Lebenslagen Die Macht der Alten

Der demografische Wandel kann den deutschen Staatshaushalt in Zukunft gehörig belasten. Besitzer von Staatsanleihen merken das schon jetzt. Welche Alternativen gibt es?

Haben Sie in der vergangenen Woche auch den Dreiteiler Aufstand der Alten im ZDF gesehen? Rentner überfallen Apotheken, um an einfachste, aber für sie unerschwingliche Medikamente zu kommen, pflegebedürftige Menschen leben in Heimen unter unwürdigen Umständen und kaum jemand kann von seinem Einkommen leben. Ein wirklich düsterer Entwurf unserer Zukunft – sicher extrem überzeichnet, aber wer wachrütteln will, muss wahrscheinlich übertreiben, um seine Botschaft rüberzubringen: Wenn alles so weiterläuft wie bisher, dann stehen der Gesellschaft in rund zwanzig Jahren soziale Spannungen ins Haus, deren Ausmaß und Dynamik wir uns heute kaum vorstellen können. Das Wort "Umverteilungskämpfe" könnte dann einen vollkommen neuen Klang bekommen.

Ein solcher Film muss sich zwangsläufig auf einzelne Aspekte konzentrieren, sonst reißt schnell der rote Erzählfaden. Insofern haben die Macher gut daran getan, vor allem die persönliche wirtschaftliche Situation der Rentner und den Zustand der Sozialsysteme zu thematisieren. Andere Aspekte wurden dagegen nur am Rande erwähnt, das Thema Geldanlage zum Beispiel.

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Ein gewisses Dilemma lässt sich da nicht leugnen: Wer verhindern möchte, im Alter in die im Film beschriebene Armut zu rutschen, muss privat vorsorgen. Andererseits wird sich der demografische Wandel auch an den Kapitalmärkten niederschlagen. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu, bereits seit Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler und Bankexperten damit, welche Folgen die steigende Zahl alter Menschen für die Börsen haben könnte. Die Gemengelage ist alles andere als eindeutig, Prognosen sind schwierig. Mein Tipp: Es kann für Anleger ganz hilfreich sein, auch die Frage nach der Zukunft der Finanzmärkte ganz radikal zu bedenken. Zumindest fördert es die eine oder andere überraschende Erkenntnis zutage.

Eine ist beispielsweise, dass Staatsanleihen im Allgemeinen und Bundeswertpapiere wie Bundesanleihen und Bundesschatzbriefe im Besonderen in zwanzig oder dreißig Jahren lange nicht mehr so sicher sein können wie heute. Denn wenn in Deutschland immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen, hat das nicht nur Folgen für die Rentenversicherung. Auch die Steuereinnahmen werden dann immer spärlicher fließen. Zudem ist der Spielraum für Steuererhöhungen gering, denn mit Sicherheit werden alleine die deutlich steigenden Sozialbeiträge die Abgabenquote der Arbeitnehmer in den kommenden Jahrzehnten von derzeit 40 Prozent auf die 50-Prozent-Marke zutreiben.

So ganz nach Belieben kann der Finanzminister den Bürgern auch nicht in die Tasche greifen, will er nicht die Schattenwirtschaft oder die Flucht ins Ausland fördern. Genau aus dem gleichen Grund verbietet es sich auch, die Unternehmen stärker zu belasten, denn viele Nachbarländer locken jetzt schon mit günstigeren Körperschaft- und Einkommensteuersätzen. Auch die Abgaben auf Kapital und Vermögen dürften auf Jahre hinweg begrenzt sein, denn hier ist die deutsche Steuerpolitik an europäische Standards gebunden. Und schließlich kann man kaum die Rentner selbst stärker als heute zur Kasse bitten. Denn wenn man davon ausgeht, dass in Zukunft der größte Teil der älteren Generation mit einer Grundrente und unter Umständen einer kleinen privaten Zusatzrente auskommen muss, wird hier nicht viel zu holen sein.

Damit stellt sich die Frage, wie der dann amtierende Finanzminister der seit Jahrzehnten steigenden Schuldenlast Deutschlands Herr wird. Denn schon jetzt muss er annähernd jeden dritten Euro für Zins- und Tilgungszahlungen abzweigen und hat hier erst recht keine Chance, den Rotstift anzusetzen. Seinen Schuldenverpflichtungen gegenüber Banken, Investoren und Bürgern muss Deutschland schließlich nachkommen, will es nicht seine Glaubwürdigkeit und die Reputation an den Kapitalmärkten aufs Spiel setzen.

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