Die CSU hat ihrem langjährigen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden, Edmund Stoiber, eine erneute Demütigung erspart. Der Vorstand beschloss am Montag in München einstimmig, dass Stoiber wie angekündigt seine Ämter erst zum Parteitag am 28. und 29. September niederlegen soll. Zuvor hatte Stoibers designierter Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, Günther Beckstein, gesagt, über zwei, drei Monate könne man reden. Dafür gab es aber im Vorstand keinerlei Unterstützung. Dagegen habe es viel Applaus für Stoiber gegeben, sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder.

Der Vorstand beschloss außerdem, den Parteitag auf September vorzuziehen. Ursprünglich war er für November geplant gewesen, doch die Führungskrise in der CSU hatte einen früheren Termin notwendig gemacht.

Eine andere entscheidende Frage wurde auf der Sitzung nach Informationen von ZEIT online dagegen kaum diskutiert, ob nämlich Horst Seehofer, der Bundesverbraucherminister, oder der bayerische Wirtschaftsminister, Erwin Huber, künftig das Amt des Parteivorsitzenden einnehmen soll. Noch hoffe die Partei, dass die Frage innerhalb der kommenden drei Wochen geregelt werde, hieß es. Eine Kampfkandidatur auf dem Parteitag will man vermeiden. Stoiber selbst soll mit den beiden Konkurrenten nach einem Ausweg suchen. "Einvernehmliche Lösung" bedeutet demnach, dass einer von beiden seinen Verzicht erklären müsste. Davon war am Montag allerdings noch nichts zu merken. Beide Kandidaten bekräftigen ihr Vorhaben, beim Parteitag anzutreten.

Die Präferenzen der Partei scheinen derzeit zwar eher in Richtung Huber zu gehen, allerdings ist Seehofer an der Basis sehr beliebt und liegt in Umfragen weit vor Huber. In der Landesgruppe der CSU-Bundestagsabgeordneten gibt es indes noch keine eindeutige Stimmung. Am liebsten wäre vielen vermutlich ohnehin, wenn nicht Seehofer, sondern Bundeswirtschaftsminister Michael Glos den Hut in den Ring geworfen hätte. Doch Glos bekräftigte am Wochenende, er wolle erneut als Bezirksvorsitzender für den Bezirk Unterfranken kandidieren. Eine gleichzeitige Kandidatur für den Parteivorsitz käme wegen Ämterhäufung dann nicht infrage. Zudem ist Glos wie Beckstein, an dessen alleiniger Kandidatur es keinen Zweifel gibt, Franke. Auch der Regionalproporz spricht also gegen ihn.

Eine erregte Debatte gab es während der Vorstandssitzung nach Informationen von ZEIT online erneut über das Verhalten der Landrätin Gabriele Pauli. Diese hatte mit ihrer Beschwerde, Stoiber lasse ihr nachspionieren, die gegenwärtige Krise und den vorzeitigen Rücktritt Stoibers ausgelöst. Der Stil, in dem sie die Auseinandersetzung geführt habe, sei von Mitgliedern des Vorstands kritisiert worden, hieß es. Mehrere Teilnehmer hätten gefordert, dass in Zukunft solche Streitigkeiten nicht über die Medien ausgetragen werden sollten. Auch Internetforen seien der falsche Weg für die Auseinandersetzung in der Partei.

Zudem sei Pauli davor gewarnt worden, sich selbst beim Parteitag für den Posten eines der Stellvertreter des Parteichefs zu nominieren. Wenn sie es wagen sollte, für dieses Amt zu kandidieren, werde es eine Gegenbewegung geben, sagte eines der Vorstandsmitglieder. Pauli selbst hatte zuvor in den Medien gesagt, sie würde eine solche Funktion gerne übernehmen. In der Vorstandssitzung erhielt sie allerdings keinerlei Unterstützung für dieses Vorhaben. Die Landrätin selbst habe diesmal nicht das Wort ergriffen, hieß es. Dass sie im Vorstand keine Unterstützung erfährt, ist für Pauli indes keine neue Erfahrung. Auch als sie vor Weihnachten Stoiber vor versammelter Mannschaft mit ihren Vorwürfen konfrontierte, gab es niemanden, der sich an ihre Seite gestellt hätte. Gewonnen hat sie am Ende dennoch.

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