Bratwurst und Bier - die Ernährungsgewohnheiten der Fußballfans der vergangenen Jahrzehnte ließen sich lange sehr einfach beschreiben. Wer heute auf die Speisekarte moderner Fußball-Arenen schaut, wird hingegen feststellen, dass inzwischen Speisen und Getränke angeboten werden, die der herkömmliche Fußballfan früher nicht einmal auszusprechen gewagt hätte.

Kaum etwas beschreibt den Wandel der Fußball-Kultur besser. Oder sollte man statt von „Fußball-Kultur“ lieber vom „Fußball-Markt“ sprechen? Man sollte, denn im professionellen Fußball geht es immer mehr um den wirtschaftlichen Erfolg. Den von Spielern, Spielerberatern, Funktionären, Sponsoren, Vermarktern, Vereinen und Verbänden. Der Fußball ist oft nur noch Mittel zum Zweck. Und der Zweck heißt „Geld verdienen“.

Der Markt regelt, was früher nur ein Spiel war. Kapitalistische Strukturen sind unübersehbar. Vokabeln wie „Asset Backed Securities“, „Hospitality“ oder „Revenue Sharing“ gehören heute zum notwendigen Rüstzeug eines Fußballfans, der noch die Ambition hat, Fernseh-Talkshows und Zeitungsberichte zu verstehen oder sogar über Fußball mitdiskutieren will.

Diese Entwicklungen im modernen Fußball haben die Szene verändert. Noch in den späten achtziger Jahren waren die Stadionbesucher richtige Fans; oder sie hatten wenigstens selbst einmal aktiv Fußball gespielt. Der gemeinsame Nenner waren das Interesse am Fußball als Sport. Es waren auch die Achtziger, als man sich in bestimmten Kreisen noch dafür entschuldigen musste, sich für Fußball zu interessieren. Das Spiel mit dem Ball galt als Sport für schlichte Gemüter. Den gelegentlichen Stadionbesuch behielt man am besten auch gleich für sich.

Genau diese Kreise, die sich vor zwanzig Jahren noch despektierlich über die Stadiongänger äußerten, sind es nun, die sich heute oft geradezu darum reißen, beim Fußball live dabei zu sein. Genauer: Sie wollen den Event miterleben. Fußball ist in, Fußball ist chic - und ganz nebenbei ist der Profi-Fußball für die meisten Beteiligten ein hochprofitables Geschäft.

Das Fernsehen hat daran einen großen Anteil. Zahlten die öffentlich-rechtlichen Sender in der Saison 1985/86 noch magere sechs Millionen Euro für die Bundesliga-Fernsehrechte, explodierten die Fernsehgelder mit Einführung des Privatfernsehens: 1988/89 bezahlte das Fernsehen schon mehr als zwanzig, 1991/92 mehr als vierzig Millionen Euro. Heute kassieren die Vereine der ersten und zweiten Liga 400 Millionen Euro pro Spielzeit. Als Gegenleistung spielen die Profis nicht nur Fußball, die Liga sorgt auch für eine entsprechende Show.

Die Einnahmen stiegen und die Vereine fingen an, professioneller zu wirtschaften. Heute werden Fußballvereine wie Wirtschaftsunternehmen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt. Die viel zitierte Vereinsmeierei findet sich im Profi-Fußball nur noch sehr selten.

Wie überall, wo Markt und Kapitalismus als Prinzip eingeführt wurden, kam es auch im Fußball-Markt zu einem gewaltigen Wachstumsschub in Form steigender Umsätze. Gemessen am Umsatz sind Fußballvereine mittelständische Unternehmen und firmieren konsequenterweise meist nicht mehr in der Rechtsform des Vereins, sondern als Kapitalgesellschaften. Borussia Dortmund hat als Kommanditgesellschaft auf Aktien sogar den Börsengang gewagt und unterliegt nun den üblichen Spielregeln des Kapitalmarktes. Spätestens mit diesem Börsengang ist der Kapitalismus in der Fußball-Bundesliga angekommen.