Israel Zornige Bürger

Präsident Katzav wird wegen Vergewaltigung angeklagt. Das ist aber nur der jüngste einer ganzen Reihe von Skandalen, die das Land erschüttern und das Vertrauen der Bürger in die Politik zerstören.

Wird er zurücktreten? Israelischer Präsident Moshe Katzav (Archivfoto 18.10.2006)

Wird er zurücktreten? Israelischer Präsident Moshe Katzav (Archivfoto 18.10.2006)

Der israelische Präsident Moshe Katzav stand schon lange unter Verdacht. Dass ihn jetzt Generalstaatsanwalt Meni Masus wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Korruption vor Gericht stellen will, kommt für niemanden überraschend. Allenfalls die Härte der Anklage, die eine langjährige Gefängnisstrafe bedeuten könnte für den Mann, der noch das oberste Amt im Staat innehat.

Katzav hat bisher alle Vorwürfe zurückgewiesen. Durch seine Anwälte ließ er aber bereits wissen, dass er im Fall einer Anklage sein Amt zumindest vorübergehend niederlegen werde. Da der Präsident aber nur repräsentative Funktionen hat, wäre in diesem Fall die Regierung von Ehud Olmert nicht unmittelbar betroffen.

Anzeige

Dennoch: Die Affäre Katzav kulminiert zu einem besonders kritischen Zeitpunkt. Immer mehr Israelis sind tief enttäuscht von der politischen Klasse und haben ihr Vertrauen in die Führungsschichten verloren.

Mit gutem Grund. Die Liste der polizeilichen Untersuchungen gegen Politiker ist so lang wie noch nie zuvor. So ist etwa Ministerpräsident Olmert selbst Gegenstand von gleich zwei Untersuchungen. Ihm werden Unregelmäßigkeiten beim Verkauf seines Jerusalemer Hauses vorgeworfen sowie „freundschaftliche Hilfe“ vor der Privatisierung einer führenden israelischen Bank im Jahr 2005. Gegen seine treue Sekretärin und jahrzehntelange Büroleiterin liegt eine Anklage wegen Hilfe zur Steuerhinterziehung vor.

Auch Finanzminister Avraham Hirshson ist Korruptionsvorwürfen ausgesetzt – in seiner früheren Funktion als Krankenkassenchef. Chaim Ramon, mittlerweile von seinem Amt als Justizminister suspendiert, muss sich derzeit vor Gericht wegen sexueller Belästigung verantworten. Dabei geht es unter anderem um die delikate Frage, ob er eine junge Soldatin bei einem offiziellen Empfang gegen ihren Willen geküsst hat und dabei die Zunge in ihren Mund steckte.

Leser-Kommentare
    • Akakor
    • 25.01.2007 um 12:09 Uhr

    Evtl. muss man auch ein Staatsoberhaupt aus dem Weg räumen, der aus dem Iran kommt und evtl. nicht ganz so versessen darauf ist, dort Bomben abzuwerfen?

    • vdh
    • 24.01.2007 um 19:29 Uhr

    Wann berichtetet die ZEIT einmal über die Einzelheiten des Falles Katzav? Bislang geht es lediglich um Anschuldigungen. Investigativer Journalismus ist doch deutsche Stärke! Hat Katzav nun 5 Frauen vergwaltigt? Und wann und wie kam es dazu? Die Journalisten haben sich bei ihren Recherchen schon lange nicht mehr so blamiert.

    • Akakor
    • 24.01.2007 um 22:44 Uhr

    Herr Katzav ist nicht nur solange unschuldig, wie seine Schuld nicht eindeutig bewiesen ist, sondern generell. Als Jude und Oberhaupt Israels kann er kein Täter sein. Es ist wohl Wasser auf die Mühlen der Zeit hier genussvoll antisemitische Klischees vom 'bösen Juden' zu bedienen. Ich bin erschüttert!

  1. Solange die Kommentare hier noch nicht, wie es zu erwarten ist, zu einer Schlammschlacht geworden sind, möchte ich anmerken: Mit Sarkasmus kommt man in dieser Debatte an kein Ziel.

  2. dass gerade jene Recht und Ordnung brechen, die die israelische Gesellschaft auswählt, um Recht und Ordnung gegenüber Palästinensern zu beugen. Wer für eine Politik der völkerrechtswidrigen Unterdrückung und Enteignung der Palästinenser steht, wie soll der dann moralisch immun sein, das Recht gegen andere zu beugen.

