Türkei "Wir sind alle Armenier"

Etwa 50 000 Menschen haben am Dienstag in Istanbul Abschied von dem ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink genommen

In stiller Trauer haben etwa 50.000 Menschen dem ermordeten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink in Istanbul das letzte Geleit gegeben. Schon am frühen Dienstagmorgen versammelten sich die Menschen vor dem Büro von Dinks Zeitung Agos , wo der prominente Intellektuelle am vergangenen Freitag erschossen worden war. Angeführt von Dinks Witwe Rakel folgte der Trauerzug dem Sarg, der mit einem Leichenwagen über das Goldene Horn zur armenischen Kirche gefahren wurde. Der Journalist ist auf dem armenischen Friedhof Balikli beigesetzt worden.

Dink war wegen seiner Äußerungen zum Völkermord an Armeniern während des Ersten Weltkriegs massiven Anfeindungen von Nationalisten, Politikern und Staatsanwälten ausgesetzt gewesen. Er hatte sich deswegen auch wegen "Beleidigung des Türkentums" vor Gericht verantworten müssen.

Anzeige

In der Totenmesse sagte der Armenische Patriarch von Istanbul und der ganzen Türkei Mesrob II.: "Wir hoffen weiter darauf, dass die Türken Armenier als türkische Bürger akzeptieren, die hier schon seit tausenden Jahren siedeln, und nicht als Feinde oder Ausländer ansehen."

Er rief dazu auf, die "Armenier-Feindlichkeit" in der türkischen Gesellschaft zu bekämpfen. Damit müsse in den Schulen und Schulbüchern begonnen werden, sagte der Kirchenführer in der Patriarchatskirche von Istanbul.

Zugleich gab Mesrob II. seiner Hoffnung auf einen Dialog zwischen der Türkei und der Republik Armenien Ausdruck. Dink habe sich für einen solchen Dialog eingesetzt und sich mutig allen Widerständen gestellt. Die Trauerfeier für Dink, an der auch Abgesandte der armenischen Regierung teilnahmen, habe Politiker aus der Türkei und Armenien zusammengeführt, sagte Mesrob. "Es hätte ihn (Dink) wie uns alle glücklich gemacht, wenn sich hieraus ein echter Dialog entwickeln würde", sagte der armenische Patriarch.

Zu der Trauerfeier hatten sich neben Ministern auch zahlreiche ausländische Diplomaten sowie viele Mitglieder der armenischen Gemeinde eingefunden. Dennoch fehlten die höchsten Repräsentanten des türkischen Staates. "Wenn der Präsident, der Ministerpräsident und der Stabschef erschienen wären, wäre das ein Zeichen der Hoffnung gewesen. Ein Zeichen dafür, dass der Staat sich von der Lynchkultur verabschiedet hat und zu Selbstkritik fähig ist", sagte der liberale Kolumnist Cengiz Candar. In Zeitungen war der Regierung zuvor vorgeworfen worden, Dink trotz zahlreicher Drohungen gegen ihn nicht ausreichend geschützt zu haben.

Leser-Kommentare
    • spi122
    • 23.01.2007 um 20:11 Uhr

    Es wäre zu erwarten gewesen, dass das türkische Volk eher gegen Dink auf die Straße gehen würde, da die Armenienfrage eine ziemlich heikle Angelegenheit in der Türkei ist. Doch es zeigte Courage und demonstrierte für den Ermordeten. Das ist ein gutes Zeichen. Das Volk beginnt zu akzeptieren, was im Ersten Weltkrieg geschah. Die Tatsache, dass die Polizei oder ähnliche staatliche Organisationen nicht besonders einschritten oder sonst auffielen ist ein weiteres positives Zeichen für das Land der Türken. Doch EU-reif ist es noch lange nicht. Selbst wenn Täter und Anstifter verurteilt werden - und das werden sie.

