Im wirren Führungsstreit der CSU zeichnet sich nur an einer Stelle erste Klarheit ab: Bayerns Innenminister Günther Beckstein soll voraussichtlich neuer Ministerpräsident werden. Die Entscheidung der Landtagsfraktion über diese Spitzenpersonalie stehe praktisch fest, sagte Landtagspräsident Alois Glück. "Das ist eine klare Situation."

Dagegen droht der CSU ein monatelanger Zweikampf um den Parteivorsitz: Mit Parteivize Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Erwin Huber stehen sich zwei Kandidaten mit denkbar gegensätzlichem Profil gegenüber. In der Parteiführung wird die Personalentscheidung bereits zur Richtungsentscheidung erklärt. Die Vorzüge und Chancen der beiden Kontrahenten sind ausgeglichen verteilt, ein eindeutiger Favorit steht nicht fest:

Horst Seehofer : Im Gegensatz zu Huber gilt der 57-Jährige als durchsetzungsstarker Macher mit ausgeprägter Popularität weit über Bayern hinaus. Als früherer Bundesgesundheitsminister und heutiger Bundeslandwirtschaftsminister hat er sich in Berlin Respekt verschafft - eine wichtige Voraussetzung, um der CSU als kleinster Partnerin in der großen Koalition eine unüberhörbare Stimme zu verleihen. Hier ist Huber im Nachteil, obwohl er auch mehrere Jahre als Bundesratsminister und damit als Statthalter von Ministerpräsident Edmund Stoiber in Berlin mitmischte.

Seehofer haftet in der Hauptstadt aber auch der Ruf eines eigenwilligen Quertreibers an: Im Streit über das gemeinsame Reformkonzept von CDU und CSU für das Gesundheitswesen im Herbst 2004 stemmte er sich so lange gegen den mühsam erreichten Kompromiss, bis er als stellvertretender Unions-Fraktionschef nicht mehr zu halten war und abtrat. Mittlerweile hat sich das Verhältnis zur damaligen Fraktionschefin und heutigen Kanzlerin Angela Merkel wieder entspannt. Zweifel an seiner Loyalität und Verlässlichkeit sind aber bei einigen Weggefährten geblieben.

Seehofer gibt sich als das soziale Gewissen der Union und Anwalt der kleinen Leute. So war der Verwaltungsfachmann nach seinem Rückzug von der Unions-Fraktionsspitze vorübergehend Chef des Sozialverbandes VdK in Bayern.

In seiner Heimat steht der stärkste CSU-Bezirksverband Oberbayern hinter dem Ingolstädter. Nach dem traditionellen Regionalproporz sollen CSU-Vorsitz und Ministerpräsidentenamt mit einem Altbayer und mit einem Franken besetzt werden. Mit Beckstein als Franke erfüllen diese Vorgabe sowohl Seehofer als auch Huber, der den Bezirksverband Niederbayern vertritt.