Türkei Leere Seite für Hrant Dink

Der ermordete türkisch-armenische Journalist wurde ein Opfer dreier Kugeln, wie er Opfer dreier Verhängnisse wurde. Ein Nachruf

Stellen wir einen Kranz in türkischen Farben an das Grab von Hrant Dink. Eine trauernde türkische Gemeinschaft in der Türkei und Europa äußert sich betroffen und entsetzt über das »feige« Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit. Im gemeinsamen Eintreten für die Demokratie findet man zusammen. Einer von uns.

Es fällt nicht schwer, um Hrant Dink zu trauern. Presseerklärungen werden verfasst, Mahnwachen geplant, Protestmärsche. Porträtfotos von Hrant Dink werden verteilt, auf Papierfetzen kopiert, 10 mal 15 Zentimeter groß. Mit Sicherheitsnadeln an Pullovern und Jacken befestigt symbolisieren sie die Einheit der Trauergemeinde. Es ist ein sehr windiger Januar. Es ist eine Zeit, in der von der Bedeutung politischer Erinnerung gesprochen wird, die die Kraft haben soll, Differenzen zu mindern, um den zukünftigen Problemen standhalten zu können: Terrorismus, Klimaveränderungen, Energieknappheit.

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Einer von uns. Vielleicht hat der Journalist Hrant Dink nicht in der Tiefe seines Herzens daran geglaubt. Der Mensch Hrant Dink aber tat es. Er hat die Offerten, die man ihm machte, wie ein hungerndes Waisenkind angenommen. Hat das Reden von der Solidarität der kritischen Intellektuellen der Türkei nicht mehr geprüft, hat das Angebot einer Solidarität außerhalb der Geschichte ebenso angenommen wie Einladungen an den Genfer See oder auf den Petersberg, hat sich in Auszeichnungen und internationaler Anerkennung sicher gefühlt. Hrant Dink willigte in die Bedingung des politischen »Dialogs« ein, in jenes »Reden wir von universaler Solidarität statt nationaler Verantwortung«.

Wäre er noch wenigstens zehn Jahre älter geworden, hätte er vielleicht selbst erleben müssen, dass er nie einer »von ihnen« war. Er hätte vielleicht gesehen, dass es keinen Dialog gibt ohne eine vorherige Anerkennung der Wahrheit. Er hätte vielleicht selbst entdeckt, dass diejenigen, die ihn für ihre politischen Zwecke benutzten, ihn nicht schützen würden. Mit seinem Tod aber darf er nun weiterhin aufgenommen bleiben in der Erinnerung jener türkischen Volksgemeinschaft, die seinen Namen instrumentalisiert hat, um eine »Öffnung« der Türkei zu beweisen.

Dabei hat die Gruppe türkischer Intellektueller, die Hrant Dink an ihren Tisch holte, um für die EU-Fähigkeit der Türkei zu werben, bereits Nachfolger im Blick. Die neuen Beweise türkischer Demokratiefähigkeit dürfen nun auch schon Türken selbst sein: ein Literaturnobelpreisträger, eine türkische Autorin – Aussicht besteht genug, die Imagepolitik ohne Schaden fortsetzen zu können. Ja, den Mord an Hrant Dink gewinnbringend in diese Imagepolitik zu integrieren.

Hrant Dink wurde ein Opfer dreier Kugeln, wie er Opfer dreier Verhängnisse wurde. Das eine, sein Glaube, dass man als Armenier ohne die Erinnerung an den Völkermord leben kann, wurde von dem Mord selbst verneint. Das zweite, dass er als Armenier in der Türkei einen Platz würde haben können, erlauben nicht einmal diejenigen, die mit seinem Namen durch die Straßen der Großstädte in Europa ziehen und machtvoll darauf bestehen, dass die Trauer eine türkische ist. Das dritte Verhängnis, dass gerade die politischen Kräfte, die ihn als Paradebeispiel eines »Miteinanders der Kulturen der Türkei« aufgebaut haben, nicht um ihn als Armenier, sondern um ihre Investition trauern, wird vor allem in Deutschland deutlich.