    • Joules
    • 23.01.2007 um 20:37 Uhr

    Ich habe bis vorgestern in dieser Strasse, die auf dem Bild zu sehen ist gewohnt. Waere ich jetzt nicht ausserhalb der Tuerkei waere ich auch dort gewesen. Nachdem es passiert war hat man viele Menschen in der gesamten Satdt mit Ansteckern mit Hrant Dink's Bild darauf gesehen. Ganz offen fuer jeden sichtbar an die Jacken gepinnt. Des weiteren weiss jedes Kind in Istanbul und auch dem Rest der Tuerkei, dass man Polizisten nicht trauen kann. Die Tuerken wissen alles diese Dinge und ich finde die Tuerkei als nicht EU bereit zu beschreiben auf Grund des Extremismusses ist nicht gerechtfertigt.
    Ich denke, das viele 'Rmstochern' der EU, die Versprechen, die dann doch nicht gehalten werden machen die breite Masse der Tuerken muerbe. Man hat schon lange nicht mehr soviele tuerkische Flaggen in den Strassen gesehen, seit die EU dem Beitrittsambitionen der Tuerkei einen Daempfer verpasst hat. Und diese Fahnen sind nicht uebrig-gebliebene vom Tag der Republik. Was die Menschen speziel in Istanbul aber auch muerbe macht since Ereignisse wie dieses und deshalb gehen sie auf die Strasse.
    Ich kann verstehen warum mache Menschen die Tuerkei fuer nicht zur-EU-passend halten, es gibt viele Dinge die dort anders laufen als in Deutschland aber zeichnet sich die EU nicht durch ihre Vielfalt aus und hatte nicht auch Deutschland eine Phase des internen Terrorismus?!?

  1. es war geplanter, kaltblütiger Mord verübt von einem 'Kind' das keine Reue zeigt und dies auch öffentlich zu Sprache bringt.
    Ich bin eine in Deutschland lebende Türkin bzw. Kurdin mit einem türkischen Paß. Es existieren keine kurdischen Ausweise. Man könnte mich ofiziell von einer Türkin nicht unterscheiden (auch ich nicht) wenn ich vergessen würde dass mein Ursprung kurdisch ist. Also gehöre auch ich zu einer Minderheit und bin in der Türkei aufgewachsen, mit den ganzen Vorurteilen gegenüber Minderheiten. Ich durfte in der Schule nicht sagen, dass ich Kurdin bin, aus Angst...
    Zum Zeitpunkt des Mordes an Hrant Dink war ich zufällig in Istanbul. Habe mir von meiner Familie erzählen lassen, wie es dazu kam und konnte es kaum glauben. War traurig, wütend, erschrocken und enttäuscht zugleich! Ich kannte mich nicht gut mit türkischen Gesetzen aus, wusste aber dass man nichts gegen Atatürk (Gründer der Türkei) und auch nichts gegen Türkei sowie Türken sagen. Dass die Nationalisten aber soweit sind, einen Menschen zu ermorden, der doch nur die Wahrheit spricht.... nein das geht viel zu weit. Es ist nun mal so, Türken haben Völkermorde verübt und nicht nur an Armeniern 1915. So viele Augenzeugenberichte, so viele Nachweise... Türkei behauptet aber noch immer es wäre eine Lüge, und macht sich damit meiner Meinung nach ein bisschen lächerlich.
