EADS Unglaubwürdige Drohung

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos möchte dem Rüstungskonzern EADS Aufträge entziehen, sollten deutsche Airbus-Standorte nach Frankreich verlegt werden. Kein kluger Schachzug.

Bald weniger Arbeit? Ein EADS-Werk in Augsburg

Bald weniger Arbeit? Ein EADS-Werk in Augsburg

Seit Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der Airbus-Konzernmutter EADS mit dem Entzug von Rüstungsaufträgen drohte, sollten wesentliche Teile der Airbus-Produktion nach Frankreich verlegt werden, streiten Beobachter über den Wert dieser Attacke. Zumal die Bundeskanzlerin sich am Montag zurückhaltender zeigte. "Wir machen die deutschen Interessen deutlich, aber wir drohen nicht", sagte ein Regieruingssprecher in Angela Merkels Auftrag, auch wenn alle deutschen Regierungsmitglieder natürlich von dem Motiv getragen seien, "dass die deutschen Interessen gewahrt werden."

Glos hatte der Bild am Sonntag gesagt: „Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus - insbesondere im Rumpfbau - bestehen bleibt. Sollte das nicht der Fall sein, so müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge bei der Airbus-Konzernmutter EADS überprüfen.“ Und weiter: „Den jetzt geplanten Abbau von Arbeitsplätzen und Hochtechnologie in Deutschland lassen wir uns unter keinen Umständen gefallen.“

Diese harschen Worte waren eine Reaktion auf die Zahlenspiele, mit denen Airbus bereits den Jobabbau in Deutschland andeutet. Von 8000 bis 10.000 Stellen ist die Rede. Glos’ Drohung verschärft nun die komplexe Debatte um die Umstrukturierung des Rüstungskonzerns. Diese gestaltet sich ohnehin schon schwierig, einerseits wegen der finanziellen Schieflage des Unternehmens, andererseits wegen seiner Besitzverhältnisse. So mischt insbesondere Paris sich bislang stark in Konzernfragen ein, wenn auch etwas weniger ruppig als der deutsche Wirtschaftsminister. Schließlich ist der französische Staat, anders als der deutsche, selbst Großaktionär.

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Glos’ provokante Bemerkung verdeutliche einmal mehr, dass der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kein normales Industrieunternehmen ist, schreibt die Welt . „Vielmehr steht dieses multinationale Gebilde in einem komplexen politischen Spannungsfeld.“ Die Bundesregierung ist im Rüstungsgeschäft ein Hauptkunde von EADS - vom Eurofighter bis zum Militärtransporter A400M. Daraus dürfe sie einen ebenso legitimen Anspruch ableiten, auf die industriellen Strukturen einzuwirken, wie ihn Frankreich ganz selbstverständlich auch für sich reklamiere, so das Blatt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung allerdings fürchtet, dass gerade am nationalen Proporz die Sanierung von Airbus scheitern könnte. Die Aufgeregtheit deutscher Politiker erkläre sich nämlich aus der verständlichen Furcht, von den französischen Partnern über den Tisch gezogen zu werden. In der Vergangenheit hätten vor allem die hohen deutsch-französischen Subventionen den Aufstieg von Airbus zum Konkurrenten Boeing ermöglicht. Doch die Subventionen begründeten auch die unwirtschaftliche, über ganz Europa verteilte Fertigung der Flugzeuge, wobei sich Deutschland auf die weniger anspruchsvolle Fertigung der Rumpfteile konzentriert hat. Im Wettlauf mit Boeing müsste, so die FAZ , aus Effizienzgründen eigentlich auch Airbus einen größeren Teil der Fertigung nach Asien oder in den Dollarraum auslagern.

Das Handelsblatt sieht in der Reaktion der Deutschen nichts anderes als die Übernahme der französischen Spielregeln. Bislang hätten die Deutschen auf Einflussnahme weitgehend verzichtet, – anders als die Pariser Kollegen. Diese Haltung anzugleichen, sei vollkommen legitim. „Denn warum sollten die Deutschen einseitig Verzicht üben und übermäßig Opfer beim anstehenden Sparprogramm bringen?“ Dem Unternehmen jedoch bringe die verbale Aufrüstung aus Berlin nicht viel. „Glos' Äußerung unterstreiche nur einmal mehr, unter welchem Geburtsfehler EADS und Airbus leiden: Bei Europas großem Luft- und Raumfahrtkonzern habe die Politik einen viel zu großen Einfluss.“

Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 05.02.2007 um 14:42 Uhr

    Der Einfluss der französischen Regierung schwindet nicht, wenn die deutsche Regierung keinen Einfluß ausübt. Das Gegenteil dürfte der Fall sein.
    Im Schiffbau wird man hoffentlich die bei Airbus und EADS gemachten Fehler nicht wiederholen und sich den Franzosen ausliefern.

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