Fall Kurnaz Im Wust der Notizen
Beinahe jeden Tag gibt es neue Enthüllungen im Fall Kurnaz. Doch was steht eigentlich schon fest, und welche Fragen sind noch offen? Ein Überblick

Murat Kurnaz vor dem Ausschuss
Im Wust der täglich neu veröffentlichten „Aktennotizen“ und „Vermerke“ ist es nicht leicht, den Überblick über den Fall Murat Kurnaz zu behalten. Der in Bremen geborene und aufgewachsene Türke saß viereinhalb Jahre lang im US-Gefangenenlager Guantánamo. Der anfängliche Terrorverdacht gegen ihn hat sich jedoch nicht bestätigt. Nun streiten Parteien und Medien darüber, ob die frühere rot-grüne Bundesregierung eine Mitschuld an seiner langen Inhaftierung trägt. In der Kritik steht vor allem der heutige Außenminister Frank Walter Steinmeier, damals als Kanzleramtschef für die Geheimdienste zuständig. Doch was lässt sich ihm wirklich vorwerfen? Ein Überblick über die wichtigsten Fragen:
Gab es ein Angebot der Amerikaner an die deutsche Regierung, Murat Kurnaz freizulassen?
Im September 2002 haben Mitarbeiter des BND und des Verfassungsschutzes Murat Kurnaz in Guantánamo verhört. Vor dem Untersuchungsausschuss am 1.2.2007nhaben die BND-Mitarbeiter und der Verfassungsschutz-Mitarbeiter allerdings unterschiedliche Angaben über ihre Gespräche mit Mitarbeitern der CIA in Guantánamo gemacht. Ein BND-Mitarbeiter sagte, die Amerikaner hätten Kurnaz nicht für einen Terroristen und für weitgehend ungefährlich gehalten. Zudem hätten sie gesagt, Kurnaz habe gute Chancen zu einer Gruppe von Gefangenen zu gehören, die im November 2002 freigelassen werden sollten. Diese Information stamme aus dem Pentagon. Der Verfassungsschützer bestätigte zwar ebenfalls, dass die Amerikaner eine Freilassung Kurnaz angedeutet hätten, bestritt aber, dass diese Information aus dem Pentagon gekommen sei. Zur Gefährlichkeit von Kurnaz sagte er, Kurnaz habe "charakteristische Merkmale einer Radikalisierungsbiografie aufgewiesen". Die Frage, ob die Information über die Freilassung aus dem Pentagon kam oder nicht ist deswegen entscheidend, weil nur das Pentagon eine solche Entscheidung hätte treffen können.
Steinmeier und Abgeordnete der SPD bestreiten nämlich, dass es sich bei der angedeuteten Freilassung um ein ernstzunehmendes Angebot gehandelt habe. Die Diskussion im Herbst 2006 habe lediglich auf Gedankenspielen von deutschen und amerikanischen Geheimdienstmitarbeitern beruht.
Dagegen ist einzuwenden: Die Tatsache, dass kein offizielles Schreiben des damaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld vorlag, bedeutet noch nicht, dass das Angebot nicht ernst gemeint war. Auf dem diffizilen Feld der Terrorismusabwehr sind halboffizielle Händel der weit üblichere Weg als offizielle Regierungsankündigungen.
Doch unabhängig davon, wie ernst das Angebot gemeint war, trafen Innenministerium, Kanzleramt, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst bei einer so genannten Präsidentenlage im Kanzleramt im Oktober 2002 eine klare Entscheidung, die auch von niemandem bestritten wird: Für den Fall, dass die Amerikaner Kurnaz wirklich freilassen sollten, sollte er nicht nach Deutschland zurückkehren, sondern in die Türkei abgeschoben werden.
Haben die Amerikaner eine Spitzeltätigkeit von Kurnaz zur Bedingung gemacht?
Steinmeier verteidigt sich außerdem mit dem Argument, man habe sich nicht darauf einlassen wollen, Kurnaz als Spitzel einzusetzen. Dies sei aber die Bedingung der Amerikaner für dessen Freilassung gewesen. Die Geheimdienstler haben dies vor dem Untersuchungsausschuss am 1. Februar 2007 jedoch nicht bestätigt. Vielmehr sagten sie dort, es seien von US-Seite keine Bedingungen genannt worden.