    Es ist einfacher jemanden der in der Lage ist zu denken, seine freie Meinung äußert und durch seine Äußerungen lästig wird zu ermorden. Als den Völkermord zuzugeben. Viele glauben wirklich daran, dass es eine Lüge ist aber sehr vielen ist diese Tatsache bewusst. Natürlich ist für eine Nation sowas ziemlich beschämend und es ist einfacher zu verdrängen, und zwar um jeden Preis. Irgendwann mal holt einem aber die Wahrheit ein. Wie lange will die Türkei noch weglaufen?
    Wo bleibt dann die Meinungsfreiheit Hr. Erdogan? Sie bestehen doch drauf, dass die Türkei ein freies demokratisches Land ist. Was sagen sie denn zu d. ganzen Mordserien an Denkern, Journalisten und Schriftstellern? Ich meine damit z.B. Sabahattin Ali, Abdi İpekci, Bahriye Ücok, Ugur Mumcu, Musa Anter, Metin Göktepe.
    Will die Türkei schon wieder nichts unternehmen?Sollen diese 2 armseligen Menschen die ins Gefängnis gesteckt wurden und stolz auf diesen Tat sind unter Lob und Anerkennung von den Mitstreitern nach paar Jahren rauskommen? Allzeit bereit das gleiche nochmal zu tun.
    Jeder weiß doch ganz genau dass dieser Junge nur der kleine Finger des Täters ist! Der Nazis in der Türkei und der Hetzer, auch der parteiischen Berichterstattung sowie Nachrichtensendungen.
    Warum unterbindet ihr es nicht? Warum unternimmt ihr nichts??
    Als Hrant Dink zu Grab getragen wurde und so viele Menschen auf die Straße gegangen sind, war ich sehr stolz. Ich dachte Türkei würde sich endlich ändern. Aber dank weitere Propanganda in den Medien, kamen wieder die Unannehmlichkeiten.
    Warum man d. Sprüche 'Wir sind alle Armenier' und „ Wir sind alle Hrant“ auf d. Plakaten stünde? Wie kann ein Türke sich wohl Armenier nennen usw. usw (Mann muss wissen, dass das Wort „Armenier“ ein Schimpfwort in der Türkei ist. Eine Politikerin „beschimpfte“ sogar den Abdullah Öcalan öffentlich u.a. mit „Ermeni dölü“ ,was soviel heißt wie „Nachkommen eines Armeniers“. )
    Wir sind alle Armenier und Wir sind alle Hrant sollte bedeuten: Wir fühlen mit, wir sind dagegen, wir verurteilen die Mörder und werden es nicht nochmal erlauben.
    Jeder der Kritiker kennt den wahren Grund, stellt sich aber dennoch dumm. Vielleicht um zu verhindern, dass diese Aussagen auf den Plakaten den einzelnen Menschen zum Denken zu bringen.
    Außerdem standen auf d. Plakaten dass der wahre Mörder §301 ist („Verun¬glimpfung des Türkentums“). Auch zu sagen dass ein Völkermord an Armeniern verübt wurde gehört unter dieser Kategorie.
    Dieses Gesetz verbietet für mich die freie Meinungsäußerung und ist eine Beleidigung für die Freiheit. Auch Orhan Pamuk, der international bekannter Schriftsteller ist gefährdet. Er stand oft wegen seiner Meinung und weil er diese auch geäußert hat vor Gericht. Seine Freiheit und sein Leben verdankt er seiner internationalen Bekanntheit. Trotzdem wurde er von einem der Mittäter öffentlich mit den Worten „Orhan Pamuk soll brav sein“ bedroht.

