Unwetter"Kyrill" über Deutschland

Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern, schwere Sturmfluten und Dauerregen - der Orkan "Kyrill" tobt über Deutschland. Drei Menschen kamen ums Leben

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Tote, Millionenschäden und Verkehrschaos: Mit dem Orkantief "Kyrill" ist am Donnerstag einer der schwersten Stürme der vergangenen zwanzig Jahre über Deutschland und andere europäische Länder hinweggefegt. Mindestens elf Menschen - davon drei in Deutschland - starben bei dem verheerenden Sturm, der Geschwindigkeiten von mehr als 190 Stundenkilometern erreichte. Auch in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und anderen Ländern zog "Kyrill" eine Schneise der Verwüstung.

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Vor den Augen seiner Eltern wurde ein 18 Monate altes Mädchen in Bayern von einer umfallenden Terrassentür erschlagen. Im Landkreis Augsburg wurde ein 73-Jähriger von einem Scheunentor erdrückt, das von einer Böe aus den Angeln gehoben worden war. In Baden-Württemberg starb ein Mann, als er mit dem Auto auf einen umgestürzten Baum fuhr.

Insgesamt fünf Todesopfer forderte "Kyrill" in Großbritannien. Der Flughafenchef von Birmingham wurde in seinem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. Zwei Menschen starben in den Niederlanden und eine Frau in Frankreich.

Im Ärmelkanal spielten sich dramatische Szenen ab, als der Container-Frachter "MS Napoli"  wegen eines Motorschadens im sturmgepeitschten Meer vor Cornwall in Seenot geriet. Trotz meterhoher Wellen und heftiger Windböen eilten Helfer in Booten und Hubschraubern herbei und retteten alle 26 Besatzungsmitglieder. Auch in Deutschland litt der Schiffsverkehr unter den Auswirkungen des Orkantiefs. Fährverbindungen auf Nord- und Ostsee sowie dem Bodensee wurden zeitweise eingestellt, etliche Fischkutter saßen in den Häfen fest. Auf den Inseln und an den Küsten bereiteten sich die Menschen auf eine schwere Sturmflut vor, indem sie Sandsäcke befüllten und lose Gegenstände festzurrten.

Auf Helgoland wurden nach den schweren Küstenschäden der vergangenen Monate weitere Dünenabbrüche erwartet. Zunächst entwickelte sich "Kyrill" im Nordwesten allerdings schwächer als zuvor prognostiziert. "Wir sehen der Nacht gelassen entgegen", sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes in Cuxhaven.

"Kyrill" brachte auch den Flugverkehr in Europa durcheinander. Die Gesellschaften strichen hunderte Verbindungen, andere Flieger hoben erst mit stundenlanger Verspätung ab. Die Deutsche Bahn ließ am Abend im Norden und Westen die Züge nur noch bis zum nächsten Bahnhof rollen. Schon am Morgen hatte das Unternehmen die Höchstgeschwindigkeiten sowohl auf den Fern- als auch den Regionalstrecken vorsichtshalber gedrosselt. Vor allem im Süden Deutschlands wurden wegen umgestürzter Bäume mehrere Strecken gesperrt. Nahe Wilster (Schleswig-Holstein) prallte ein Intercity gegen einen Baum, verletzt wurde niemand.

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