Praxistest Schön, nervig, Vista

Am Dienstag kommt "Vista" in den deutschen Handel - die erste neue Windows-Version seit mehr als fünf Jahren. Was bringt das gepriesene Betriebssystem dem Nutzer?

Der erste Eindruck zählt? Derlei scheinen die Entwickler von Microsoft zumindest im Sinn gehabt zu haben, als sie das neue Betriebssystem Windows Vista austüftelten: Wer die Installations-DVD von Vista ins Laufwerk schiebt, gewinnt schnell den Eindruck, ein wahrhaft ausgereiftes Produkt vor sich zu haben. Das neue Betriebssystem installiert sich fast von selbst, allein die Seriennummer, den Installationsort und einen Name samt Passwort muss der Nutzer eingeben. Den Rest erledigt der PC, nach einer knappen Stunde ist der erste Login möglich.

Los geht's: Der Desktop ist fast leer. Die linke obere Ecke ist mit dem Papierkorb-Symbol geschmückt, rechts oben sieht man eine formschöne Uhr, der Start-Knopf in der Taskleiste ist klein und rund. Nach einem Moment Bedenkzeit lädt der Computer das Vista-Begrüßungscenter, und die Installationsarbeit kann beginnen. Ein kleiner Dialog macht darauf aufmerksam, dass die Internetverbindung bereits aufgebaut ist und Vista die ersten Dateien herunterlädt: Die Treiber für Grafikkarte und Sound werden installiert, außerdem spielt das Betriebssystem die neusten Updates für Microsofts Sicherheitssoftware Windows-Defender ein.

Bis hierher macht Vista in der Tat einen guten Eindruck. Sogar der Monitor ist auf die optimale Auflösung eingestellt, auch ein angeschlossener zweiter Monitor wird automatisch eingebunden. Die nächsten Schritte aber holen den Nutzer auf den Boden der Tatsachen zurück: Zwar erkennt der WindowsXP-Nachfolger die meisten TV-Karten und installiert ihre Treiber, die zugehörige Software muss aber nicht zwangsläufig funktionieren. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch tröstet Vista dann gern auf seine Art: Wer eine funktionierende TV-Karte will, kann sie im „Windows Marketplace“ kaufen.

Die Installation der am häufigsten benutzten Programme läuft problemlos: Adobe Reader, Flash und Quicktime sind schnell installiert, auch Konkurrenz-Programme wie Mozilla Firefox und das kostenlose Office-Paket OpenOffice operieren einwandfrei. Verlässt man den Mainstream, gibt es jedoch schnell Probleme. Der Weblog-Editor Blogdesk zum Beispiel kann zunächst nicht starten, weil er eine alte Systemdatei sucht, dieses Problem wird immerhin von dem Programmkompatibilitäts-Assistenten gelöst. Die Software für die virtuelle Welt von Second Life versagt dagegen völlig ihren Dienst: Mit den von Windows Vista heruntergeladenen Grafiktreibern kann sie nicht zusammenarbeiten.

Auch einige Hardwarehersteller scheinen von Vista überrascht worden zu sein. Ein Funknetz-Adapter wird nicht erkannt, Treiber für Vista finden sich auch auf der Herstellerseite nicht. Auch der neue Fax- und Scan-Assistent funktioniert nur, wenn der Scanner seinerseits für Windows Vista gerüstet ist.

Der weitere Weg durch das neue Vista ist mit Warnmeldungen gepflastert. Zu einfach war es bisher, mit einem falschen Mausklick sein System kaputtzumachen oder gar einen Virus zu installieren. Kaum ein User nutzte - und nutzt - die Möglichkeit der Vista-Vorgänger, sich ein Benutzerkonto mit eingeschränkten Rechten anzulegen. Um die Sicherheit zu erhöhen, hat Microsoft das Benutzer-Konzept von Windows deshalb grundlegend überarbeitet.

