Fall Kurnaz Angebot oder nicht?

Nach SPD-Angaben gab es, entgegen anders lautenden Presseberichten, kein Angebot der USA, den in Guantánamo inhaftierten Murat Kurnaz freizulassen

"Es gab überhaupt kein Angebot der Amerikaner", sagte der SPD-Obmann im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags, Thomas Oppermann, am Donnerstag in der ARD. Es habe lediglich eine "Diskussion in Geheimdienstkreisen" zwischen Mitarbeitern von CIA und Bundesnachrichtendienst (BND) gegeben, ob Kurnaz in Deutschland als Spitzel einsetzt werden könne. "Dahinter stand natürlich kein Angebot des für Guantanamo allein zuständigen Militärs", das sich gegen seine Freilassung ausgesprochen habe. Das umstrittene US-Gefangenenlager auf Kuba wird vom amerikanischen Verteidigungsministerium geführt.

Die Berliner Zeitung hatte zuvor berichtet, der BND habe die USA Ende September 2002 um eine Freilassung von Kurnaz gebeten. Das Blatt berief sich dabei auf angeblich bislang unbekannte Schreiben des Geheimdienstes. Die Briefe von 2002 seien unter anderem an das damals vom jetzigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier geleitete Bundeskanzleramt gerichtet gewesen.

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Auch nach Oppermanns Einschätzung war der damalige Kanzleramtschef Steinmeier von der Geheimdienstdiskussion informiert. "Dieser Diskussionsstand hat die Präsidentenrunde erreicht", sagte er mit Blick auf die von Steinmeier geleiteten regelmäßigen Besprechungen der Präsidenten der deutschen Nachrichtendienste. "Ich gehe davon aus, dass Steinmeier an dieser Präsidentenrunde teilgenommen hat, aber wer da welche Vorschläge gemacht hat, wie der Abstimmungsprozess in dieser Runde gelaufen ist, das kann ich nicht sagen."

Oppermann bezog sich offenbar auf ein Treffen im Kanzleramt im Herbst 2002. Mit Blick auf die Überlegungen von CIA und Bundesnachrichtendienst (BND) über einen Einsatz von Kurnaz' als Spitzel in der Islamistenszene sagte er: "Die deutschen Sicherheitsdienste haben entschieden, dass das kein gangbarer Weg ist." Oppermann bekräftigte, dass es Indizien gab, wonach Kurnaz vor seiner Festnahme Ende 2001 in Pakistan nach Afghanistan reisen wollte, und auch sein Kontakt mit einem islamischen Hassprediger den Verdacht der Sicherheitsbehörden geweckt habe.
"(Sie) waren in Sorge, ... ob seine Rückkehr nach Deutschland nicht auch ein Sicherheitsrisiko wäre."

In einem vertraulichen Bericht der Bundesregierung vom Februar 2006 ist allerdings von einer "Nachfrage der USA" die Rede, ob Kurnaz nach Deutschland oder in die Türkei abgeschoben werden solle. BND, Kanzleramt und Bundesinnenministerium hätten sich für eine Abschiebung in die Türkei und eine Einreisesperre für Deutschland ausgesprochen. Der rot-grünen Bundesregierung und vor allem Steinmeier wird vorgeworfen, sie hätten Kurnaz' Rückkehr bis Ende 2005 aktiv blockiert.

Kurnaz war im November 2001 in Pakistan festgenommen und US-Soldaten in Afghanistan übergeben worden. Von dort aus wurde er im Februar 2002 nach Guantánamo gebracht, wo er bis August 2006 ohne Prozess einsaß und gefoltert wurde.

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Leser-Kommentare
    • Viva2
    • 26.01.2007 um 8:22 Uhr

    ein 'aus Bremen stammender Deutsch-Türke'?

    Die deutschen Medien schrecken in ihrem Betroffenheitswahn aber auch vor keinem Unsinn zurück......

  1. Was um Himmels Willen geht denn dieser Türke die deutsche Regierung an, und warum wollte er unbedingt nach Deutschland und nicht in die Türkei(Sozialhilfe))? Und was wollte er eigentlich in Afghanistan?
    Soll sich doch die Türkei um ihn kümmern!
    Würden sich die Türken um einen Deutschen in ähnlicher Lage kümmern??
    Wir haben wahrlich ganz andere Probleme als diesen Vollbart!

  2. am 24.08.2006: „Nach mehr als viereinhalb Jahren im US- Gefangenenlager Guantánamo ist für den aus Bremen stammenden Deutsch-Türken Murat Kurnaz die Haft zu Ende. Kurnaz traf am Donnerstagabend auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz ein, wie sein Anwalt mitteilte. …
    Der als 'Bremer Taliban' bekannt gewordene Kurnaz war 2001 in Pakistan festgenommen worden und wurde später im US-Lager Guantánamo auf Kuba interniert. Deutschland und die Türkei bemühten sich schon seit langem um seine Freilassung. DIE US-BEHÖRDEN HATTEN DAGEGEN BIS VOR KURZEM ARGUMENTIERT, KURNAZ SEI EIN GEFÄHRLICHER EXTREMIST.“
    Wieso sagen die amerik. Behörden einmal, Kurnaz sei unschuldig und machen den Deutschen Einreiseangebote und dann wieder er sei ein „gefährlicher Extremist“?? Mir scheint, dass es viel zu viele Verwirrdokumente gibt und hier lediglich Desinfos gestreut werden sollen, aus welchen Gründen auch immer. Aber mit Wahrheit haben all diese in Medien diskutierten Dokumente nichts zu tun, wie mir scheint. Einzig und alleine soll die linke und grüne Politik in EU und besonders in D. diffamiert werden, damit Bush und Consortsen immer mehr Zerstörung im Namen ihres Gottes und der bushianistischen Freiheitsdoktrin über den Erdball bringen können. Echte Rechtsstaatler und Demokraten sollten diesem Bush-Wahn endlich mal Paroli bieten und echte Dokumente verlangen, die Tatsachen belegen und irgendwelche Fantasien, die letztlich gar nichts mit Kurnaz oder anderen gefolterten und unschuldig von CIA und Bush-Militärs eingesperrten Menschen zu tun haben. Außerdem soll Rumsfeld der Dt. Bundesreg. die Bedingung gestellt haben (was dann als „Angebot“ in die angeblichen amtlichen Dokumente einging), Kurnaz dann frei zu lassen, wenn der CIA ihn in Deutschland als Agenten einsetzen und selbst kontrollieren dürfe. Aus Verantwortung der rechtsstaatlichen Demokratie Deutschlands heraus, wurde dieses von der Rot-Grünen Reg. abgelehnt!
    Klarer Verstand und klare Differenzierung zwischen Desinformationspolitik der Bush-Admin. und Fakten, die konkret belegt sind, müssen hier mal Ordnung schaffen. Ein Instrument im Rechtsstaat ist der Untersuchungsausschuss: also abwarten und weiter Dokumente sammeln, aber Vorsicht mit Vorverurteilungen und Antiamerikanismuskeulen oder so seitens der amerikanischen Desinformationsstrategen, die auch Scheinleserbriefe und anderes publizieren!!!!

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  • Quelle ZEIT online, dpa, reuters, 25.01.2007 - 9:00 Uhr
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