PresseTeures Spielzeug

Amerikanische Milliardäre bieten für große Zeitungen wie die Los Angeles Times und die Chicago Tribune, um sie für ihre Eitelkeit zu nutzen. Sie könnten die Blätter damit retten.

Um die Jahrhundertwende gehörten die großen Zeitungen der USA - die New York Times , die Washington Post , die Los Angeles Times , die Chicago Tribune - ehrgeizigen Patriarchen; viele waren in ihren Städten sehr einflussreich. Es waren Kaufleute wie Adolph Ochs in New York, Banker wie Eugene Meyer in Washington, Immobilienbesitzer wie Harry Otis Chandler in Los Angeles oder Lokalpolitiker wie Robert McCormick in Chicago.

Nach dem Krieg wuchsen die Lokalblätter zu Konzernen heran, denen inzwischen TV-Stationen, Radiosender, Magazine und Buchverlage gehören und die an der Börse notiert sind. Heute aber sinken überall die Auflagen, und die Aktienkurse brechen ein. Und damit mag ein neues Zeitalter gekommen sein. Die Ära der Milliardäre, die sich - sei es aus Ehrgeiz, aus Eitelkeit oder als Hobby - ein Blatt halten. »Ohne eigene Zeitung kann man heutzutage offenbar kein echter, stolzer Milliardär mehr sein«, erkannte Mike Wolff, Medienkolumnist von Vanity Fair. »Und andererseits haben diese Milliardäre, die daran gewöhnt sind, in der Zeitung zu stehen, ein natürliches Interesse daran, Zeitungen am Leben zu erhalten.«

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Auch bei der neuesten Zeitungskrise stehen Milliardäre zur Rettung bereit: Seit einiger Zeit suchen die Eigner der  angeschlagenen Medienholding Tribune Company, zu der die Chicago Tribune , die Baltimore Sun und als Flaggschiff die Los Angeles Times gehören, neue Besitzer. Bis zur vergangenen Woche konnten Interessenten Angebote abgeben, an diesem Wochenende wird der Aufsichtsrat darüber beraten. Aber statt kapitalstarker Finanzfonds - in Deutschland als »Heuschrecken« verrufen - balgen sich ein halbes Dutzend imagebewusster Milliardäre um den Medienkonzern. Als einziger Fonds hat die Carlyle Group ein Angebot abgegeben; aber die ist nur an den Fernsehsendern interessiert. Zeitungen gelten in der Finanz- und Anlagebranche als »sterbender Schwan«, als Geschäft ohne Zukunft.

Als letzte Milliardär ist der Medienmogul Rupert Murdoch in das Bieterrennen eingestiegen. Der englisch-australische Chef der News Corporation betreibt in den USA den erzkonservativen TV-Nachrichtensender FoxNews. Außerdem gehören Murdoch bereits die britische Times und das Revolverblatt New York Post . Was ihm allerdings fehlt, ist eine seriöses Blatt in Amerika. Nun hat sich Murdoch mit den Chandlers zusammengetan. Das ist die Familie, die die L. A. Times vor sechs Jahren an die Tribune verkauft hat und die ihr Blatt heute gerne wieder zurückhätte - zum halben Preis, denn um so viel sind die Aktien seitdem gefallen. Wie die Murdoch und die Chandlers den Konzern unter sich aufteilen würden, ist unklar. Aber Murdoch hat Interesse an der dazu gehörenden New York Newsday , einer Tageszeitung, die in wohlhabenderen New Yorker Vororten verbreitet ist.

Um den Verlag beworben hat sich außerdem David Geffen, der ein wenig exzentrische Gründer von Geffen Music und der Filmstudios DreamWorks. Geffen, der auch Mentor der Gruppe Nirvana ist mit John Lennon und Cher befreundet war beziehungsweised ist, möchte nur die L. A. Times als ein besonders teures Spielzeug. Er soll bereits mit dem New-York-Times -Kolumnisten Frank Rich, ebenfalls ein Freund, Anwerbegespräche führen.

Eli Broad, ein Immobilienentwickler aus Los Angeles, der zusammen mit seinem Milliardärs-Kollegen Ron Burkle bietet, hat sich einen Namen als Philantroph gemacht, indem er Museen und Konzerthallen großzügig sponsorte. Und Burkle zeigte seine wohltätige Ader wie auch seine politische Ausrichtung, als er die millionenschwere Anwaltsrechnung für Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky bezahlte.