So ist Hrant Dink geworden, was er nie sein wollte: ein Opfer der armenischen Geschichte. Ein Opfer des verweigerten Nebeneinanders. Ein Opfer der verweigerten Erinnerung. Ein Opfer der verweigerten Anerkennung.

Leser-Kommentare
  1. Jene, die Hrant Dink zu Lebzeiten wegen seiner Ansichten und seiner Liebe zu seinem Heimatland - der Türkei - und seinem Glauben an den Menschen, an das Gute, wenig Achtung geschenkt haben, zeigen hier, - wie deutlich - dass Hrant Dinks Lehren auch nach seinem Tod nicht geschätzt werden. Nein, wir werden wahrlich nicht vergessen, welch ehrenvoller Mensch Hrant Dink war. Wir haben ihn leider nicht schützen können. Möge Allah ihm Frieden geben.

  2. Unterlassen Sie hetzerische Kommentare. Die Redaktion / mh

  3. der Türkei wird ein Genozid (Völkermord) während des Ersten Weltkrieges vorgeworfen, ohne dass die historische Erkenntnisgewinnung in wissenschaftlichen Kreisen abgeschlossen ist. Dies ist ein weltweit einzigartiges Phänomen. Es gibt kein Land, dem man durch Parlamentsbeschlüsse einen Genozid vorgeworfen hat. Solche Vorwürfe gehen üblicherweise zunächst vor ein internationales Gericht, welches auf Fakten und Beweisen basierend ein Urteil fällt[1].

    Für die Klärung der historischen Ereignisse ist dringend erforderlich, dass eine neutrale und unabhängige Historiker-Kommission über die Ereignisse befindet. Bis Dato wurden zwei Initiativen der Türkei seitens Armenien abgewiesen[2]. In unserer Stellungnahme werden wir einige der gängigsten Geschichtsverfälschungen auflisten und zeigen, dass es angesichts der permanenten Verbreitung dieser mehr als notwendig ist, eine Historiker-Kommission auf die Beine zu stellen.

    Wir möchten dieses Thema auch nicht mit der Tagespolitik in Verbindung bringen und bewusst übergehen, dass der Genozidvorwurf ? besonders nach dem Scheitern der CDU/CSU mit ihrer 'privilegierten Partnerschaft' auf dem EU-Gipfel am 17.12.2004 - missbraucht wird um gegen einen EU-Beitritt der Türkei zu opponieren - auch wenn dieses Thema inzwischen durch die Anerkennung Zyperns 'abgelöst' wurde - und dass der verantwortungslose Umgang mit diesem Thema weder zur Integration der türkischen Migranten noch zur Versöhnung zwischen Armeniern und Türken beiträgt.

    Der Mythos der 1,5 Millionen Opfer:
    Die Angabe 1,5 Millionen Opfer - für die es, wie wir weiter unten zeigen werden nur ein einzige Quelle gibt - hat sich als 'Schätzzahl' etabliert, obgleich 600.000 Armenier in den Ostprovinzen die Umsiedlung von 1915 überlebt haben oder von dieser nicht betroffen waren und obwohl die Armenier Westanatoliens, ca. 150.000, der Umsiedlung gänzlich entgingen[3]. Hinzu kommen noch ca. 200.000 armenische Konvertiten[4]. Alleine durch das Aufzählen dieser Angaben kommt man auf nahezu eine Million Armenier, die vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg das Land in Richtung Europa, Amerika oder Kaukasus verlassen haben[5].

    Die Lage der osmanischen Bevölkerung:
    Das Osmanische Reich wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts als der 'kranke Mann am Bosporus' betitelt. Es war beispielsweise nicht in der Lage, die muslimischen Vertriebenen aus dem Balkan, dem Kaukasus und der Krim-Halbinsel sowie die anatolische Bevölkerung zu versorgen, so dass hunderttausende an Hunger und Mangelversorgung starben[6]. Weiterhin erfroren in den Wintermonaten viele Soldaten aufgrund schlechter Ausrüstung oder verhungerten an der Front[7], obwohl sich im Kriegsfall jeder Staat zuallererst um die Versorgung seiner Streitkräfte kümmert.