Die Opposition wendet zudem ein, dass die deutsche Regierung für den Fall, dass die Amerikaner Bedingungen gestellt hätten, mit den USA hätte verhandeln müssen. Auch vor der tatsächlichen Freilassung von Kurnaz 2006 stellten die Amerikaner Bedingungen, die in Verhandlungen zwischen Deutschen und Amerikanern ausgeräumt werden konnten.
Für wie gefährlich wurde Kurnaz im Oktober 2002 gehalten?
Hier fielen die Bewertungen offenbar unterschiedlich aus. Sowohl die BND-Beamten, die Kurnaz verhörten, als auch die Amerikaner hielten Kurnaz zu diesem Zeitpunkt für harmlos. In einem Schreiben an das Innenministerium vom 29.10.2002 heißt es, es deute nichts darauf hin, dass Kurnaz Kontakte zu al-Qaida- oder Taliban-Strukturen gehabt habe. Auch die Bremer Staatsanwaltschaft, die Ende 2001 gegen Kurnaz ermittelte, hielt Kurnaz im Herbst 2002 nach Angaben von Kurnaz' Anwalt für ungefährlich. Dagegen beteuert Steinmeier, der Verfassungsschutz sei bis Ende 2005 davon ausgegangen, dass Kurnaz in islamistischen Kreisen indoktriniert worden sei und deswegen eine Gefahr darstelle.
An dieser Stelle muss der Untersuchungsausschuss also noch Aufklärungsarbeit leisten. Doch selbst wenn die damalige Regierung die Bedenken gegen Kurnaz nicht für vollständig ausgeräumt hielt, muss sie sich fragen lassen, ob sie Kurnaz nicht dennoch nach Deutschland hätte zurückholen müssen, um ihm hier ein rechtstaatliches Gerichtsverfahren zu gewährleisten. So kann man den Eindruck erlangen, dass die Regierung weniger das Sicherheitsrisiko Kurnaz fürchtete als die Negativschlagzeilen, denn Kurnaz geisterte damals noch als „Bremer Taliban“ durch die Medien.
Wussten die Deutschen im Oktober 2002, dass Kurnaz gefoltert wurde?
Wenn die Regierung gewusst hätte, dass Kurnaz in Guantánamo gefoltert wurde, hätte dies für sie ein weiterer Grund sein müssen, alles zu tun, um ihn dort herauszuholen.
Der SPD-Obmann im Untersuchungsausschuss, Thomas Oppermann, sagt, von Folter habe man damals nichts gewusst. Tatsächlich heißt es in dem Vernehmungsprotokoll, das die BND-Beamten im September 2002 nach ihrem Besuch bei Kurnaz erstellten, Kurnaz habe lediglich über Hitze, Langeweile, Isolation wegen Sprachbarrieren und zu wenig hochwertige Nahrung geklagt. Im Untersuchungsausschuss sagte Kurnaz dagegen, er habe versucht, den Beamten von den Foltermethoden zu erzählen, diese hätten sich dafür aber nicht interessiert. Nach eigenen Angaben wurde Kurnaz in Kandahar an Ketten aufgehängt, in Guantánamo sei er unter anderem in eine Zelle mit zu geringer Sauerstoffzufuhr gesteckt worden.
Doch jenseits dieser Methoden wusste die deutsche Regierung, dass in Guantánamo keine rechtstaatlichen Grundsätze galten.
Haben die Amerikaner ihre Bewertung von Kurnaz später revidiert?
Ja, im Februar 2003 waren die Amerikaner nicht mehr bereit, Kurnaz freizulassen. Sie hielten Kurnaz nun wieder für gefährlich. Grund ist möglicherweise, dass sie dessen Bremer Freund Selcuk B. mit einem Selbstmordattentäter verwechselten. Die Bundesregierung hatte also – wenn überhaupt – nur im Herbst 2002 eine Chance, Kurnaz aus Guantánamo herauszuholen, allerdings wünschte sie weder damals noch später seine Rückkehr nach Deutschland.
