Kosovo Immer verloren

Die Serben haben den Plan des UN-Vermittlers Martti Ahtisaari zur Zukunft des Kosovo abgelehnt. Verwunderlich ist das nicht. Ein Kommentar

Proteste gegen den Ahtisaari-Plan in Pristina

Proteste gegen den Ahtisaari-Plan in Pristina

Wer erinnert sich schon daran? Anlass fuer den bewaffneten Aufstand der Serben in Kroatien im Frühjahr 1991 war eine Aenderung der kroatischen Verfassung, welche die Serben zu einer Minderheit herabstufte. Im Kosovo versuchten die internationalen Vermittler damals, die Krise zu lösen, indem sie für die Serben in Kroatien die gleichen Rechte forderten wie für die Albaner im Kosovo. Doch Milosevic lehnte ab. Sein Argument: Das Kosovo sei integraler Bestandteil Serbiens, Kroatien aber eine Republik, welche die jugoslawische Föderation verlasse.

Damals wie heute stand das Selbstbestimmungsrecht der Völker im Gegensatz zur territorialen Souveränität des Staates. So ist es auch jetzt nicht verwunderlich, dass der Vorschlag des UN-Vermittlers Martti Ahtisaari zur Zukunft des Kosovo in Serbien mit großer Ablehnung aufgenommen wurde. Der Vorschlag "eröffnet dem Kosovo die Möglichkeit, unabhängig zu werden", begründete der serbische Präsident Tadic sein Nein.

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Doch die Serben haben den Kampf um ihre territoriale Souveränität immer verloren: Jugoslawien zerfiel, in Bosnien steht die serbische Staatlichkeit auf dem Spiel, und Montenegro ist ein selbstständiger Staat. Auch deshalb herrscht unter ihnen Fatalismus. Sie werfen dem UN-Vermittler vor, dass sein Plan dem Kosovo ermögliche, Mitglied in internationalen Organisationen zu werden und damit auch ein Sitz bei den Vereinten Nationen nicht ausgeschlossen ist. Problematisch ist aus ihrer Sicht auch, dass das Kosovo seine Grenzen künftig selbst überwachen soll, sich aber nicht mit Serbien über ihren Verlauf einigen muss.

Albanische Politiker hingegen haben den Vorschlag von Ahtisaari begrüßt, gerade weil er dem Kosovo die Möglichkeit der Unabhängigkeit bietet. Bestätigen wollte der UN-Vermittler dies in Pristina allerdings nicht; auf die wiederholten Nachfragen von Journalisten reagierte er leicht genervt.

Haben die Serben einen Alternative? Eine einzige Stimme hört man, die einen anderen Weg vorschlägt, die des scheidenden Außenministers Vuk Draskovic: Ein Staat, zwei Systeme, dies ist seine Lösung für den Kosovo. China und Taiwan sind dafür wohl nicht das beste Beispiel, aber über Zypern ließe sich bestimmt nachdenken. Denn obwohl die Europäische Union so ihre Probleme mit der Insel hat: Der dortige Kompromiß zwischen den Ansprüchen des Selbstbestimmungsrechts der Völker und der territorialen Integrität des Staates hat Elemente, die man auch auf den Kosovo übertragen könnte. Eine einfache Lösung gibt es allerdings nicht.

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Leser-Kommentare
  1. Ist es nicht ein bisschen spaet, zu solch einer Erwaehnung?

    Sind Frankreich und Deutschland so ausserordentlich homogene Staaten?

  2. Wenn Sie Texte zitieren, sollten Sie besser die Quelle angeben. Schließlich kann dieser Blödsinn ja auch von Ihnen persönlich kommen.
    Die Einwanderung der Europäer in Amerika war der Tod der indianischen Kultur. Da gibt es wohl keinen Zweifel dran. Es gibt aber trotzdem eine erheblichen Unterschied zwischen, der Zuwanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert und der Einwanderung nach Europa heute.
    Er besteht im Unterschied zwischen Immigranten und Siedlern. Die Leute heute sind Immigranten, die Einwanderer des 19. Jahrhunderts waren Siedler, die sich ihre eigene Zivilisation aufbauen mussten.
    Sie haben eine ganz andere Affinität zu einem Land, wenn Sie alles selber aufbauen müssen.