Klar ist, dass alle drei - Burkle ist mit 53 Jahren der jüngste - nicht unbedingt finanzielle Interessen haben, wenigstens nicht nur. Für sie wären die L.A. Times oder die Chicago Tribune   ein Medium, um sich darzustellen, so wie schon William Randolph Hearst, der seine Blätter nutzte, um seine Kandidatur als US-Präsident zu unterstützen. Ein Vorbild dafür wäre der Immobilienmogul Mortimer Zuckerman, dessen New York Daily News rote Zahlen schreibt, dem Milliardär aber den Ruf eines New Yorker Salonlöwen verleiht.

Vielleicht sind Geffen, Burkle und Broad nur die Speerspitze eines Trends. Jack Welsh, der  71-jährige frühere Chef von General Electric, will den Boston Globe kaufen. Hank Greenberg, der Chef des Versicherungsriesen AIG, der noch zehn Jahre ist älter als Welsh, machte einen Vorstoß, die New York Times zu übernehmen, indem er Aktien en Gros aufkaufte. Für Mike Wolff ist das ein positiver Trend. »Wenn diese neuen Zeitungen - The Daily Geffen, The Welch Globe, The Greenberg Times, The Broad Journal, The Burkle Shopper - erst einmal befreit sind von den erstickenden Schablonen von Leuten, die angeblich wissen, wie man Zeitungen führt, dann schaffen es vielleicht die Leute, die nichts über Zeitungen wissen, sie zum Klingen und Singen zu bringen«, meint er. »Und das ist die einzige Hoffnung.«

 
Leserkommentare
  1. Somehow or another, newspaper people cannot see the forest for the trees.

    The editors and reporters are ruining the papers and condemn them to the rubbish bin of history.

    In this time, when cable channels, alternate news media and above all the interenet, wich we use right now, have changed the world of journalism.

    The one virtue available to the papers, is its 'old fashioned' ability to ferret out the truth, not just report headlines, but to first (most importantly) examine a subject/an event/a story in depth to find truth.
    Instead the papers avail themselves of making snap judgments, relying on commentaries. Fields in which they cannot compete, and once their reputation of 'expert' has been debunked, they are a voice in the wilderness and will perish.

    Instead of giving Burns at the NY Times a greater forum (as it should and could), its moronic editors foster commentary, and what is so totally stupid, change news stories into commentaries.

    The editors are digging their own graves. The publishers who don't see it, will lose their property, and better, wiser and smarter people will prevail. Hopefully soon, before it is too late. [And the ZEIT is in ther same position into which the NY Times and LA Times have propelled themselves.]

  2. 2. Zensur

    ....es wird interessant sein, zu wissen, ob und wie lange dieser in Englisch verfasste Beitrag der Zensur entgeht. [#1 oben]

    Und ob die Leser der ZEIT, vor allem diejenigen, die sich stueck-amerikanische Pseudonyms angeeignet haben oder Fremdsprache Worte (was oft das Ende ihrer Sprachwissenschaft ist) anwenden ... oft falsch.., aber darauf bestehen, dass sie z.B die US, ihre Werte, ihre Buerger so gut kennen. Obwohl sie sich so sehr Vieles falsch vorstellen, was sie immer wieder beweisen in ihren Leserbriefen, und auch in den Kommentaren der 'Redakteure' und 'Reporter' wie Laduner und Kleien-Brockhoff.

    War nicht die ZEIT gegruendet worden nicht als eine Tageszeitung, sondern als ein Blatt, das sich die Zeit nimmt, gute Berichte ('in depth') zusammenzustellen?
    Oder ... genau wie man heute das 'erste Opfer seines Fuehrer' sein will.... denken die heutigen Leit-Redakteure, dass was ihre Leser brauchen, ist wiedergekaute Kommentare von anderen (wie Papageis)? Letzten Endes beweisen sie taeglich, dass ihre Meinungen von Leuten kommen, die nur normal-gross in Intelligenz sind und weder mehr noch weniger Anspruch haben als wir auf einem Meinungs-Monopol?

  3. Das Kommentar zu dem Artikel ist verschwunden.

    Entweder weil es der ZEIT misfallen hat. Was mehr als moeglich ist, weil, obwohl der ZEIT-Artikel sehr gut ist (weil er mehr berichtet als Meinungen verbreitet), obwohl er Kleine Brockhoff's Meinungsbild under der Radktion in Hamburg entgegen stand.

    Oder weil er in Englisch verfasst war. Es scheint, man kann bei der ZEIT nicht in Englisch schreiben. Aber man kann in der ZEIT's Leser-Kommentaren beschimpft werden von den Einheimischen.

    Es ist auch wichtig zu verstehen, dass ich seit den dreissigeren Jahren, nie und nirgends 'ausradiert' geworden bin mit einem Kommentar, anderswo in der Welt als in Deutschland.
    Hm.

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