    Die türkischen Opfer im Ersten Weltkrieg:
    Während des Ersten Weltkrieges verloren 2,5 Millionen muslimische Osmanen das Leben[8], jedes Volk im Osmanischen Reich war Opfer des Krieges, nicht nur die christlichen Armenier. Des Weiteren lebten bis zum Ende des Krieges mehr Muslime, wie beispielsweise die Aserbaidschaner, als Christen auf dem heutigen Staatsgebiet Armeniens, welche jedoch durch russische Truppen und kollaborierende armenische Milizen vertrieben und ermordet wurden[9]. Von 1821 (Beginn der griechischen Revolution auf der Peloponnes) bis 1922 (Endphase des Befreiungskrieges unter Mustafa Kemal Atatürk) verloren in etlichen Kriegen auf dem Balkan, im Kaukasus und auf der Krim-Halbinsel 5 Millionen Türken das Leben und 5,4 Millionen wurden vertrieben und flüchteten nach Anatolien[10]. In der Türkei beträgt der Anteil der Balkan-, Kaukasus- und Krimtürken, deren Vorfahren in dieser Zeitspanne vertrieben wurden, über 30 %.

    Armenisch separatistische Milizen:
    Ein weiterer Beleg für die selektive Geschichtswahrnehmung ist das Verschweigen der Toten unter der muslimischen Zivilbevölkerung durch Massaker armenischer Milizionäre (z. B. der Daschnaken und Huntschaken) ab Ende des 19. Jahrhunderts bzw. die Konfrontation mit dem Vorwurf des 'Gegenrechnens'. Andererseits werden diese Gräueltaten ignoriert, verschwiegen oder zu 'Opfern armenischer Racheakte' verfälscht[11]. Verantwortliche waren armenische Führer wie der berüchtigte Andranik Torosi Ozanyan (General Andranik), der in Armenien wie ein Volksheld verehrt und dessen Morde, genauso wie die Terroranschläge der armenischen ASALA in den 1970er und 1980er Jahren, gerechtfertigt werden. Das Ziel der armenischen Milizionäre war - besonders nach dem Berliner Vertrag von 1878 - in Ostanatolien, einem Gebiet, in dem die Armenier, anders als beispielsweise die Griechen oder Serben, die Minderheit stellten und mithilfe Russlands, 'Großarmenien' zu gründen[12].

    Der 24. April 1915:
    General Andranik kämpfte mit seinen armenischen Freiwilligentruppen 1912-1913 im Balkankrieg auf Seite der Bulgaren gegen die Osmanen. Nach 1914 führte er seine Truppen auf der Seite des osmanischen Kriegsgegners Russland[13]. Im Frühjahr 1915 wurde im ostanatolischen Van nach erbitterten Kämpfen die übrige Zivilbevölkerung massakriert, die Stadt zerstört, und anschließend den nachkommenden russischen Truppen übergeben[14]. Die in den USA erscheinende armenische Zeitung Gochnak schrieb noch im Mai 1915, dass in Van nur 1.500 Türken 'übrig geblieben sind', von ehemals 180.000. Daraufhin hat die osmanische Regierung am 24. April 1915 den Verhaftungsbefehl gegen die Führer der armenischen Milizen gegeben. Dieses Datum wird von den Armeniern als Beginn der 'Armenischen Katastrophe' bzw. des 'Armenisches Genozids' betrachtet ohne über den über dreißigjährigen blutigen historisch-politischen Kontext zu reflektieren.

    Pfarrer Johannes Lepsius:
    Als 'Kronzeuge des Genozids' wird immer wieder Pfarrer Johannes Lepsius angeführt, der 1915 jedoch nur für einen Monat in Konstantinopel tätig und kein Augenzeuge der Umsiedlung war. Des Weiteren hat Lepsius gezielt Dokumente manipuliert und abgeändert[15]. Zu Lepsius\\' 'Korrekturen' gehört beispielsweise die Reduzierung der armenischen Gesamtbevölkerung von 2,5 Millionen und der Umsiedlungsopfer von 1,5 Millionen auf 2 Millionen Armenier (später 1.845.450) und 1.175.000 Umsiedlungsopfer. Diese Zahlen wurden 1916 in einem Bericht des deutschen Botschafters Radowitz erwähnt, der sie aus einer 'Hochrechnung' einer deutschen Missionarschwester übernommen hatte, welche als Berechnungsgrundlage die Anzahl armenischer Waisenkinder in einem Waisenheim und dies in einer einzigen Provinz nahm. Dieser Bericht ist die einzige Quelle, welche 2,5 Millionen Armenier und die 'etablierte Schätzzahl' 1,5 Millionen Opfer erwähnt. Jedoch selbst Lepsius erschien der Bericht und die Rechenart so unseriös, dass er sich genötigt sah, die Zahlen nach unten zu korrigieren um die Glaubwürdigkeit der Quelle zu retten[16]. Lepsius hat über dies in den Niederlanden für das Deutsche Reich Spionage betrieben und war keineswegs der unbedarfte Missionar, als der er dargestellt wird[17].