    'Übrigens ziehen die USA einen großteil ihrer Stärke auf der Tatsache, dass sie ein Einwanderungsland sind, und wenn wir einmal 250 Mio. türkische Mitbürger haben sollten und zur wirtschaftlich und politisch stärksten Region der Welt aufgestiegen sind, worauf das USA Beispiel ja Ihrer Meinung nach schließen lässt, sollte es bestimmt auch keine weiteren Bedenken geben, die Türkei in die EU aufzunehmen.'
    Selten so gelacht! Die muslimischen Ländern gehören zu den ärmsten der Welt. Hätten sie nicht die Erdölvorräte würden sie wirtschaftlich noch hinter Schwarzafrika zurückfallen. Auch die türkische Wirtschaft könnte ohne westliche Finanzspritzen nicht überleben. Aber vermehrungstechnisch könnte Ihr Szenario wohl hinkommen.

  3. Lieber pittolibre2,
    Sie werden kaum glauben wieviele Grenzverschiebung und Staatsgründungen es durch Abspaltung oder Völkerwanderungen in den vergangenen 500 Jahren gab.

    Ich will hier nur ein Beispiel nennen. Vor gerade einmal 231 Jahren gab es eine nennenswerte Abspaltung/ oder staatliche Neugrüng, die noch immer als Gründungsfest einer der ersten demokratischen Staaten gefeiert wird. Dem gingen Missonierung, Vertreibung und ethnische Säuberungen vorraus. Erraten Sie wessen Vorfahren als Fremde in diese Neue Welt kamen und dies alles anrichteten?

    Darüber hinaus gab es im Kosov bereits mehrere Wahlen in denen das Volk um seine Meinung befragt wurde, mit eindeutigen Ergebnissen.

    Übrigens, vor ca. 550 Jahren war die 'reichste und größte Stadt Europas': Istanbul. Und da sage noch einer die Türkei würde geschichtlich nicht zu Europa gehören ...

  4. Sehr richtig: solche Vorgänge gab es in der Geschichte immer wieder. Ich würde sagen, aus Sicht der Indianer war es im Nachhinein ein Fehler, die Bleichgesichter auf ihrem Kontinent Fuß fassen zu lassen. Danach hatten sie halt nicht die Machtmittel, deren weiteres Eindringen zu verhindern. Amerika ist ein warnendes Beispiel, was passieren kann, wenn man jeden Fremden mit offenen Armen zum Bleiben einlädt.

    Sehr richtig: vor 550 Jahren war Konstantinopel eine reiche und große Stadt. Deshalb haben die Türken es damals ja erobert. Nicht der Islam hat die Stadt also groß gemacht; und mit ihm hat sie ihre Stellung, die sie vor allem ihrer Rolle als Handelsdrehkreuz zwischen Morgen- und Abendland verdankte, nicht halten können.
    Notabene: ganz Kleinasien gehörte in der Antike zum christlichen Kulturkreis! Aber das war halt nun mal eben, BEVOR der Islam sich durchsetzte.

    Wahlen im Kosovo? Natürlich gewinnen die Serben da keinen Blumentopf, sie stellen ja keine 10% der Bevölkerung mehr. Noch vor 100 Jahren stellten sie hingegen die Mehrheit! Die Geburtenrate der albanisch-muslimischen Minderheit war allerdings eine der höchsten der Welt, etwa dreimal so hoch wie die der Serben. Also wurde das Kosovo albanisch, jenes Land, das jeder Serbe als Wiege seiner Zivilisation betrachtet. So etwas, jawohl, auch das lehrt uns die Geschichte, geht nicht ohne schwere, gewaltsame Konflikte ab - jene Art von Konflikten, die letztlich der Auslöser von zwei Weltkriegen waren. Jene Art von Konflikten, die bis heute hinter fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen stehen, ob in Palästina oder Dafur, ob zwischen Hutu und Tutsi oder zwischen Serben, Kroaten und Albanern.

    Jene Art von Konflikten, die auch Westeuropa leider wieder bevorstehen, wenn in einigen Jahrzehnten zwei große, wirtschaftlich unterprivilegierte und ethnisch-kulturell verschiedene Gruppen aufeinanderprallen: die Nachkommen von Einwanderern aus Pakistan, Algerien oder Anatolien und die der britischen, französischen und deutschen Unterschicht. Wer wird den ersten deutschen Milosevic dann stoppen?

