Vor wenigen Tagen hat der französische Atomkonzern Areva , der schon zuvor mit knapp 30 Prozent am Hamburger Windkraftwerksbauer Repower beteiligt war, den Aktionären ein Angebot für die Komplettübernahme gemacht. Die so Umworbenen freut's: Die Repower-Aktie , die vor einem Jahr noch bei gut 40 Euro notierte, stieg dank des Übernahmeangebotes zeitweise auf mehr als 110 Euro - und das, obwohl die Areva -Offerte nur bei 105 Euro pro Aktie liegt. Auch am Freitag wurde das Papier noch zu einem Kurs von rund 110 Euro gehandelt.

Die Aktionäre wetten also darauf, dass die Franzosen ihr Angebot aufstocken, um möglichst schnell die Kontrolle über den Windenergie-Spezialisten zu erlangen. Ob sie gewinnen? Für andere Anleger stellt sich die Frage, ob der Einstieg bei Repower in der Hoffnung auf einen kräftigen Nachschlag jetzt noch sinnvoll sein könnte.

Das kann durchaus funktionieren. Bei der Übernahme von Schering im Frühjahr vergangenen Jahres zum Beispiel hat sich der Einstieg gelohnt. In den ersten beiden Monaten des vergangenen Jahres notierte die Aktie des Pharmakonzerns noch zwischen 55 und 60 Euro - bis am 11. März die erste Übernahmeofferte von Merck kam. Merck wollte 77 Euro pro Aktie für Schering zahlen. Zwei Wochen später konterte Bayer und bot 86 Euro pro Aktie, später sogar 89 Euro. Bayer kaufte nach und nach so viele Schering-Aktien auf, dass ihm im Herbst mehr als 95 Prozent des Unternehmens gehörten.

Ist diese Quote erreicht, kann der Käufer das von ihm nun schon fast erworbene Unternehmen von der Börse nehmen und die verbleibenden Aktionäre mit einer festen Abfindung hinausdrängen. "Squeeze-Out" wird das im Börsenjargon genannt. Hierfür gibt es zumeist nochmals einen ordentlichen Aufschlag: Im Fall der Schering-Übernahme wurden 98,98 Euro pro Aktie geboten. Wenn die Minderheitsaktionäre den Preis für zu niedrig halten, können sie versuchen, über ein Spruchverfahren eine noch höhere Abfindung zu erzwingen, was allerdings mit ungewissem Ausgang verbunden ist. Dies ist bei Schering die letzte Spekulation, die in den vergangenen Wochen den Kurs konstant über 100 Euro gehalten hat.

Von 86 bis 100 Euro - ein solcher Nachschlag ist allerdings nicht vorprogrammiert. Bei der Übernahme der Dresdner Bank durch den Versicherungskonzern Allianz fuhren jene Aktionäre besser, die gleich die erste Offerte angenommen hatten. Im Vergleich zum ersten Angebot lag die Squeeze-Out-Abfindung hier um drei Prozent niedriger. Hauptgründe waren der zwischen erster Offerte und Squeeze-Out stark gefallene Gesamtmarkt sowie die breite Akzeptanz des ersten Angebots, die eine Aufstockung überflüssig machte.

Entscheidend für das Gelingen von Übernahmespekulationen ist, wie viel Macht sich der neue Eigentümer sichern will. Schon wenn er lediglich einen Anteil von 75 Prozent plus einer Aktie besitzt, können die Minderheitsaktionäre praktisch keine seiner Entscheidungen mehr verhindern. Mit der Dreiviertel-Mehrheit können auch Änderungen von großer Tragweite auf der Hauptversammlung durchgeboxt werden.