    Ja, Türken sind nationalistisch, das sieht man an Gesetzen oder an d. Standartspruch „ Türkei gehört den Türken“ als Logo für einer der meistgekauften Tageszeitung, sowie daran, dass Schüler täglich vor Schulbeginn einen Eid leisten müssen u. a. mit d. Worten „glücklich schätzt sich der, der sagen kann ich bin ein Türke“. Und es müsste unbedingt etwas für die Rechte und freie Meinung der Menschen gemacht werden.
    Trotz allem sollte man nicht jeden in einem Topf werfen. Sehr sehr viele Türken verurteilen verständlicherweise solche Morde Ungerechtigkeiten, haben eine ganz andere Meinung, und versuchen etwas gegen diese blinde Nationalismus zu unternehmen, auch wenn dies meistens wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirkt.

  2. es war geplanter, kaltblütiger Mord verübt von einem 'Kind' das keine Reue zeigt und dies auch öffentlich zu Sprache bringt.
    Ich bin eine in Deutschland lebende Türkin bzw. Kurdin mit einem türkischen Paß. Es existieren keine kurdischen Ausweise. Man könnte mich ofiziell von einer Türkin nicht unterscheiden (auch ich nicht) wenn ich vergessen würde dass mein Ursprung kurdisch ist. Also gehöre auch ich zu einer Minderheit und bin in der Türkei aufgewachsen, mit den ganzen Vorurteilen gegenüber Minderheiten. Ich durfte in der Schule nicht sagen, dass ich Kurdin bin, aus Angst...
    Zum Zeitpunkt des Mordes an Hrant Dink war ich zufällig in Istanbul. Habe mir von meiner Familie erzählen lassen, wie es dazu kam und konnte es kaum glauben. War traurig, wütend, erschrocken und enttäuscht zugleich! Ich kannte mich nicht gut mit türkischen Gesetzen aus, wusste aber dass man nichts gegen Atatürk (Gründer der Türkei) und auch nichts gegen Türkei sowie Türken sagen. Dass die Nationalisten aber soweit sind, einen Menschen zu ermorden, der doch nur die Wahrheit spricht.... nein das geht viel zu weit. Es ist nun mal so, Türken haben Völkermorde verübt und nicht nur an Armeniern 1915. So viele Augenzeugenberichte, so viele Nachweise... Türkei behauptet aber noch immer es wäre eine Lüge, und macht sich damit meiner Meinung nach ein bisschen lächerlich.
    Es ist einfacher jemanden der in der Lage ist zu denken, seine freie Meinung äußert und durch seine Äußerungen lästig wird zu ermorden. Als den Völkermord zuzugeben. Viele glauben wirklich daran, dass es eine Lüge ist aber sehr vielen ist diese Tatsache bewusst. Natürlich ist für eine Nation sowas ziemlich beschämend und es ist einfacher zu verdrängen, und zwar um jeden Preis. Irgendwann mal holt einem aber die Wahrheit ein. Wie lange will die Türkei noch weglaufen?
    Wo bleibt dann die Meinungsfreiheit Hr. Erdogan? Sie bestehen doch drauf, dass die Türkei ein freies demokratisches Land ist. Was sagen sie denn zu d. ganzen Mordserien an Denkern, Journalisten und Schriftstellern? Ich meine damit z.B. Sabahattin Ali, Abdi İpekci, Bahriye Ücok, Ugur Mumcu, Musa Anter, Metin Göktepe.
    Will die Türkei schon wieder nichts unternehmen?Sollen diese 2 armseligen Menschen die ins Gefängnis gesteckt wurden und stolz auf diesen Tat sind unter Lob und Anerkennung von den Mitstreitern nach paar Jahren rauskommen? Allzeit bereit das gleiche nochmal zu tun.
    Jeder weiß doch ganz genau dass dieser Junge nur der kleine Finger des Täters ist! Der Nazis in der Türkei und der Hetzer, auch der parteiischen Berichterstattung sowie Nachrichtensendungen.
    Warum unterbindet ihr es nicht? Warum unternimmt ihr nichts??
    Als Hrant Dink zu Grab getragen wurde und so viele Menschen auf die Straße gegangen sind, war ich sehr stolz. Ich dachte Türkei würde sich endlich ändern. Aber dank weitere Propanganda in den Medien, kamen wieder die Unannehmlichkeiten.
    Warum man d. Sprüche 'Wir sind alle Armenier' und „ Wir sind alle Hrant“ auf d. Plakaten stünde? Wie kann ein Türke sich wohl Armenier nennen usw. usw (Mann muss wissen, dass das Wort „Armenier“ ein Schimpfwort in der Türkei ist. Eine Politikerin „beschimpfte“ sogar den Abdullah Öcalan öffentlich u.a. mit „Ermeni dölü“ ,was soviel heißt wie „Nachkommen eines Armeniers“. )
    Wir sind alle Armenier und Wir sind alle Hrant sollte bedeuten: Wir fühlen mit, wir sind dagegen, wir verurteilen die Mörder und werden es nicht nochmal erlauben.
    Jeder der Kritiker kennt den wahren Grund, stellt sich aber dennoch dumm. Vielleicht um zu verhindern, dass diese Aussagen auf den Plakaten den einzelnen Menschen zum Denken zu bringen.
    Außerdem standen auf d. Plakaten dass der wahre Mörder §301 ist („Verun¬glimpfung des Türkentums“). Auch zu sagen dass ein Völkermord an Armeniern verübt wurde gehört unter dieser Kategorie.
    Dieses Gesetz verbietet für mich die freie Meinungsäußerung und ist eine Beleidigung für die Freiheit. Auch Orhan Pamuk, der international bekannter Schriftsteller ist gefährdet. Er stand oft wegen seiner Meinung und weil er diese auch geäußert hat vor Gericht. Seine Freiheit und sein Leben verdankt er seiner internationalen Bekanntheit. Trotzdem wurde er von einem der Mittäter öffentlich mit den Worten „Orhan Pamuk soll brav sein“ bedroht.

    Ja, Türken sind nationalistisch, das sieht man an Gesetzen oder an d. Standartspruch „ Türkei gehört den Türken“ als Logo für einer der meistgekauften Tageszeitung, sowie daran, dass Schüler täglich vor Schulbeginn einen Eid leisten müssen u. a. mit d. Worten „glücklich schätzt sich der, der sagen kann ich bin ein Türke“. Und es müsste unbedingt etwas für die Rechte und freie Meinung der Menschen gemacht werden.
    Trotz allem sollte man nicht jeden in einem Topf werfen. Sehr sehr viele Türken verurteilen verständlicherweise solche Morde Ungerechtigkeiten, haben eine ganz andere Meinung, und versuchen etwas gegen diese blinde Nationalismus zu unternehmen, auch wenn dies meistens wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirkt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service