Das so genannte demokratische Lager, das von der Europäischen Union und den USA unterstützt wird, erreichte 146 von 250 Sitzen, berichteten Wahlforscher und die Parteien selbst am Sonntagabend in Belgrad. Die extrem nationalistischen Radikalen (SRS) stellen 81 Abgeordnete. Sie kommen mit ihren Bündnisgenossen, den Sozialisten (SPS) des inzwischen gestorbenen früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, aber nur auf 97 Abgeordnete. Die übrigen sieben Mandate errangen Vertreter der Minderheiten wie Albaner und Ungarn.
Jubelnde Anhänger der Demokratischen Partei des 2003 ermordeten Ministerpräsidenten Djindjić

Trotz der klaren Mehrheit für die demokratischen Parteien dürfte die Regierungsbildung äußerst schwierig werden. Ihre Spitzenpolitiker zeigten sich in der Wahlnacht tief zerstritten. Sowohl der amtierende Regierungschef Vojislav Koštunica als auch die Demokraten (DS) von Staatspräsident Boris Tadic beanspruchten das Amt des Ministerpräsidenten für sich. Dagegen verlangte der bisherige Finanzminister und Parteichef der G17, Mladjan Dinkic, eine »Regierung der demokratischen Einheit«. Die Tadic-Demokraten und die Koštunica-Partei DSS sollten »alle Streitigkeiten aus der Vergangenheit beiseite lassen«. Ein Zusammengehen von Tadic und Koštunica wird von der EU und den USA gewünscht, um Serbien an Europa heranzuführen.

Der Liberalenchef Cedomir Jovanovic, ein enger Mitarbeiter des vor vier Jahren ermordeten serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic, lehnte in der Wahlnacht jede Zusammenarbeit mit Koštunica ab. Der sei für alle Fehlentwicklungen in Serbien und das Erstarken der alten Kräfte aus der Milošević -Zeit verantwortlich.

Vor diesem Hintergrund könnte Koštunica eine Minderheitsregierung mit stiller Unterstützung der Radikalen versuchen, hieß es in ersten Analysen. Schon bisher hatte Koštunica seine Minderheitsregierung von den Milošević-Sozialisten stützen lassen. Eine solche Regierung würde jedoch von Brüssel und Washington abgelehnt.

Zusätzlich dürfte die Regierungsbildung durch die Kosovo-Frage erschwert werden. Schon im Februar will der UN-Kosovo-Vermittler Martti Ahtisaari die Loslösung dieser fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz von Serbien und deren Selbstständigkeit vorschlagen. Das werde zu einer Radikalisierung der serbischen Innenpolitik führen, hatten alle Spitzenpolitiker seit Monaten gewarnt.

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