik. Unvergessen die Versuche, die wissenschaftliche Debatte über die Erderwärmung zu verwirren. Energiepolitik bedeutete für Bush hauptsächlich, mehr Öl zu pumpen. Vor einem Jahr, gleichfalls bei der Ansprache zur Lage der Nation, überraschte der Präsident mit der Bemerkung, Amerika sei "ölsüchtig". Politisch folgte daraus nichts. Dann, vor wenigen Wochen, ließ die Regierung plötzlich den Polarbären auf die Liste der bedrohten Arten setzen. Sie begründete den Schritt mit dem schrumpfenden Lebensraum für die Bären – aufgrund der Erderwärmung, die das Eis schmelzen lässt.

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Nun hat der Präsident diesen Schritt nachvollzogen und sich den Erkenntnissen der Wissenschaft angenähert. Eine ganze Liste neuer Ideen zur Produktion sauberer Energie trug der Präsident am Dienstagabend vor. Das alles, um der "Herausforderung durch den globalen Klimawandel entgegenzutreten". Das Wort "Erderwärmung" vermied Bush zwar weiterhin. Aber aus dem Kontext wurde klar, dass er erstmals einen Zusammenhang sieht zwischen Klimawandel und menschlichen Aktivitäten.

Vor allem tritt Bush seinem eigenen Vize entgegen: aus tugendhaftem Sparen soll nun Politik werden. Der Präsident will Amerikas Benzinverbrauch binnen zehn Jahren um 20 Prozent senken. Das wäre, sagt er, "das Äquivalent von drei Vierteln aller Öl-Importe aus dem Nahen Osten". Amerika würde in Windeseile zu einem Klima-Primus.

"Benzin einsparen" bedeutet auf amerikanisch allerdings keinen Verzicht. Keine autofreien Sonntage und keine Wachstums-Bremsen durch Auflagen für die Industrie. Anti-Kapitalismus ist von Bush nicht zu erwarten. Stattdessen will er die Kräfte des Kapitalismus nutzen, um die Folgen der Industrialisierung einzuhegen. "Durch Technologie" will Bush den Sprung in die Zukunft schaffen: Kohlekraftwerke fast ohne Abgase, die es in Amerika früher geben soll als in Deutschland. Sonne. Wind. Kernenergie. Hybrid-Fahrzeuge. Biodiesel. Ethanol. Grass. Müll. Hat man alles schon gehört. Nur nicht von George W. Bush.

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Leser-Kommentare

    • 24.01.2007 um 9:05 Uhr
    • nerone

    Ich bin ehrlich erstaunt und voller Hoffnung. Um nicht ewig in den Tran Politikverdrossenheit einzustimmen und einem ökopessimistischen Reflex zu erliegen (der nachvollziehbar ist) muss ich sagen, dass diese Wende hoffen lässt. Zum einen, dass Umweltpolitik in Amerika über Parteigrenzen hinweg zum Thema wird, wenn auch sicherlich mit sehr unterschiedlichen Mitteln. wenn die USA aber sparsamer mit Energie umgehen wollen und ihren Markt dank technischer Neuerungen damit anfeuern wollen, dann ist dieser Markt auch reif für alternative Energien und ihre Technik. Hier aber ist Deutschland bisher in einer Vorreiterolle. Konkurrenz belebt das Geschäft und beschleunigt Entwicklungen. Deswegen meine Hoffnung: ein guter Tag für Umwelt , Wirtschaft und den Standort Deutschland.

  1. Bush setzt schon lange auf saubere Energien. Aber weil es nicht ins Klischee passt, haben es hierzulande wohl nur wenige mitbekommen. 2003 hat Bush bereits verkündet 1.5 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Brennstoffzellen für Autos stecken zu wollen. Mittlerweile laufen in den USA eine Unmenge an 'clean Energy' Projekten. Die Araber sind nicht umsonst so sauer auf Bush. J.S.

  2. 'Saubere Energie' und GeldverBrennstoffzellen haben absolut nichts miteinander zu tun.
    Im Gegenteil, der ganze H2-Quatsch hat eine kastastrophale well-to-wheel-Effizienz, außerdem ist Wasserstoff keine 'Energie' sondern nur ein Energieträger, der entweder aus Erdgas oder mittels Elektrolyse (=Atomstrom) erzeugt werden muß.

    Und wegen dem Ethanol-Hype in den USA, für den jetzt schon Unmengen Mais verbraucht werden, gehen den Mexikanern schon langsam die Tortillas aus...

    Was Bush seinem Patriotenvolk weismachen will, ist, dass es auch zukünftig mit 10mpg-Hummern zum Einkaufen fahren kann, nur eben irgendwie 'grüner'. Das funktioniert aber nun mal nicht.

  3. Die USA haben zwei Jahrzehnte vor Deutschland Katalysatoren in ihren Autos gehabt und Fabriken hatten schon damals hohe Auflagen was 'cleanness' in Form von Filteranlagen betrifft. Aber wir Deutsche wollen uns immer als Vorreiter sehen, als Vorbild. Haben wir uns eigentlich an unsere selbst gestellten Ziele bei Umweltpolitik bislang halten können oder sind wir da eher bei den Wünschen geblieben?

    • 24.01.2007 um 18:44 Uhr
    • PHreaK
    5.

    Man vergleiche das durchschnittliche Gewicht, die durchschnittliche Leistung und den durchschnittlichen Verbrauch amerikanischer mit denen deutscher Autos.
    Natürlich hat Deutschland aus Energiepolititscher Sicht keine weiße Weste, aber wer hat die schon.
    Wer G.W. Bush jedoch für einen Vertreter 'sauberer' Energieformen hält, stellt damit lediglich die eigene Naivität zu Schau.
    Der einzige Grund aus dem plötzlich (pseudo?)ökologische Wege eingeschlagen werden ist der, dass die Wähler es fordern und nur um die Wähler gehts es...

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