    'Kronzeuge Atatürk':
    Als einen weiteren 'Kronzeugen' stößt man auf Mustafa Kemal Atatürk, der in einer angeblichen Reportage[18] 'Massaker an Millionen christlicher Untertanen' eingestanden haben soll. Weder der Journalist noch irgendeine Quelle für diese Unterredung konnte ausfindig gemacht werden[19] und selbst die armenische Seite musste eingestehen, dass Mustafa Kemal Atatürk dies nie gesagt hat[20].

    Das vermeintliche Hitler-Zitat:
    Eine weit verbreitete grobe Geschichtsverfälschung ist das angebliche Hitler-Zitat 'Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?' aus einer Rede vom 22. August 1939. Es gibt keinen Text aus der NS-Zeit, der Bezug auf die Ereignisse von 1915 nimmt. Die Version der Rede, von der es fünf Stück gibt, mit dem vermeintlichen Hitler-Zitat wurde bereits 1946 vom Staatsanwalt der Nürnberger Prozesse aus der Beweisaufnahme zurückgezogen[21]. Umso erstaunlicher ist es, dass man immer wieder auf dieses Zitat stößt, und dies überwiegend in deutschen Medien, die den Holocaust 'erklären' und Hitler einen Teil der Verantwortung und Schuld 'abnehmen' möchten[22].

    Der angebliche Genozidbefehl des Talat Pascha:
    Die so genannten 'Talat Pascha Telegramme', auch bekannt unter dem Namen 'Andonian-Dokumente', welche als Beweis für einen zentral gesteuerten Genozidbefehl des osmanischen Innenministers Talat (Talaat) angeführt werden, sind nicht authentisch[23]. Der Grund war auch wiederum hier, dass sich diese Dokumente als plumpe Fälschungen des Armeniers Aram Andonian erwiesen haben.

    La question arménienne n\\'existe plus:
    Ein weiteres Telegramm wird immer wieder als Beweis angeführt, und zwar jenes des deutschen Botschafters Hohenlohe-Langenburg vom 4. September 1915 an den Reichskanzler Bethmann Hollweg, indem folgender Satz Talat Paschas zitiert wird: 'La question arménienne n\\'existe plus.' ('Die Armenische Frage existiert nicht mehr').
    Die Äußerung Talat Paschas wird jedoch willkürlich aus dem Kontext gezogen, indem man das Telegramm nicht vollständig zitiert:
    'Talaat Bey übergab mir am 2. d. M. die in Abschrift beigefügte deutsche Uebersetzung von verschiedenen telegraphischen Befehlen, die er in Sachen der Armenierverfolgungen an die in Betracht kommenden Provinzialbehörden gerichtet hat. Er wollte hiermit den Beweis liefern, daß die Zentralregierung ernstlich bemüht ist, den im Innern vorgekommenen Ausschreitungen gegen die Armenier ein Ende zu machen und für die Verpflegung der Ausgewiesenen auf dem Transporte Sorge zu tragen. Mit Bezug hierauf hatte Talaat Bey einige Tage vorher mir gegenüber die Äußerung getan: la question arménienne n\\'existe plus.'[24]
    Es ging demnach nicht darum, wie immer wieder suggeriert wird, dass die Armenier endgültig vernichtet wurden, sondern dass Talat Pascha vermitteln wollte, dass man die Probleme bei der Umsiedlung in den Griff bekommen und geeignete Maßnahmen zum Schutz der Umzusiedelnden getroffen habe.