Hat die frühere Bundesregierung versucht, eine Wiedereinreise von Kurnaz zu verhindern?
Ja. Am 29.10.2002 beschloss die Präsidentenlage im Kanzleramt, der neben Vertretern des Innenministeriums und des Justizministeriums, des BND und des Verfassungsschutzes auch Steinmeier als ihr Chef angehörte, dass Kurnaz nicht nach Deutschland, sondern in die Türkei freigelassen werden sollte. Da Kurnaz sich nicht fristgerecht bei der Ausländerbehörde gemeldet hatte, galt sein Aufenthaltsrecht als abgelaufen. Dabei wussten die deutschen Stellen ja, dass Kurnaz sich gar nicht zurückmelden konnte. Außerdem wurde ein Einreiseverbot verhängt. Noch im Oktober 2005 entschied die Präsidentenlage im Kanzleramt erneut, dass Kurnaz' Rückkehr nach Deutschland verhindert werden solle und noch nach der Abwahl der rot-grünen Regierung bemühten sich die Beamten, „gerichtsfeste“ Beweise für die Gefährlichkeit von Kurnaz zu finden. Im November 2005 entschied jedoch das Bremer Verwaltungsgericht, dass Kurnaz die Aufenthaltserlaubnis nicht hätte entzogen werden dürfen.
Warum wurde Kurnaz nicht in die Türkei entlassen?
Die Frage ist ebenfalls nicht endgültig geklärt. Der türkische Staatsbürger Kurnaz wurde auch von türkischen Beamten verhört. Die türkische Regierung behauptet, sie habe sich für Kurnaz eingesetzt. Dennoch war Kurnaz der letzte von insgesamt sechs türkischen Häftlingen in Guantánamo, der freigelassen wurde. Nach Angaben der türkischen Regierung verweigerten die Amerikaner die Übergabe Kurnaz' an die Türkei mit dem Hinweis auf seine besondere Gefährlichkeit.
War die Bundesrepublik für Kurnaz überhaupt zuständig?
Formal nicht, denn Kurnaz war türkischer Staatsbürger. Die Opposition will dies allerdings nicht gelten lassen. Schließlich habe Kurnaz sein ganzes Leben in Deutschland verbracht und hatte hier eine Aufenthaltsgenehmigung. Der Staat sei für den Schutz aller seiner Einwohner verantwortlich, nicht nur der Deutschen, argumentieren etwa Grüne und Linkspartei.
Für die Amerikaner hat die türkische Staatsbürgerschaft von Kurnaz bei den Verhandlungen um seine Freilassung offenbar eine untergeordnete Rolle gespielt. 2002 gab es schließlich die Überlegung, ihn nach Deutschland zu entlassen, als 2006 tatsächlich über seine Freilassung verhandelt wurde, spielte die Staatsbürgerschaft keine Rolle. Dagegen wurden Anfragen des Auswärtigen Amtes offenbar mit dem Hinweis abgelehnt, die Deutschen seien für Kurnaz nicht zuständig.
Wie hat die Zusammenarbeit zwischen Auswärtigem Amt und Innenministerium beziehungsweise Kanzleramt funktioniert?
Pikantes Detail am Rande der Untersuchungen: Das SPD-geführte Innenministerium und das SPD-geführte Kanzleramt haben das vom grünen Außenminister Joschka Fischer geleitete Außenministerium auch dann noch über Kurnaz' Aufenthaltsort im Unklaren gelassen, als er in Guantánamo längst von BND-Beamten befragt worden war. Dies wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf die Zusammenarbeit in der Ex-Regierung, sondern auch auf den Umgang mit den Verwandten von Kurnaz. Dessen Mutter hatte das Auswärtige Amt nämlich schon im Februar 2002 um Auskunft gebeten, doch erst 2004 konnte dieses ihr bestätigen, dass ihr Sohn in Guantánamo war. Vorher hatte man selbst keine Informationen darüber.
Hat das Auswärtige Amt sich stärker für Kurnaz eingesetzt als Innenministerium und Kanzleramt?
Das stimmt nur zum Teil. Anfangs wurden in der Tat zahlreiche Bemühungen und Anfragen gestartet. Als im Oktober 2005 allerdings erneut beschlossen wurde, Kurnaz' Wiedereinreise zu verhindern, war das Auswärtige Amt informiert und stimmte zu.