Ob das wirklich ein Fortschritt ist? Der Windows-Assistent fragt nach, bevor man ein Programm installiert, er fragt nach, während man ein Programm installiert, fast jeder Klick in der Systemsteuerung muss in einem Extra-Dialog explizit bestätigt werden. Die Warnhinweise sind dabei oft so kryptisch, dass wohl kaum jemand wirklich verstehen wird, was er oder sie da eigentlich bestätigt. Einziger Lerneffekt: Sobald ein Warndialog aufspringt, schnell wegklicken. Dass diese Neuerung die Sicherheit von Windows erhöht, darf man bezweifeln.

Etwas besser sieht es bei der Jugendschutzfunktion aus. Eltern können ihren Sprösslingen den Zugang zu Spielen verwehren oder ihre PC-Zeit auf eine Stunde täglich reduzieren. Auch ein Internetfilter wird mitgeliefert, der jugendgefährdende Inhalte sperrt. Da solche Filter erfahrungsgemäß schnell zu knacken sind, bekommen die Eltern einen Aktivitätsbericht: Welche Webseiten haben die kleinen am häufigsten aufgerufen, welche Inhalte hat der Filter blockiert, welche Programme wurden gestartet, mit wem hat das Kind gechattet? Wer seinen Nachwuchs wirklich im Auge behalten will, dem bietet das neue Vista zumindest eine gute Basis.

Die Arbeit unter Vista selbst läuft flüssig: Die 3D-Effekte des Betriebssystems, die Microsoft in jeder Produktpräsentation hervorhebt, beschränken sich auf ein angenehmes Maß. Die Transparenz der Fensterrahmen ist ein netter optischer Effekt, er hat zwar keine praktischen Vorteile, behindert die Arbeit aber auch nicht. Wer oft zwischen verschiedenen aktiven Programmen unterwegs ist, sollte den 3D-Effekt allerdings abschalten und eher auf die gute Alt-Tab-Tastenkombination setzen: Sie liefert den besseren Überblick und lässt einen schnellen Wechsel zu.

Eine aufregende Erfahrung ist schließlich noch das erstmalige Bemühen, Windows Vista herunterzufahren. Der Ausschalter im Start-Menü ist nämlich eine wohlgeformte Attrappe, die den PC nicht wirklich ausschaltet, sondern lediglich in einen Halbschlaf versetzt. Festplatte und Monitor schalten sich zwar ab, aber der Gehäuselüfter des PCs läuft weiter. Stromsparend ist das nicht gerade. Aus dem Stand-by ist die Kiste dafür in Sekundenschnelle wieder erwacht und einsatzbereit - zumindest fast, die Maus macht die Reaktivierung nicht zwangsläufig mit. Bleibt nur, sich über die Tastatur zur echten Ausschaltfunktion zu kämpfen, welche sich in einem Untermenü versteckt.

Microsoft hat die lange Entwicklungszeit genutzt, viele Neuerungen einzuführen und die Oberfläche komplett aufzupolieren. Insgesamt lässt einen das Gefühl aber nicht los, dass Vista eben doch nicht ganz fertig ist. Fehlermeldungen führen auf nicht vorhandene Webseiten, einige Dateien sind nicht an dem Platz, an dem sie sein sollten - dazu kommen die Kompatibilitätsprobleme und das nervige Warngebaren des neuen Betriebssystems. Wer noch mit Windows XP arbeitet, hat deshalb kaum einen Grund zum Wechsel. Bis auf die schickere Oberfläche, die stark an Mac OS X erinnert, gibt es nur wenige neue Funktionen. Ein Verkaufsschlager wird Vista natürlich trotzdem, auf den PCs von Aldi, Lidl und Co. soll es bereits vorinstalliert sein.

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Leser-Kommentare
  1. Kann man von Windows XP Home zum mac-systhem wechseln? Glaube DOS oder? Und wenn ja, wie???