    Dr. Arnold Toynbee und das Blue Book:
    Das 'Blue Book', herausgegeben 1916 vom britischen Historiker Dr. Arnold Toynbee, auf das sich etliche Vertreter der Genozid-These berufen - wurde als eine von vielen propagandistischen Auftragsarbeiten des als 'Kriegspropagandabüro' bekannten 'Wellington House' entlarvt[25]. Toynbee wird ferner christlicher Moralismus vorgeworfen[26] und in seiner Biographie musste er rückblickend zugeben, dass seine Einseitigkeit ein 'Verrat an der historischen Wahrheit' und dass er 'den Türken gegenüber ungerecht war'[27].

    Ambassador Morgenthau\\'s Story:
    US Botschafter Henry Morgenthaus Buch 'Ambassador Morgenthau\\'s Story', auf das sich ebenfalls etliche Vertreter der Genozid-These berufen und das 1918 erschien sowie grausige Berichte über die Lage der Armenier enthält, wurde nicht von Morgenthau sondern von seinen armenischen Sekretären und Gehilfen verfasst. Morgenthau wollte durch seine erdichteten Berichte erreichen, dass die Vereinigten Staaten dem Osmanischen Reich den Krieg erklären[28]. Es kam jedoch zu keiner Kriegserklärung, lediglich die diplomatischen Beziehungen wurden abgebrochen.

    Franz Werfel und die vierzig Tage des Musa Dagh:
    Der Roman 'Die vierzig Tage des Musa Dagh' (1933) von Franz Werfel basiert auf den bereits erwähnten 'Andonian-Dokumenten' und besonders auf den Erzählungen Werfels armenischer Freunde in Wien. Werfel hat das vermeintliche Leid der Armenier als Metapher für die Lage der Juden in Deutschland verwendet. Dies hat jedoch nichts mit der historischen Wahrheit zu tun. So hält Werfel beispielsweise fest, dass der armenische Aufstand in Van nach der Umsiedlungsanordnung stattgefunden habe und verkehrt damit Ursache und Wirkung. Das kuriose an dem Roman ist, dass die Führer der armenischen Milizen zugegeben haben, von den Russen unterstützt worden zu sein und dass Werfel gestand, dass er Unwahrheiten und Fälschungen aufgesessen sei und er sich schäme den Roman geschrieben zu haben[29]. Der Roman wurde demnach vom Autor sowie von seinen Protagonisten widerlegt und wird dennoch vom geneigten Leser zum 'Widerstandskampf armenischer Dörfler' verklärt.

    Der Prozess von Malta und Damat Ferit:
    In der Diskussion um den 'Genozid' wird beispielsweise nicht erwähnt, dass 1919 über 144 osmanische Minister, Parlamentarier, Generäle usw. durch die Alliierten verhaftet und nach Malta deportiert wurden, um ihnen den Prozess zu machen. Niemals zuvor hatte man soviel Zugang zu Zeugen und Archiven wie damals, als das Osmanische Reich unter britischer und französischer Besatzung stand und vom osmanischen Großwesir Damat Ferit ? welcher ein erbitterter Gegner der Jungtürken war und mit den Besatzungsmächten bedingungslos kollaborierte, unterstützt wurde. Alle Angeklagten wurden jedoch nach ca. zwei Jahren freigesprochen, da man keinerlei Beweise gegen sie fand. Zahlreiche Armenier, die namentlich in britischen Archivdokumenten aufgelistet sind [30] und interne Kenner des osmanischen Verwaltungsapparates waren, halfen den Alliierten bei der vergeblichen Suche nach Beweismaterial.

