USA Die Klimawende des George W.Seite 2/2

Die Klimawende des US-Präsidenten mag eine Sache des Herzens sein. Man wird nicht hineinschauen können. Gewiss ist sie aber Folge politischer Erwägungen. Nur noch 27 Prozent der Amerikaner unterstützen nach einer neuen Umfrage von Washington Post und ABC N ew s die Klimapolitik des Präsidenten. Fast jeder Präsidentschaftskandidat tritt mit einem eigenen Vorschlag zur Luftreinhaltepolitik an. Alle tun das, weil es politische Rendite abzuwerfen verspricht. Denn die Bevölkerung verlangt inzwischen von ihren Repräsentanten Taten in Sachen Klima. Im neuen Kongress, nun wieder in demokratischer Hand, sind allein in den ersten beiden Sitzungswochen vier Gesetzentwürfe zur Abgas-Reduzierung eingebracht worden.

Weil Bush sich einer Mehrheit der Opposition im Parlament gegenübersieht, präsentiert er Ideen, die eine Mehrheit finden könnten. Die meisten Vorschläge zur Klima- wie auch zur Gesundheitspolitik gefallen den Demokraten. Bushs Skizze einer neuen Einwanderungspolitik, die in ihren Grundzügen deutlich liberaler ist als die meisten europäischen Ansätze, findet nur bei wenigen seiner eigenen Parteifreunde Anklang, könnte aber trotzdem Gesetz werden. Kurzum: George Bush hat am Dienstagabend den neuen Mehrheitsverhältnissen Rechnung getragen und ist in die Mitte gerückt.

Ach ja, dann war da noch der Irak, verbannt in den hinteren Teil der Rede. Die Kurzfassung lautet: nichts Neues von der Front. Die große Rede zum Thema hatte Bush Anfang Januar gehalten, als er seine neue Strategie für den Irak vorstellte. Die Rede zur Lage der Nation ist nur noch eine lange Werbebotschaft für die neue Strategie im Krieg. Dass Bush sein Land noch überzeugen kann, ist unwahrscheinlich.

Erderwärmung und Irak-Krieg: In diesen Punkten vertritt George Bush nur noch eine weiter schrumpfende Minderheit der Amerikaner. Im Irak isoliert er sich weiter; beim Klima vollzieht er nach, was die meisten Amerikaner längst denken.

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Leser-Kommentare
    • PHreaK
    • 24.01.2007 um 18:44 Uhr
    1.

    Man vergleiche das durchschnittliche Gewicht, die durchschnittliche Leistung und den durchschnittlichen Verbrauch amerikanischer mit denen deutscher Autos.
    Natürlich hat Deutschland aus Energiepolititscher Sicht keine weiße Weste, aber wer hat die schon.
    Wer G.W. Bush jedoch für einen Vertreter 'sauberer' Energieformen hält, stellt damit lediglich die eigene Naivität zu Schau.
    Der einzige Grund aus dem plötzlich (pseudo?)ökologische Wege eingeschlagen werden ist der, dass die Wähler es fordern und nur um die Wähler gehts es...

  1. Bush setzt schon lange auf saubere Energien. Aber weil es nicht ins Klischee passt, haben es hierzulande wohl nur wenige mitbekommen. 2003 hat Bush bereits verkündet 1.5 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Brennstoffzellen für Autos stecken zu wollen. Mittlerweile laufen in den USA eine Unmenge an 'clean Energy' Projekten. Die Araber sind nicht umsonst so sauer auf Bush. J.S.

  2. Die USA haben zwei Jahrzehnte vor Deutschland Katalysatoren in ihren Autos gehabt und Fabriken hatten schon damals hohe Auflagen was 'cleanness' in Form von Filteranlagen betrifft. Aber wir Deutsche wollen uns immer als Vorreiter sehen, als Vorbild. Haben wir uns eigentlich an unsere selbst gestellten Ziele bei Umweltpolitik bislang halten können oder sind wir da eher bei den Wünschen geblieben?

    • nerone
    • 24.01.2007 um 9:05 Uhr

    Ich bin ehrlich erstaunt und voller Hoffnung. Um nicht ewig in den Tran Politikverdrossenheit einzustimmen und einem ökopessimistischen Reflex zu erliegen (der nachvollziehbar ist) muss ich sagen, dass diese Wende hoffen lässt. Zum einen, dass Umweltpolitik in Amerika über Parteigrenzen hinweg zum Thema wird, wenn auch sicherlich mit sehr unterschiedlichen Mitteln. wenn die USA aber sparsamer mit Energie umgehen wollen und ihren Markt dank technischer Neuerungen damit anfeuern wollen, dann ist dieser Markt auch reif für alternative Energien und ihre Technik. Hier aber ist Deutschland bisher in einer Vorreiterolle. Konkurrenz belebt das Geschäft und beschleunigt Entwicklungen. Deswegen meine Hoffnung: ein guter Tag für Umwelt , Wirtschaft und den Standort Deutschland.

  3. 'Saubere Energie' und GeldverBrennstoffzellen haben absolut nichts miteinander zu tun.
    Im Gegenteil, der ganze H2-Quatsch hat eine kastastrophale well-to-wheel-Effizienz, außerdem ist Wasserstoff keine 'Energie' sondern nur ein Energieträger, der entweder aus Erdgas oder mittels Elektrolyse (=Atomstrom) erzeugt werden muß.

    Und wegen dem Ethanol-Hype in den USA, für den jetzt schon Unmengen Mais verbraucht werden, gehen den Mexikanern schon langsam die Tortillas aus...

    Was Bush seinem Patriotenvolk weismachen will, ist, dass es auch zukünftig mit 10mpg-Hummern zum Einkaufen fahren kann, nur eben irgendwie 'grüner'. Das funktioniert aber nun mal nicht.

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