Tony Blair galt einst als Margaret Thatcher mit einem Lächeln im Gesicht. Der Chef der oppositionellen britischen Tories, David Cameron, könnte sich als Blair mit einem neuen Gesicht erweisen. Er übt in Davos das Agieren auf der weltpolitischen Bühne.

Und das heißt: wohl formulierte Antworten auf alle Fragen, auch auf solche, die eigentlich nicht beantwortbar sind. Klimawandel? Kann die Welt in den Griff bekommen. Irak? Kann ein Erfolg werden, wenn man dem neuen Kommissions-Bericht in Washington folgt. Steuern? Dürfen nicht erhöht werden. Und das alles in fünfunddreißig Minuten.

Das wirkt fast schon wie Tony Blair in seinen besten Tagen. Aber es wäre doch schön, wenn ein angehender Weltpolitiker auch mal Zweifel zuließe oder gar ein "Ich weiß es (noch) nicht" zum Besten gäbe. Oder das Bekenntnis, dass komplexe Fragen teilweise offene, tastende Antworten brauchen.

Da zeigt Davos, das beste verfügbare Abbild der Globalisierung, mal wieder eine moderne Krankheit, die sich hier zu einer Epidemie vergrößert: zu viele Antworten. Trotz aller Diskussionsrunden, trotz Brainstorming vor und hinter verschlossenen Türen - kaum hören 20 Manager oder gar Journalisten zu, schon fließen die Antworten, einfache zumal.

Eines ist indes auch klar: Das liegt so sehr an den Rednern wie an den Zuhörern und ihren Erwartungen.

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