Das Kosovo soll unabhängig werden: Wer den Plan des UN-Vermittlers Martti Ahtisaari auf einen so klaren Satz absucht, wird nicht fündig. Trotzdem ist das die Essenz des Vorschlags. Westliche Diplomaten geben sich in diesen Tagen Mühe, den ungeduldigen Albanern in Prishtina den Zusammenhang klarzumachen: Anders als die geltende Resolution des Weltsicherheitsrats zum Kosovo enthält Ahtisaaris Plan keinen ausdrücklichen Hinweis mehr auf Souveränitätsrechte Serbiens.

Das reicht nach den Regeln der UN-Syntax schon aus. In der alten Resolution 1244, die im März durch eine neue Resolution ersetzt werden soll, kommt das Kosovo noch als Teil Jugoslawiens vor – eines Staates, der inzwischen untergegangen ist und dessen Nachfolge Serbien angetreten hat.

Das Kosovo soll unabhängig werden: Zu Ahtisaaris Vorschlag ist in der Tat keine vernünftige Alternative aufgetaucht, seit die vorwiegend albanisch besiedelte Provinz im Juni 1999 mit einer Nato-Intervention aus dem Herrschaftsbereich Belgrads gelöst wurde. Neben dieser Grundsatzentscheidung hat der Vermittler der Provinz beinahe eine komplette Verfassung mitgeliefert. Ausgefeilte Regelungen sollen der serbischen Minderheit das Leben in einem unabhängigen Kosovo erträglich machen.

Neu ist an diesen Regeln nichts, alles wurde im vorigen Jahr zwischen Serben und Albanern in Wien ausführlich besprochen: Minderheitenrechte, Autonomie und Zuschnitt der Gemeinden, mehrsprachiges Bildungswesen, Schutz der serbischen Kirchen und Klöster. Die Serben wollten für ihre bedrängten Enklaven maximale Autonomie und möglichst keinen Kontakt mit der albanisch dominierten Regierung.

Die Albaner dagegen wollten verhindern, dass ein unregierbarer "Micky-Maus-Staat" entsteht, wie es einer ihrer Unterhändler ausdrückte. Zwar haben sich Albaner und Serben in Wien über keinen Punkt wirklich geeinigt. Ahtisaari und seine Leute haben sich aber Mühe gegeben, die Interessen beider Seiten zu berücksichtigen. Was jetzt vorliegt, ist vernünftig und ausgewogen. Tatsächlichen Schutz können eine Verfassung oder eine Gemeindegrenze ohnehin nicht bieten: Will ein albanischer Mob Serben vertreiben, hält kein Paragraf ihn auf.

Das Problem des Ahtisaari-Plans liegt nicht im Ziel, sondern in der Durchsetzung. Belgrad will sich das Kosovo nicht "entreißen" lassen, wie es in der dortigen Rhetorik heißt. Ein Parlamentsbeschluss und eine Volksabstimmung legen jede Regierung auf die "Integrität des Territoriums" fest. In der Kosovo-Frage gilt in Belgrad das "Mikado-Prinzip": Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.