    Der Pantürkismus und der Nationalismus:
    Wenn über das Osmanische Reich während der jungtürkischen Regierungszeit (ab 1908) berichtet wird, wird das Bild eines nationalistischen Landes projiziert, welches basierend auf dem Pantürkismus ein großtürkisches Reich gründen wollte, ohne zu erwähnen, dass sich der Nationalismus als letztes unter der türkischen Elite verbreitet hatte und als Zeitgeist lange vorher in europäischen Ländern, später in ehemaligen osmanisch-christlichen Gebieten etabliert war[31]. Enver Pascha war der einzige namhafte Vertreter des Pantürkismus und mit dieser Ideologie unter den Jungtürken isoliert. Das Osmanische Reich war in dieser Phase, in der es seine europäischen und afrikanischen Gebiete Stück für Stück verlor, mitnichten in der Lage, die seit jahrhunderten unveränderte osmanisch-iranische Grenze zu verschieben und ein großtürkisches Reich zu gründen. Der Nationalismus wurde durch Frankreich, England sowie Russland in das Osmanische Reich 'importiert' und die christliche Bevölkerung zur 'Befreiung vom Türkenjoch' angestachelt. Dies führte u. a. zu griechischen, bulgarischen, serbischen und armenischen 'Freiheitsorganisationen'[32]. Infolge der 'Befreiung vom Türkenjoch' bzw. der Gründung moderner Nationalstaaten im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu Vertreibungen und Massakern an der muslimischen Zivilbevölkerung im gesamten Gebiet des Osmanischen Reiches, in dem ganze Landstriche 'ethnisch und religiös gesäubert' wurden[33]. Diese Ereignisse werden entweder ignoriert oder verfälscht, indem man schreibt, dass die Balkantürken und Tscherkessen 'auswanderten'[34]. Die christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich wurden jedoch seitens Griechenland, England, Frankreich und nicht zuletzt Russland systematisch bewaffnet. T. E. Lawrence, auch bekannt als 'Lawrence von Arabien', schreibt in einem Telegram aus Syrien vom 2. Februar 1913, demnach ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges und zwei Jahre vor der Umsiedlung der Armenier: 'welch ein Vermögen könnte man jetzt mit einer Ladung billiger Gewehre machen! Die Armenier rüsten wie wild.'[35]

    Schlusswort

    Abschließend möchten wir bemerken, dass die Armenische Frage in der Türkei kein Tabu ist. Die Werke vieler von uns zitierter Autoren und darüber hinaus Bücher von Vertretern der Genozid-These[36] sind in der Türkei frei erhältlich, türkische Zeitungen und Fernsehkanäle sind voll mit Beiträgen sowie Berichten von Wissenschaftlern, Historikern und Intellektuellen. Die Diskussion kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis als in Europa wünschenswert und ist für viele Menschen mit schmerzlichen Erinnerungen verbunden. Sei es, dass ihre Familien während des Ersten Weltkrieges vertrieben oder dass sie Opfer armenischer Übergriffe wurden oder dass man immer noch versucht, aufgrund widerlegter 'Beweise' und ohne Anhörung türkischer Wissenschaftler, Zeitzeugen und Überlebender die Türkei durch politische Instrumente zur Anerkennung eines angeblichen Genozids zu zwingen.

    Dies wird besonders durch die Aufregung um Orhan Pamuks Aussagen deutlich, da man in Europa geneigt zu sein scheint, einem Romancier Gehör zu schenken und gegen habilitierte Historiker wie Prof. Dr. Halacoglu aufgrund eines Antirassismusartikels Ermittlungen einzuleiten. Überdies wurde dieser Umstand bei der für Juni 2005 in Istanbul geplanten und von den Veranstaltern abgesagten Historiker-Konferenz deutlich, zur der ausschließlich Teilnehmer geladen waren, die die Genozid-These vertreten und dies soviel Unmut hervorrief, da man anstatt mit anderen Historikern zu diskutieren es vorzog, 'unter sich' zu bleiben.

    Wir wünschen uns, dass die Geschichte nicht politisch instrumentalisiert wird. Die historischen Ereignisse sollen auf internationaler Ebene von einer Fachkommission geklärt, festgeschrieben und sämtliche Geschichtsverfälschungen bereinigt werden. Erst dann sind Schritte hin zur Versöhnung zwischen zwei Völkern, die über 800 Jahre friedlich miteinander gelebt haben, möglich.

