Elektromagnetische Strahlung ist unheimlich. Man sieht, riecht und spürt sie nicht, und trotzdem entfaltet sie ganz erstaunliche Wirkungen: Radiowellen übertragen Töne, Lichtwellen ermöglichen uns zu sehen, Mikrowellen wärmen fix das Essen auf – und die gleichen Mikrowellen mit Frequenzen von rund ein bis zwei Gigahertz ermöglichen uns die völlig ungebundene Kommunikation per Handy. Da liegt die Frage auf dem Ohr: Was die Strahlung mit einem Häufchen Kartoffelbrei anstellt, kann das nicht auch unserem Hirn schaden? Löst der permanente Wellenschwall gar Krebs aus? Handys strahlen - machen sie dadurch krank?© getty images/ M: ZEIT online

Ja, das tut er. So lautet jedenfalls die Antwort in einem Bericht, den die Süddeutsche am Mittwoch auf ihrer Titelseite publiziert hat. Wissenschaftler aus Skandinavien hätten gezeigt, dass das Risiko, an einem oft sehr aggressiven Hirntumor, einem so genannten Gliom, zu erkranken, nach zehn Jahren Dauermobiltelefonie klar erhöht sei. Das Datenwerk liefere erstmals Hinweise von statistischer Verlässlichkeit, unter Experten Signifikanz genannt, heißt es in der SZ .

Die zitierte Studie wurde am 17. Januar im International Journal of Cancer veröffentlicht, es ist eine sorgfältige, wenn auch nicht unantastbare Analyse von epidemiologischen Daten aus fünf Ländern. Sie blickt bis zu zehn Jahre in die Telefonbilanz von mehreren Tausend Handybesitzern zurück, von denen rund 1500 an einem von drei bösartigen Hirntumoren erkrankten. Die Finnin Anna Lakohla und ihre dänischen, schwedischen und norwegischen Kollegen untersuchten, wie Kranke und Gesunde sich in Dauer, Häufigkeit und Regelmäßigkeit ihrer Handynutzung unterschieden.

Es ist nun nicht der erste angebliche Beweis dafür, dass Handys uns das Leben nicht nur erleichtern, sondern es gleichzeitig auch verkürzen. Die Strahlung von Geräten und Sendemasten firmiert seit Jahren unter dem Titel Elektrosmog und wird immer wieder im Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs diskutiert. Was fehlte, waren die Beweise. Zwar haben Forscher oft Indizien für ein erhöhtes Krebsrisiko vorgelegt, mindestens genauso häufig konnten andere Wissenschaftler aber Hinweise dafür liefern, dass Telefonieren so schädlich ist wie Sackhüpfen.

An dieser Pattsituation ändert auch die neue Studie von Anna Lakohla nichts. Denn das angeblich erhöhte Risiko für Krebs durch Mobiltelefone findet man in ihrer Originalarbeit nur mit großer Mühe. Es versteckt sich zwischen mehr als einem Dutzend Indizien, die klar gegen eine Verbindung von Handys und Hirngeschwüren sprechen. "Unsere Resultate geben insgesamt keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Gliome", schreiben die Autoren der Studie deshalb auch in ihrer Zusammenfassung. Von diesem Resümee weicht nur ein einziger Wert ab: Langzeittelefonierer, die ihr Telefon vorwiegend auf einer bestimmten Seite des Kopfes benutzten, hatten ein - gering, aber nachweisbar - erhöhtes Risiko, auf eben dieser Seite auch einen Tumor zu entwickeln.

Einen Reim auf diesen Ausreißer konnten sich die Forscher indes nicht machen, zumal Langzeittelefonierer, die ihr Handy auf beiden Kopfseiten benutzen, klar keiner besonderen Krebsgefahr ausgesetzt waren. Am Ende ihrer Veröffentlichung stellen die Wissenschaftler denn auch fest, der rätselhafte Wert könne gleichermaßen "auf einen Zufall, auf einen begründeten Effekt oder einen systematischen Fehler der Informationen" zurückzuführen sein.