Die vielbeschworene Einvernehmlichkeit in der CSU wieder herzustellen, das war das erklärte Ziel des Spitzentreffens in München vom Freitag . Doch nun haben sich die Befürchtungen der vergangenen Tage bestätigt, dass es keine schnelle Einigung geben wird. Als die Spitzenfunktionäre am Nachmittag auseinander gingen,  war noch immer keine Entscheidung darüber gefallen, ob der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber oder Bundesverbraucherminister Horst Seehofer auf dem Parteitag im September zum neuen CSU-Chef gekürt werden soll. Damit ist zwar noch nicht aller Tage Abend für die Einheit der Partei. Der neue Termin, bis zu dem die alte Geschlossenheit nun endgültig restauriert werden soll, ist das politische Aschermittwoch-Treffen der CSU am 21. Februar. Doch ob dies gelingen wird, daran gibt es erhebliche Zweifel.
Edmund Stoiber nach dem Krisentreffen© Ralph Orlowski/Getty Images

Stoiber selbst deutete nach dem Treffen an, dass man möglicherweise eben nicht um eine Kampfabstimmung herumkommen werde. Ein solcher Parteitag sei ein „normales demokratisches Verfahren“, sagte der amtierende CSU-Vorsitzende. Zwar betonte er erneut, dass er eine Lösung im Konsens bevorzuge und diese für „Land und Partei“ das beste sei. Doch in den letzten Wochen hat man gelernt, sensibel auf erste, vorsichtige Andeutungen Stoibers zu reagieren.

Dass es am Ende zu einer Kampfkandidatur kommen könnte, dafür spricht vor allem die Halsstarrigkeit der beiden Kandidaten. Sowohl Seehofer als auch Huber bekräftigten am Freitag ihre Bereitschaft, den Parteitag über den CSU-Vorsitz entscheiden zu lassen. Noch will keiner von beiden zurückstecken. Stattdessen wies jeder in den vergangenen Tagen noch mal auf seine besonderen Vorzüge hin.

Seehofer teilte der Öffentlichkeit mit, dass die CSU schweren Schaden nehmen würde, wenn der Vorsitzende ohne bundespolitischen Einfluss auskommen müsse. Doch auch Huber hat einen Joker im Ärmel: Erst Mal, verkündete er selbstbewusst, müsse nicht die Landtagswahl, sondern die Kommunalwahl gewonnen werden, und da sieht er sich als in Bayern verwurzelter Landespolitiker klar im Vorteil. Außerdem: Dass er jetzt noch nicht Bundespolitiker ist, muss ja nicht so bleiben. Seine Familie unterstütze ihn so sehr, dass sie sogar einem Wechsel nach Berlin nicht im Wege stehen werde, ließ Huber vorsorglich schon mal durchblicken.

Von einer wie auch immer gearteten Dreier-Lösung, die Stoiber vorzuschweben scheint, wenn er – wie am Freitag geschehen – davon redet, dass die CSU „alle Köpfe“ brauche, um die bestmögliche Mannschaft aufzustellen, halten die beiden Konkurrenten jedenfalls wenig. Auch wenn Teilen eine christliche Tugend sei, gebe es nun mal ein paar Dinge, die man partout nicht teilen könne, sagte Huber am Donnerstagabend. Und dazu gehöre für ihn eindeutig auch der CSU-Vorsitz. Seehofer wiederum hatte schon zu Beginn des Streits klar gemacht, dass er keine Trostpflaster wolle.

Nach der Sitzung am Freitag beteuerte Huber zwar, alle glaubten daran, dass es zu einer Einigung kommen werde. Die Verantwortung solle auf mehrere Schultern verteilt werden, sagte er. Doch dass er scheinheilig hinzufügte, niemand wolle Seehofer ausgrenzen, machte deutlich, dass er bei all diesen Lösungen stets ganz klar sich selbst als Vorsitzenden vor Augen hat.

Die Vorstellung, dass Huber und Seehofer künftig als eine Art Vorsitzenden-Team agieren könnten, auch wenn formal nur einer Parteichef würde, der andere aber beispielsweise durch einen Sitz im Koalitionsausschuss aufgewertet würde, ist jedoch auch deshalb abwegig, weil die Chemie zwischen ihnen nicht besonders gut ist. Beide vertreten politisch eher entgegengesetzte Pole – Huber, als Wirtschaftsmann, Seehofer, als soziales Gewissen der Partei. Aber auch in Temperament und Naturell gibt es nicht viel, was Seehofer und Huber verbinden würde.