    Leider dürfte dieser Aspekt in Israel wie auch in den Israel bei ihrer 40Jährigen Besatzung und dem permanenten Landraub unterstützenden Ländern ignoriert werden. Dadurch wird die Israelische Gesellschaft um die Chance gebracht, sich ihrer Wahl der Gesetz brechenden Politiker zu besinnen, und die Konsequenzen ihres demokratischen Verhaltens zu erkennen. Irgendwann werden aber die Verbrechen nicht mehr ignoriert werden können. Dann erst wird man sich damit beschäftigen, welche Verbrechen gegen die Palästinenser von welchen gewählten Politikern initiiert wurden, und Zusammenhänge erkennen.

  3. Wenn ein Land 60 Jahre im Kriegszustand lebt, kommen eben nicht wie überall sonst gewöhnliche, sondern aussergewöhnliche Verbrecher an die Spitze.

    Dies, sowie der, wie in dem Artikel ebenfalls angedeutet, kläglich gescheiterte letzte Libanonkrieg, sollte doch ein Zeichen sein, dass Israels Existenz NUR durch einen GERECHTEN Frieden mit einem Palestina mit der Hauptstadt Ostjerusalem gesichert werden kann.

    Die Alternativen sind: ewige Besatzung mit Terror und Leid auf beiden Seiten, oder ein riesiger Knall.

    Das scheint mir so evident zu sein, dass ich mich ehrlich wundere, warum diejenigen, die ebenso denken, in der Minderheit bleiben.

    v. (ratlos)

  4. Nun, für einen Bill Clinton war Oralverkehr mit einer Praktikantin kein Sex im eigentlichen Sinne. Und deswegen handelte er ohne Schuldeinsicht. Sicherlich ist es verwunderlich, dass er ein Impeachment bekam, während ein Bush, der nachweislich das Volk belogen hat, ohne weg kommen kann. Aber das ist die Wirkung der Mischung von Sex, Macht und Politik, wie wir sie weiland auch bei uns erlebt haben .Für Katzav scheint es ebenso selbstverständlich zu sein, die Frauen in seiner Umgebung als willfähiges Fleisch zu betrachten, das ihm zu Verfügung zu stehen hat. Umdenken nicht erlaubt, während die Frauen in Israel selbst bewußter werden. Dass ein Präsident angeklagt wird, zeugt doch von einem grundsoliden Verständnis von Demokratie. Vertrauen in Politik zerstört man am besten durch schlechte Politik. Und davon haben wir hier zu Lande auch mehr als genug. Dass Politiker bessere Menschen zu sein haben, steht in keinem Grundgesetz und kann nicht verlangt werden. Wohl aber, dass sie sich an Recht und Gesetz halten. Und sich nicht an der eigenen Triebabfuhrt orientieren. Armer Katzav. Was seine Frau jetzt alles auszuhalten hat ....

  5. Nun, für einen Bill Clinton war Oralverkehr mit einer Praktikantin kein Sex im eigentlichen Sinne. Und deswegen handelte er ohne Schuldeinsicht. Sicherlich ist es verwunderlich, dass er ein Impeachment bekam, während ein Bush, der nachweislich das Volk belogen hat, ohne weg kommen kann. Aber das ist die Wirkung der Mischung von Sex, Macht und Politik, wie wir sie weiland auch bei uns erlebt haben .Für Katzav scheint es ebenso selbstverständlich zu sein, die Frauen in seiner Umgebung als willfähiges Fleisch zu betrachten, das ihm zu Verfügung zu stehen hat. Umdenken nicht erlaubt, während die Frauen in Israel selbst bewußter werden. Dass ein Präsident angeklagt wird, zeugt doch von einem grundsoliden Verständnis von Demokratie. Vertrauen in Politik zerstört man am besten durch schlechte Politik. Und davon haben wir hier zu Lande auch mehr als genug. Dass Politiker bessere Menschen zu sein haben, steht in keinem Grundgesetz und kann nicht verlangt werden. Wohl aber, dass sie sich an Recht und Gesetz halten. Und sich nicht an der eigenen Triebabfuhrt orientieren. Armer Katzav. Was seine Frau jetzt alles auszuhalten hat ....

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service