    Vielen Dank an Olgun Bayrak, von dem ich es übernomme habe. koparan77

    Quellenverzeichnis
    [1] Z. B. das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
    [2] Vienna Armenian-Turkish Platform (VAT) 2004 sowie erneuter Vorschlag der türkischen Regierung 2005
    [3] Ternon, Y., Tabu Armenien. Geschichte eines Völkermordes., Frankfurt/M; Berlin 1981, S. 207
    [4] Gilbert, M., A History of the Twentieth Century ? 1900-1933, New York 1997, vol. I, Seite 357
    [5] Yildirim, H., Armenische Behauptungen und die Wahrheit, Ankara 2001, S. 27
    [6] Hovannisian, R., The ebb and flow of the Armenian minority in the Arab Middle East, Middle East Journal, No. 28, 1974, S. 20, zitiert nach Söylemezoglu, A., Die andere Seite der Medaille, Köln 2005, S. 125
    [7] Erickson, E.J., Ordered to Die, Westport, Connecticut, London, 2000, S. 103, zitiert nach Söylemezoglu, A., Die andere Seite der Medaille, Köln 2005, S. 126
    [8] Steinbach, U., Die Türkei im 20. Jahrhundert, Bergisch-Gladbach 1996, S. 121
    [9] Binark, I., Ermenilerin\\'in Türkler\\'e yaptiklari mezalim ve soykirimin arsiv belgeleri, Ankara 2001
    [10] McCarthy, J., Death and exile. The ethnic cleansing of Ottomon Muslims, 1821-1922. Princeton, New Jersey, 1995, S. 339
    [11] Hans-Lukas, and Schaller, Dominik (Hg.), Der Völkermord an den Armeniern und die Shoah/The Armenian Genocide and the Shoah, Zürich: Chronos, 2002.
    [12] Gust, W., Der Völkermord an den Armeniern, Die Tragödie des ältesten Christenvolkes der Welt, München/Wien 1993, S. 177-180
    [13] Hovannisian, R., Armenia on the Road to Independence 1918, Berkeley, Los Angeles, London, 1967, S. 44; zitiert nach Söylemezoglu, A., Die andere Seite der Medaille, Köln 2005, S. 100
    [14] Gust, W., Der Völkermord an den Armeniern, Die Tragödie des ältesten Christenvolkes der Welt, München/Wien 1993, S. 216
    [15] Gust, W., Vorwort zu den Manipulationen, [bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht jeden Link auf seine Inhalte hin prüfen können; gez. die Redaktion]
    [16] Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Türkei 183, Mikrofiche 7154; Lepsius, J., Deutschland und Armenien 1914-1918,S. 296, Potsdam 1919, zitiert nach Özgönül, C., Der Mythos eines Völkermordes (noch nicht erschienen)
    [17] Gust, W., Magisches Viereck - Johannes Lepsius, Deutschland und Armenien, [bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht jeden Link auf seine Inhalte hin prüfen können; gez. die Redaktion]
    [18] Hilderbrand, E., The Confession of Mustafa Kemal Ataturk, Los Angeles Examiner vom 1. August 1926
    [19] Ataöv, T., A Statement Wrongly Attributed to Mustafa Kemal Atatürk, Ankara 1984.
    [20] Tashjian, J. H., The Armenian Review, Boston, Mass., 20. März 1982
    [21] Alderman, S., in Band II, S. 286, der Protokollakten der Nürnberger Prozesse vom 26. November 1946; zitiert nach Özgönül, C., Der Mythos eines Völkermordes (noch nicht erschienen)
    [22] Siehe TIC-Medienbeobachtung, besonders Artikel von Michael Jeismann 'Massaker an Armeniern ? Das doppelte Fieber' in der F.A.Z. vom 23.04.2005
    [23] Orel, S. und Yuca, S., Ermenilerce Talat Pasa\\'ya Atfedilen Telgraflarin Gerçek Yüzü, Ankara, 1984
    [24] Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Akte Türkei 183, Bd. 38, Microfiche-Nr.: 7126; zitiert nach Özgönül, C., Der Mythos eines Völkermordes (noch nicht erschienen)
    [25] McCarthy, J., Notes on a lecture by Professor Justin McCarthy of Louisville Kentucky to the Turkish Area Studies Group (TASG) on Friday January 19, 2001 at School of Oriental and African Studies (SOAS) London - United Kingdom
    [26] The New Encyclopædia Britannica, Volume 11, 15 th Edition, S. 880
    [27] McNeill, W. H., Arnold J. Toynbee: A Life, Oxford, 1989
    [28] Lowry, H.W., The story behind Ambassador Morgenthau\\'s story, Istanbul 1990
    [29] Feigl, Erich, Ein Mythos des Terrors. Armenischer Extremismus: Seine Ursachen und Hintergründe, Freilassing/ Salzburg 1986, S. 80-81 und 87-88
    [30] Archiv des britischen Außenministeriums, Dokumentennummer PRO-FO 371/6480
    [31] Cloog, R., The Greek Millet in the Ottoman Empire, in: 'Christians and Jews in the Ottoman Empire. The Functioning of a Plural Society', New York and London, Vol. I, S. 198
    [32] Marx, K und Engels, F., Die türkische Frage, Werke, Band 9, Berlin 1960, S. 22-27
    [33] McCarthy, J., Death and exile. The ethnic cleansing of Ottomon Muslims, 1821-1922. Princeton, New Jersey, 1995, S. 1
    [34] Ternon, Y., Tabu Armenien. Geschichte eines Völkermordes., Frankfurt/M; Berlin 1981, S. 51 und S. 137
    [35] Wilson, J., Lawrence von Arabien, Berlin 2004, S. 124
    [36] Als jüngstes Beispiel das Buch des Armeniers Vahagn Tatryan 'Armenian Genocide', Istanbul 2005, dessen Veröffentlichung samt der vorherigen Veröffentlichung des ersten Bandes auf der Website von PanARMENIAN verkündet wird, [bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht jede URL auf ihre Inhalte prüfen könne, gez. die Redaktion]