Zum Thema
Der Fall Kurnaz
-
Berichte, Hintergründe und Kommentare »
Aktuelle Nachrichten aus Deutschland »
Innenpolitik:
Analysen und Hintergründe »
- Datum 20.02.2007 - 07:28 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 24
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Die juristischen Aspekte des Fall Kurnaz interessieren mich nicht. Dafür gibt es 'Opferanwälte', die mit ihrem Klienten ne Menge Kohle machen werden. Ich habe auch keine Ahnung, wieso Kurnaz in Pakistan war. Vielleicht zum Sonnenbaden, oder zum Windsurfen oder zum Besuch einer pakistanischen Wellness-Oase?
Ich habe auch nicht die leiseste Ahnung, wie Sie den Terrorismus bekämpfen wollen. Terroristen gehen über Leichen und wir nach Vorschrift ?
Guantanamo ist ein rechtsfreier Raum, da haben Sie Recht. Aber das sind nur ein paar Quadratmeter. Der rechtsfreie islamische Raum ist etwas größer.
deutsche Regierung endlich mal daran erinnert dass sie gewaehlt wurde um das Land und die Buerger zu schuetzen anstatt sich pausenlos als 'Retter der Welt' zu verzetteln.
Es gibt in Deutschland so Einiges dass sofortige Aufmerksamkeit erfordert aber offenbar ist es leichter sich in dieser Sache zu echauffieren anstatt die wirklichen Probleme im Land anzugehen.Das gilt auch fuer die Presse!Aber dort wird ja fuer dicke Schlagzeilen gebetet hat es den Anschein.
mitgekommen dass ein tuerkischer Staatsbuerger aus Guantanamo wieder in D.angekommen ist .Sie hat sich waehrend seiner Inhaftierung nicht um ihn gekuemmert. Aber nun,wenn ich einem Bericht im 'Spiegel' glauben kann hat sich die tuerkische Regierung mit ihm in Verbindung gesetzt und ihm mitgeteilt dass er nun seinen Wehrdienst leisten muss. Wahrscheinlich denken die dass er ja eh lernen wollte wie man in den Krieg zieht und will ihm nun die noetige Ausbildung geben.
dass nur wenige im Land mitbekommen, wie der linke Mob hier wütet.
Ekelhaft, dieses gutmenscheln im rechts- und ökonomiefreien Raum.
Widerlich, wie hier auf jeden Andersdenkenden mit der Nazikeule geschlagen wird.
Eine üble Verhöhnung der Opfer der NS-Barbarei, wenn der Massenmord gleichgesetzt wird mit dem geringen Engagement der deutschen Regierung, einen in Pakistan festgenommenen, in den USA festgehaltenen, Türken zu befreien.
Für alle linken Fanatiker:
Deutschland ist nicht das Sozialamt für die ganze Welt!
Deutschland ist kein Weltgericht!
Deutschland ist kein Weltpolizist!
@peterLange: Sie wussten also, warum Herr Kurnaz sich in Pakistan aufhielt? Ich stelle diese Frage, weil sie ihn als Trottel bezeichnen... Herr Kurnaz ist unschuldig festgehalten worden. Diese Sachlage ist heute eindeutig. Sich ueber die Person lustig zu machen ist absolut unsachlich.
Weswegen er auch immer dort hingereist ist, erst ein dringender Tatverdacht oder eindeutige Indizien hätten dazu führen können, dass Herr Kurnaz festgenommen und festgehalten werden darf.
Wenn wir beginnen, auf reinen Verdacht Menschen festzuhalten, ist keiner mehr sicher vor der Willkür anderer.
Da kann man wirklich nur hoffen, dass man immer Gesellschaftskonform erscheint und nicht verdächtig für irgendjemanden wird.