    Ein kluger Mann hat mal geschrieben: 'Europa hat einen hohen Preis für die heutigen, ethnisch-kulturell weitgehend homogenen Siedlungsstrukturen bezahlt'. Und ist dabei, ihn leichtfertig zu verspielen.

  5. 5.

    Wie kann Zypern ein Vorbild für Serbien und den Kosovo sein? Sollen die Kosovo-Albaner quasi-staatenlos werden, so wie jetzt die Nordzyprer? Oder reden sie von dem gescheiterten Zypernkompromiss? Die Betonung liegt hier auf 'gescheitert'. Ganz davon abgesehen, dass dieser nie auf eine echte staatliche Einheit geziehlt hat, siehe etwa Stichwort Niederlassungsfreiheit.

    Die Ehe zwischen Serbien und dem Kosovo ist offensichtlich zerrüttet und sollte geschieden werden. Sollten beide Staaten aber einmal in die EU aufgenommen werden wollen, dann werden sie wohl oder übel zu einem gesitteten Miteinader finden müssen. Oder draußen bleiben.

  6. Serbien hat sein Terrritorium Kosovo verloren. Eine langrfristig angelegte Strategie zur Landnahme findet ihren erfolgreichen Abschluß: Mohammedaner kommen ins Land, mojorisieren es durch Geburtenjihad (das klappt besonders gut mit dem Rollenbild, das der Islam der Frau zuweist), säubern das Territorium ethnisch von störrischen Unterwerfungsverweigerern durch Alltagsterror.
    Und nach 500 jahren kann man dann den Erfolg feiern: ein weiterer Teil der Erde wurde irreversibel islamisch und dem rechtmäßigen Besitzer entrissen. In Spanien konnte es damals verhindert werde, den Serben war´s nicht vergönnt.

    Was das mit uns zu tun hat? Schon bald werden Teile Deutschlands und Europas von Mohammedanern majorisiert. Und dann wird dort der o.g. Prozeß ablaufen.
    Ergebnis: Teile Europas werden dem Islam gehören (damit natürlich in dauernder Gewalt und wirtschaftlicher Unterentwicklung versinken), und die angestammte europäische Bevölkerung hat Teile ihres Territoriums verloren.
    Aber macht ja nichts. Territorialität, was für ein Anachronismus. Komisch nur, daß man vorsichtshalber niemals den Souverän gefragt hat, ob er das wünscht. So weit geht Demokratie als Herrschaft des Volkes dann nun auch nicht, daß jemand darüber bestimmen könnte, welches Rechtssystem auf seinem Terrtorium Gültigkeit hat. Da kann der imperiale Invasor noch so oft dankenswert ehrlich verkünden, daß es um Landnahme und Eroberung geht, die Elite weiß es besser, was gut ist für das Volk. Und wenn nicht, war´s halt Pech.

  7. NATO und EU haben Grenzen in Europe durch Gewalt geandert - zuerst Kosovo - spaeter teils von Ungarn oder Ukraine oder Belarus - wann wird Lviv wieder Lwow ?

    Wir haben diese Spiel nach Versailles gehabt und Danzig, Karlsbad, u.a. wollten wieder mit dem Deutschen feiern und wo es Deutschen gab waren Panzer bald da.

    Die Russen muessen auch ein Woertchen reden, und Vladimir ist nicht so locker wie Boris......was man jetzt saet wird er spaeter ernten muessen. Krieg wieder in Europa ? Nicht mehr wegzudenken

    • Tom030
    • 05.02.2007 um 14:59 Uhr

    ... ist leider ein historisches Fatum, welches immer wieder zu beobachten war. Natürlich kann man fatalistisch sagen, 'dann ist es eben so', nur wird man jene Argumentationskette auch noch von unseren Enkeln aufrechterhalten?

    Wie im Kosovo besteht auch bei uns diese reale Gefahr, erst recht wenn die Türkei in die EU kommt. Dann werden wir unseren Enkeln irgendwann erklären müssen, warum wir ethnisch und kulturell homogene Staaten in Flickenteppiche verwandelt haben. Und zwar ohne Not und ohne Krieg, ausschließlich aus Nachlässigkeit und politischer Korrektheit. Der Kosovo ist hier in der Tat warnendes Beispiel, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die neue Majorität ihre Leitkultur durchsetzt.

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