Schwarzbuch Börse Ärgernis für Anleger

Große Konzerne waren 2006 für die größten Börsenskandale verantwortlich, schreiben Aktionärsschützer. Um Rendite betrogen werden die Anleger aber auch auf dem boomenden Zertifikatemarkt - sehr zur Freude so mancher Bank.

Schwarze Schafe an der Börse: Aktionärsschützer machen auf sie aufmerksam.© Getty Images

Es war das Jahr der großen Konzerne – leider ganz im negativen Sinn: Die schlimmsten Unternehmensskandale in Deutschland leisteten sich 2006 Siemens und Volkswagen . Der Titel des größten Vernichters von Börsenwerten geht an den paneuropäischen Luftfahrtkonzern EADS . Sein Aktienkurs stürzte im Sommer innerhalb kürzester Zeit um 25 Prozent ab; ein Marktwert von mehr als fünf Milliarden Euro löste sich in Luft auf. Mehr als 800 EADS-Angestellte aber hatten ihre Aktien noch rechtzeitig vor dem Crash verkauft: Purer Zufall?

In ihrem jüngsten „Schwarzbuch Börse“, das am Montag in München vorgestellt wurde, greift die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) diese und weitere Sündenfälle erneut auf. Unter den 40 abschreckenden Unternehmensbeispielen des Reports finden sich gleich sechs Dax -Konzerne - im Gegensatz zu früheren Jahren, als kleine Aktiengesellschaften, vielfach am Neuen Markt gelistet, das Schwarzbuch prägten. Manche der großen Kapitalvernichter könnten den Anlegern auch im laufenden Jahr noch Ärger bereiten.

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Zum Beispiel Volkswagen: Wenn die Aktionärsschützer den niedersächsischen Autobauer kritisieren, geht es ihnen schon lange nicht mehr um Lustreisen und Korruption. Sie sorgen sich viel mehr darüber, dass Porsche immer mehr Einfluss auf die künftige Volkswagen-Strategie gewinnt und dabei niemandem so richtig klar ist, was die schwäbischen Sportwagenbauer unter ihrem Chef Wiedeking eigentlich vorhaben. Oder was Ferdinand Piëch vorhat, der zugleich Porsche-Großaktionär ist und dem VW-Aufsichtsrat vorsteht – und der, da immerhin sind sich die Aktionärsschützer sicher, seine geballte Macht vor allem im Interesse von Porsche einsetzet. Als denkbar gilt ihnen deshalb wohl auch eine „Zerschlagung“ von Volkswagen, die Porsche die Premiummarken des Konzerns, also Lamborghini, Bentley, Bugatti und Audi, verschaffen könnte.

Zum Beispiel auch Siemens, dessen Image nachhaltig ramponiert ist, seit bekannt wurde, dass die Münchner ein ganzes System schwarzer Kassen und Schmiergeldzahlungen pflegten. Siemens’ ehemalige Handy-Tochter bereitete durch ihren Konkurs auch den Aktionären einer anderen Gesellschaft Probleme: Zulieferer Balda musste nach der BenQ-Pleite eine Verlustwarnung veröffentlichen, der Aktienkurs brach ein. Inzwischen werde Balda von privaten Beteiligungsfirmen in die Zange genommen, was die Kursperspektiven des Papiers nicht verbessert, finden die Aktionärsschützer. Zu den schwarzen Schafen im Dax zählen sie ferner die Deutsche Telekom und Tui , deren Aktienkurs sich einfach nicht berappelt, und schließlich Thyssen Krupp und Altana , die beide auf unterschiedliche Weise einem Großaktionär Vorteile gegenüber den Kleinanlegern verschafften.

Vertrauen in die künftige Kursentwicklung schafft so etwas nicht. In den Geschichten der Aktionärsschützer besetzten jedoch nicht nur die börsennotierten Gesellschaften den Part des Bösen. Auch die Banken machen den Anlegern nur allzu häufig das Leben schwer, beispielsweise auf dem boomenden Markt der Zertifikate : Durch „erdrückend hohe“, aber geschickt in der Konstruktion des jeweiligen Zertifikats versteckte Kosten, die dem Anleger aufgebürdet würden, sicherten sich die ausgebenden Geldinstitute hohe Profite , schreibt die SdK. Je nach Zertifikat behielten die Banken auch Währungs- oder Dividendengewinne für sich, die eigentlich dem Anleger zustünden.

Theoretisch könnte ein funktionierender Wettbewerb zwischen den Emittenten solchen Missbrauch zwar verhindern. Weil aber viele Zertifikate durch ihre komplizierte Bauweise einzigartig seien, könne der Anleger die unterschiedlichen Angebote kaum vergleichen. Die SdK formuliert das drastisch: „Der Wettbewerb ist außer Kraft gesetzt“, heißt es im Schwarzbuch. Selbst Profis könnten die Konstruktion mancher Zertifikate häufig nicht durchschauen, Laien seien erst recht überfordert. „Diese aktiv geschaffenen Intransparenzen sind die Grundlage für besonders hohe Bankmargen im Privatkundengeschäft. “

Leser-Kommentare
  1. Es gibt noch einen anderen Grund, warum die Zertifikate immer komplizierter werder. Wer viel sehr verschieden konstruierte Papiere herausgibt hat die größten Chancen, dass eines davon, aus purem Zufall, besonders gut abschneidet. Das steht dann im nächsten Ranking ganz oben, und wird: DER RENNER.

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