Aber selbst wenn im Fall Kurnaz ein dringender Tatverdacht bestanden haette, wäre ein Angebot von Seiten der Amerikaner genau zu prüfen gewesen.Die Hintergruende waren doch damals schon klar: Guatanamo ist ein rechtsfreier Raum incl. Folterung! Hat ein Gefangener (eagl ob schuldig! oder unschuldig!) nicht auch ein Recht auf Schutz vor der Willkür anderer, einem Schutz vor Folter und Gefangennahme ohne gesetzliche Grundlage? Nicht, weil ich Verbrecher mag, sondern weil ein Gesetz für alle eine wichtige Sicherheitsgrundlage darstellt. Auch für Verbrecher. Denn Verbrecher sind nicht immer Verbrecher. Das zeigt doch gerade der Fall Kurnaz. Er wurde als Verbrecher deklariert, verschleppt, gefangen gehalten und gefoltert. Am Ende ist er aber unschuldig. Hätten sich die Verantwortlichen auf ihr rechtsemfpinden besonnen, wären ihm einige Jahre der seelischen Qualen erspart geblieben.
Deswegen ist ein Recht und der Einsatz für dieses Recht für alle Menschen wichtig und falsch die These aufzustellen, Recht gelte am besten nur für einige, für die 'Guten'. Ein Gesetz wie 'Terroristen haben kein Anspruch auf Recht' öffnet Mißbrauch Tür und Tor: Unschuldige verschwinden in rechtsfreien Zonen.
Für die Angsthasen:
Diejenigen, die meinen, den deutschen Bürger vor Terroristen zu schützen, indem Kurnaz nicht nach Deutschland geholt würde:
Was macht einen einzelnen Gefangenen (einen sterblichen Menschen) so gefaehrlich, dass eine Übernahme Kurnaz aus Sicherheitsgruenden nicht möglich gewesen wäre?
Glaubt Ihr denn, die Amerikaner hätten Ihn alleine in einen Flieger nach Deutschland gesetzt, mit einem Sprengstoffguertel im Gepäck? Wovor habt ihr Angst? Vor welcher konkreten Tat Kurnaz hätte Deutschland Angst haben müssen? Das er sich aus seinen Handschellen befreit, während mehrere Sicherheitsbeamte ihn begleiten?
Kommt runter von eurer amerikanischen Angst vor allem und jeden.
Er wäre nicht der erste hochkarätige Gefangene gewesen, der verfrachtet worden wäre.
Und wenn Deutschland, vertreten durch seine Politiker, sich am Ende für Menschenrechte und den Anspruch auf Grundrechte stark gemacht haette, könnten wir heute zufrieden und überzeugt sein von Politik und Menschenrechten.
Wäre Herr Kurnaz dennoch als schuldig verurteilt worden, haette man auch zufrieden sein können. Denn man hat schliesslich einen Menschen aus einem Rechtslosen Raum befreit und in einem anständigen Gericht verurteilt.
Aus Angst und Rückratlosigkeit wurde im Leben dieses Mannes sicher einiges zerstört.
deutschland ist kein rechtsstaat mehr. und zwar aus dem einfachen grund, dass der staat keine macht mehr hat - zumindest global gesehen nicht. innenpolitische mechanismen greifen zwar noch - man kann einreiseverbote verhängen, abschieben, abstimmen - die bürokratie funktioniert. aber nach aussen hin: impotenz. wie kann ein staat in einer solchen ambivalenten situation rechtstaatlichkeit garantieren? deutschland hat keinen stand, keine haltung und keine macht. ebenso wie die meisten 'nationstates' in europa. Wer glaubt heutzutage noch an nationalpolitik? und wer ist so naiv zu glauben, dass debatten, wie sie im moment die medien füllen, zu etwas führen werden. solange nichts an den mechanismen geändert wird, die zu dieser art verhaftungen und gefangenschaften führen, werden immer wieder verdächtige verhaftet und gefoltert. warum spricht eigentlich kaum noch einer über die Kurnaz's die im moment in guantanamo, bagram oder sonstwo deterritorialisiert sitzen??
Für mich ist der entscheidende Satz:
'Ja, im Februar 2003 waren die Amerikaner nicht mehr bereit, Kurnaz freizulassen. Sie hielten Kurnaz nun wieder für gefährlich. Grund ist möglicherweise, dass sie dessen Bremer Freund Selcuk B. mit einem Selbstmordattentäter verwechselten.'.