  2. Bleib doch bei DOS. Die Programme, die damals funktionierten, laufen auch heute noch auf Deinem DOS Rechner, oder?

  3. Kann man von Windows XP Home zum mac-systhem wechseln? Glaube DOS oder? Und wenn ja, wie???

    • exi2
    • 29.01.2007 um 17:49 Uhr

    bereits unter XP stand ich vor der Wahl entweder XP oder meine Softwaresammlung (DOS und W95-Spiele) in den Mülleimer zu schmeißen. Damals mußte ich erfahren, daß Linux Programme die für MS-Windows geschrieben sind besser unterstützt als ein MS-Windows-Betriebssystem. Wenn das Problem bei Vista weiter besteht, dann hat MS am Kunden vorbei gemurkst. Ein Betriebssystem das keine Programme unterstützt ist schlichtweg überflüssig. Und was meine Programme sind, das entscheidet kein Marketingstratege in Redmond, sondern ich allein. Wenn MS das nicht einsieht, dann hat MS einen Kunden weniger. Dann bleibe ich am besten bei der Konkurrenz.

  4. als macuser, der gerade just auf einen mac das aktuelle betriebssystem os 10.4 installiert hat (keine 5min, keine 10tastenklicks), kann ich nur ungläubig und fassungslos meinen kopf schütteln. was läßt sich die windoofsgemeinde noch alles für ihr gutes geld bieten? wie blind macht denn der herdentrieb? zahlen dafür, dass man betatester eines überholten, nie den endstatus erreichendenden produkts wird? wie oft kommt b.gates mit dieser masche noch durch? eine stunde installation? wär mein mac nach 5minuten nicht fertig, würde ich mir ernsthafte gedanken machern? treiber? was ist das? warnmeldungen? vor was? vor einem user-unfreundlichen betriebssystem? wann erreicht dieses produkt einmal den nimbus des unmerklichen, unsichtbar präsenten, funktionierenden system im hintergrund, dessen einzige aufgabe es ist, mich nicht beim arbeiten am computer, in meiner anwendungssoftware zu stören oder gar zu hindern ...! ... aber was reg ich mich auf ... gottseidank gibt es für mich alternativen, also leute, freßt weiter gras, millionen von kühen können nicht irren!

    • benzh
    • 29.01.2007 um 20:33 Uhr

    Die Neuigkeiten über Vista verfolge ich nur noch beiläufig, weil es mich eh nicht mehr berühren wird. Meine Entscheidung steht schon seit langem fest: der nächste Computer wird ein Mac.

  5. Naja, also einen unvoreingenommenen Bericht wuerde ich diesen Artikel ja mal nicht gerade nennen. Wer sich Vista auf einen PC installiert der nicht ueber Vista-faehige Hardware verfuegt der ist ja nun wirklich selber schuld. Das Betriebssystem ist gerade einen Tag auf dem Markt! Da kann man ja wohl weder von den Hardwareherstellern noch von Microsoft erwarten dass schon saemtliche Treiber zur Verfuegung stehen. Und wenn, dann ist es wohl immer noch eher die Schuld der ersteren.

    Die Sicherheitsfeatures werden am Anfang nervig erscheinen aber leider ist ansonsten heute nichts mehr sicher. Hinzu kommt dass es auch dann noch Leute gibt, die sich nach drei Warnhinweisen eine 'spy.exe' Datei runterladen und installieren.

  6. 8. Meck

    Schon mal versucht, auf einem Mac ein neues Programm zu installieren? Oder gar ein altes, dass unter OS 9 noch funktionierte??
    Warum preist Apple die Moeglichkeit, Windows auf einem Mac laufen zu lassen, als einen Fortschritt an?? Angeblich wird duch den Intel-Prozessor die Leistung gesteigert... Warum dann nicht gleich einen Windows-Rechner kaufen. Ist kaum teurer als Windows alleine und ist schon fertig installiert...

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