DavosEin Spielzeug, das die Welt verändern will

Was auf dem Weltwirtschaftsforum Furore machte: Der „XO“, ein Hundert-Dollar-Laptop für Millionen Kinder in der Dritten Welt. Christine Brinck und Josef Joffe sprachen mit Nicholas Negroponte, dem MIT-Professor und Gründer von der Privatinitiative „One Laptop Per Child“ von 

Das Ding ist etwa 20 mal 25 cm groß, hellgrün und weiß, und sieht aus wie ein Spielzeugcomputer aus Plastik. Tatsächlich ist dieser Hit auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos kein Spielzeug, sondern ein voll funktionsfähiger Laptop im Kinderhände-Format – mitsamt Internet, Kamera, Media Player, e-book und einer Handvoll nützlicher Programme. Der „XO“ befindet sich noch in der Beta-, also Testphase, aber in der Massenproduktion soll er hundert Dollar kosten. Zielpublikum sind zwei Milliarden Kinder ab sechs in der Dritten Welt, die entweder keine oder nur eine sehr knappe Schulbildung erhalten; ein Drittel von ihnen schafft noch nicht einmal die fünfte Klasse.
Und wie betreibt man diese Dinger fern jeder Steckdose? Mit einer Art Jo-Jo. Eine Minute an der Schnur ziehen gleich zehn Minuten Batteriezeit.

ZEIT online: Herr Negroponte, es gibt schon viele solcher Computerprojekte…

Nicholas Negroponte: Das ist kein Computer-, sondern ein Bildungsprojekt. Wir wollen nicht nur die Kinder mit Laptops versorgen, die keine oder zu wenig Schulbildung bekommen. Vor allem wollen wir sie früh genug erwischen, bevor sie zu viel Falsches lernen. Das zu entlernen ist immer teuerer als gleich das Richtige zu lernen.

ZEIT online: Mit diesem kleinen Ding, das wie ein Plastikspielzeug aussieht?

Negroponte: Im Medialab (von MIT, das Negroponte bis vor kurzem leitete) haben wir uns seit Jahrzehnten mit Kinder, Computern und Bildung beschäftigt. In den Siebzigern schon haben wir gezeigt, dass Kinder Programme schreiben konnten und dabei lernten, wie man lernt. Also: Programme funktionieren nie gleich richtig, und so lernten die Kids, wie man sie verbessert.

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ZEIT online: Haben Sie auch Erfahrung im Ausland?

Negroponte: In den Achtzigern haben wir Computer in Senegal und Pakistan aufgestellt, aber diese schweren Desktops. In den Neunzigern haben wir daran gearbeitet, wie man Internet-Zugang in entlegenden Gegenden schafft. Und jetzt haben wir diesen Hundert-Dollar-Laptop.

ZEIT online: Aber diese Kinder müssen doch schon lesen und schreiben können.

Negroponte: Die können mehr als Sie glauben. Die fangen nach zwei Wochen an, mit einer englischen Tastatur in Englisch zu chatten. Das Kind fängt schon an zu lernen, wenn er dieses Laptop in die Hand nimmt, es aufmacht, die Icons sieht und sie anklickt. Das Prinzip ist ganz einfach: „Learning by doing“, also lernen durch tun, und nicht weil man es beigebracht bekommt. Manches Lernen wird durch Unterricht vermittelt, aber viel mehr durch das Leben. Kleine Kinder lernen doch Gehen und Sprechen ganz von allein.

ZEIT online: Alles ganz ohne Schule?

Negroponte: Nein. Die Schulen sind die Verteilerpunkte für diese Laptops.

ZEIT online: Und wenn es keinen Strom gibt?

Negroponte: Dann werden sie per Hand betrieben, mit diesem Jojo-artigen Dynamo hier. Eine Minute Strippenziehen produziert zehn Minuten Batteriezeit.

ZEIT online: Das ist kein kommerzielles Geschäft?

Negroponte: Nicht für unsere Gruppe, „One Laptop Per Child“ (OLPC). Alle anderen, die Chiphersteller, die Dynamo-Prozenten verdienen etwas daran, zumindest theoretisch. Wir, die OLPC, garantieren nur, dass niemand Geld verlieren wird. Immerhin geht es hier ujm zweisteillige Millionenbeträge.

Leserkommentare
  1. 1.

    Ein spannendes Projekt! Aber ich vermute Sie haben sich nicht mit John sondern mit Nicholas Negroponte unterhalten

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