Bayerns Innenminister Günther Beckstein, der Edmund Stoiber als bayerischen Ministerpräsidenten beerben will, sagte der Süddeutschen Zeitung , es sei zwar der Wunsch Stoibers, bis Ende September im Amt zu bleiben. »Aber über zwei Monate weniger wird man sicherlich reden können« Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte am Wochenende bereits ebenfalls angedeutet, dass der Wechsel in München vorgezogen werden könnte. Die Überlegungen Stoibers seien »sicher noch nicht zu Ende«, sagte der CSU-Politiker.

Stoiber hatte nach wochenlangem Machtkampf vergangene Woche angekündigt, seine Ämter Ende September aufzugeben. Nach seinen Plänen soll dann auf einem Parteitag der neue Parteichef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2008 gewählt werden. Offenbar halten das führende CSU-Politiker aber für zu spät - wohl mit Blick auf die Wahlen und die innerparteilichen Auseinandersetzungen bis dahin.

Denn im Machtkampf um die Nachfolge Stoibers an der Parteispitze gibt es bislang keine Annäherung. Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber bot seinem Konkurrenten, Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer, zwar eine Zusammenarbeit an; er sei jederzeit bereit, über "Formen der Aufgabenverteilung zu reden", sagte er der Welt . Huber besteht allerdings darauf, CSU-Chef zu werden. Er bitte Seehofer, "dass er als kompetenter Sozialpolitiker, als Bundesminister und stellvertretender Parteivorsitzender in diesen herausgehobenen Verantwortungen weitermacht".

Seehofer hält indes an seiner Kandidatur fest. Am Sonntagabend hatte er mit Stoiber in München gesprochen. Stoiber sagte danach, er rechne nicht mit einer raschen Einigung. Ein Kompromiss sei nicht vor dem nächsten Wochenende zu erwarten, »spätestens aber zur nächsten Sitzung des CSU-Vorstandes« in drei Wochen.

Seehofer sagte nach dem Gespräch: »Wir wollen kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Dazu werden in der Parteispitze nun weitere Gespräche geführt. Ich halte es für möglich, dass es noch in dieser Woche eine Entscheidung gibt.« Es sei ein Gewinn für die Partei, wenn sich mehrere Bewerber in einem fairen Wettbewerb zur Wahl stellten, betonte der CSU-Vize. Einen Mitgliederentscheid ziehe er indes nicht in Betracht.

Unterstützung erhielt Seehofer von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer. »Bei einer Ämtertrennung gehört der Parteivorsitz grundsätzlich nach Berlin«, sagte Ramsauer der Süddeutschen Zeitung . Laut einer infratest-dimap-Umfrage vom Samstag und Sonntag würden 41 Prozent der CSU-Anhänger Seehofer favorisieren und lediglich 30 Prozent Huber.

Der CSU-Vorstand berät an diesem Montag in München über die Krisenlage. Die Sitzung dürfte ganz im Zeichen des Machtkampfs um den CSU-Vorsitz stehen. In der Münchner Parteiführung und in der CSU-Landtagsfraktion ist nach bisherigem Stand eine Mehrheit für ein Duo aus Beckstein als neuen Ministerpräsidenten sowie Huber als Parteivorsitzenden. Seehofer hat dagegen Unterstützung unter den Berliner CSU-Bundestagsabgeordneten.

Erwartet wird auch eine Diskussion im CSU-Vorstand über die erstmals von Beckstein geäußerte Kritik an Stoiber. Der Innenminister hatte gesagt, Stoiber sei auch an seinen eigenen Fehlern gescheitert.

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