  4. Mit Verlaub, das war der größte Schwachsinn, den ich seit langem in der Zeit gelesen habe. Noch mehr Pathos und selbstgerechtes Geschwafel hätte man in diesen Text nicht unterbringen können.

  5. ich habe noch nie was von Hrant Dink gehört, bis ich sein Foto sah, nach seinem Tod. Es scheint viele Berliner gegeben zu haben, die ihn gekannt haben. Selbst Mladic scheint ihn gekannt zu haben. sie sehen sich so ähnlich. Warum starb er? Glaubt ihr, daß man einen Feind des Wortes umbringt, um einen neuen aufzubauen, der dann ein Natinalheld sein kann.
    Das Problem schwante mir schon im Jahre 1996, als mich eine Türkin- modern aus dem Dorf - die ihre eigenen Sachen auf dem Markt erledigt hatte uns beim aussteigen anschrie, weil sie unser gespräch auf englisch, nicht verstanden hatte.
    Ich unterhielt mich mit einem Rumänen, der eine Türkin geheiratet hatte und in Istanbul türkischen Studenten Mathematik beibrachte. Es ist sonderbar, es ist der gleiche Hass, den die Einheimischen in Mallorca den Deutschen gegenüber hegen, aber die türken entwickeln keine Gleichgültigkeit, nein , es muß dann ein Pathos her, wie bei den leidenden Glaubnesbrüdern in Palästina oder im Irak. Zum Glück nicht auch noch in Afghanistan und Darfur!
    Diese Problem war immer da und wird mit der europäischen annäherung nicht von der Bildfläche verschwinden. Nur Engländer und Franzosen haben dieses Pathos, aber beide länder haben ein entwickelteres Gesellschaftsrecht.
    Europa bedeutet diese Vielfalt, die die Türkei eigentlich gelebt hat zu entwickeln, aber statt dessen monopolisiert Erdogans Nation, die Türkei auf den Public Soldier, dessen Stimme Hrant Dink nun mal war. Dieses Paradox gabes auch in Putins Rußland! Warum sterben nach den Anschlägen von Bin Laden, einzelne Staatsbürger für die Angleichung des Binnenmarktes. Will Salome nach mehr Köpfe auf dem Tablett, weil Medea oder Klytämnestra nicht mehr den Weg nach Damaskus findet !

  6. Den Holocaust an den Juden öffentlich zu leugnen, ist zurecht gesetzlich verboten. Leider ist das im Fall des türkischen Völkermordes an den Armeniern nicht so.

    koparan77 und die vielen anderen haben keine Ahnung, wie sehr sie mit diesem pseudowissenschaftlichen Unsinn der Türkei schaden, die sie sicher glauben zu verteidigen.

    Böse Welt.

    v.

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