Also waren die Amerikaner doch nicht so sehr von Kunaz Ungefaerhrlichkeit ueberzeugt. Und der Grund dafuer ist vage. Die Bundesregierung hat m. E. nach also richtig gehandelt und die Ueberstellung von Kurnaz nicht aktiv betrieben. Zu dieser Zeit war es oberste Prioritaet, die Menschen in Deutschland vor potentiellen Attentaetern zu schuetzen, auch wenn es die Rechte eines einzelnen fuer begrenzte Zeit und in vertretbaren Rahmen ausser Kraft setzt,
Das Argument der Rechtsstaatlichkeit zieht hier m. E. nach nicht, da auch die Attentaeter von 9/11 (>3000 Tote) und die London Attentaeter (>50 Tote) sich um die Rechte anderer nicht scherten. Auch diese Personen waren teils in Pakistan ausgebildet worden oder hatten Kontakte dorthin. Der Rechtsstaat muss Rechtsstaat bleiben, aber er darf sich nicht zum Narren machen lassen.
Dieser Artikel zeigt deutlich, dass der Fall Kurnaz im Jahr 2002
Abwaegungssache in einer schwierigen Situation war.
...dass DU nicht eines schlimmen Tages auch 'mal 'verwechselt' wirst mit einer Person, die Dir vielleicht aehnlich sieht, oder die Du vor 23 Jahren vielleicht 'mal mittwochs bei der Gymnastik regelmaessig getroffen hast, die nun vielleicht illegale Sachen treibt und die mit DIR verbunden wird. Einfach deshalb, weil Du ihr aehnlich siehst oder sie damals jede Woche getroffen hast.
Wie wuerde Dir das denn gefallen?
Was man so in diesen Tagen in den Kommentaren diverser deutscher online Zeitungen lesen kann, ist wirklich beaengstigend.
Habt ihr wirklich schon vergessen, wie die die Lager gefuellt haben?? Es wurden den Pakistanis sehr (SEHR) hohe Kopfpraemien auf saemtliche Einlieferungen gezahlt. Da haben die alles ausgeliefert, was nicht mit irgendwem vorort verwandt war. Taxifahrer, Schwager, sogar 12-jaehrige, und natuerlich alle Auslaender. Sogar Chinesen sitzen da ein, und man kann davon ausgehen, dass die wohl nix mit Al Qaida etc am Hut haben. Eben zur falschen Zeit am falschen Ort.
Ich moechte Dich mal sehen, kiki, wenn Du dann draussen bei 50 Grad in der Sonne brodelst, oder an Ketten aufgehaengt bist, wie du dann denkst ueber Menschenrechte und Deutschlands Rechtstaatlichkeit.
JEDEM, jawohl, JEDEM, der nun diese Reden hier schwingt, wuensche ich von ganzem Herzen, dass er mal einsitzt in einem von unterbelichteten Amis gefuehrten Lager. Wisst Ihr nicht, dass es immer wieder Tote da gibt?
Die halten uebrigens jeden fuer gefaehrlich, der nicht an Jesus als Erloeser glaubt. Im Ernst, ich wohne hier und weiss es leider aus eigener Erfahrung. Amerikaner halten Jesus fuer Gott (echt jetzt!), und wer diese Ansicht nicht teilt, ist schon 'mal automatisch verdaechtig. So ist das hier leider. Also tut mal nicht so, als koenne man diese Einschaetzungen europaeisch nachvollziehen.
Von wegen 'die Amis hielten ihn fuer gefaehrlich'. Die halten doch alle fuer gefaehrlich, und Ihr muesstet mal hoeren, was die so ueber Franzosen und Deutsche dauernd im TV sagen. Sehr haesslich!
Also kiki, mit Deiner Einstellung wirst du zur Mitlaeuferin. Erinnert mich leider fatal an meine Oma, die es auch voellig gerechtfertigt fand, dass 'die faulen Juden 'mal das Arbeiten lernten und ins Lager kamen' (Zitat ca. 1985).
Deine Begruendung, warum der Bremer Tuerke sehr wohl im Lager bleibe musste, klingt genauso. Meine Oma wuerde das garantiert auch so sagen, wenn sie denn noch lebte.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren