NachrufDer Prinzessinnenmacher

Der tschechische Film- und Schlagerkomponist Karel Svoboda, der Schöpfer von »Biene Maja« und »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«, ist tot. von Susanne Hegenscheidt

Nach Waldemar Bonsels „Die Biene Maja“

Nach Waldemar Bonsels „Die Biene Maja“  |  © 2007 Junior.TV GmbH & Co. KG, Lizenz durch EM.Entertainment GmbH

Karel Svoboda glauben die meisten Menschen nicht zu kennen. Seine Musik kennt jedoch jeder. Seit den siebziger und achtziger Jahren konnten und können fast alle Kinder die Melodien von Wickie und die starken Männer , Die Biene Maja , Pinocchio oder Nils Holgersson mitsummen. Anderen ist Svobodas Musik durch seinen Namensvetter und guten Freund Karel Gott geläufig, für den er unzählige Schlagerhits schrieb, beispielsweise Lady Carneval . Gott sang auch das Biene-Maja-Lied.

Svoboda komponierte auch die Filmmusik zu einem der beliebtesten Märchenfilme aller Zeiten: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel . Die tschechisch-ostdeutsche Verfilmung des bekannten Grimm'schen Märchens Aschenputtel wird seit über 30 Jahren jedes Jahr zu Weihnachten von vielen Fernsehstationen in ganz Europa ausgestrahlt. In Westdeutschland wurde der Film am 26. Dezember 1975 zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt. Er variiert das Motiv, indem er dem tschechischen Aschenbrödel drei Haselnüsse als Wunschinstrumente in die Hand gibt.

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Die drei Nüsse sind jedoch nicht die einzige Änderung an der berühmten Märchenvorlage. Aschenbrödel ist moderner, selbstbewusster und emanzipierter als Aschenputtel. Die zur Magd degradierte Tochter eines Rittergutsbesitzers kann reiten wie der Teufel, schießen wie der beste Jäger, klettern wie ein Eichhörnchen und wagt es, den begehrten Prinzen herauszufordern. Sie macht, was sie will, und fürchtet weder Bestrafung durch die Stiefmutter noch den Wettstreit mit dem Prinzengefolge. Als der Prinz ihr beim Tanz auf dem Ball mitteilt, er habe sich soeben eine Braut ausgesucht und wolle dies der ganzen Welt verkünden, macht Aschenbrödel ihn darauf aufmerksam, er habe eines dabei vergessen, nämlich die Braut zu fragen, ob sie auch möchte.

Seit der Erstausstrahlung Mitte der siebziger sitzen Jahr um Jahr zur Weihnachtszeit Mütter und Töchter gemeinsam vor den Fernsehgeräten, ignorieren Telefon und SMS, zischen jeden Mann, der es wagt zu stören, ein »Jetzt nicht!« zu und verfolgen mit runden Augen die Schmähungen der Stiefmutter, die wilden Verfolgungsjagden, den Tanz auf dem Ball und den gemeinsamen Ritt der frischgebackenen Brautleute über den unberührten Schnee tschechischer Felder. So wie Aschenbrödel wollen sie auch sein, so mutig, flink, frech, selbstbestimmt und anmutig. Und am Ende natürlich Prinzessin werden!

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