Afghanistan Mit der Heuchelei aufhören

Die Tornados der Bundeswehr werden im Süden des Landes gegen die erstarkten Taliban mitkämpfen - und zwar schon sehr bald

Bald in Afghanistan: Tornados der Luftwaffe

Bald in Afghanistan: Tornados der Luftwaffe

In Afghanistan befindet sich die Bundeswehr im Krieg. Wer anderes behauptet, macht sich der Irreführung schuldig. Der Verteidigungsminister mag noch so oft sagen, dass der jetzt beschlossene Einsatz der Tornado-Kampfflugzeuge „kein Kampfeinsatz“ sei. Es bleibt eine falsche Behauptung. Die Tornados werden im Süden des Landes gegen die erstarkten Taliban mitkämpfen, und zwar schon sehr bald.
Ist dieser Einsatz überhaupt sinnvoll?
Ja, wenn er dazu führt, die Taliban in Schach zu halten. Mehr kann man von den Tornados nicht erwarten, mehr können im Übrigen auch die Soldaten der Nato nicht ausrichten. Denn das ist ja das Paradox. Die Nato führt einen Krieg, den sie mit militärischen Mitteln nicht gewinnen kann, der aber ohne militärische Mittel mit Sicherheit verloren geht.
Man muss sich – und das ist die zweite Einsicht – von der Vorstellung verabschieden, man könne das „Problem“ Afghanistan lösen. Es gibt keine Lösung für dieses Land, jedenfalls nicht in der kurzen Zeit, in der Demokratien normalerweise denken – von Wahlkampf zu Wahlkampf. Es gibt einen modus vivendi, eine Art also, mit einem Konflikt zu leben, der nicht endgültig zu befrieden ist.
Nato-Soldaten werden also weiter sterben, darunter auch deutsche. Und sie werden es tun, ohne dass ihre Befehlshaber je sagen könnten: Jetzt haben wir gesiegt. Denn bislang erleben wir lediglich ein blutiges Patt zwischen den Feinden. Das ist die Zukunft dieses Krieges. Darauf muss die Regierung die Deutschen vorbereiten.

Zum Thema
Tornados alleine reichen nicht - Der Westen braucht eine neue Strategie. Ein Kommentar »

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist riskant. Das Land droht im Krieg zu versinken. Hintergründe und Analysen »

 
Leser-Kommentare
  1. Den intellektuellen Tiefflug verzapfen ausschließlich Sie! Beispiel gefällig?

    'Diese fundamentalistische Diktatur war sicher ein verbrecherischer, hinterwäldlerischer Haufen, aber wer hat diese Bande denn an die Macht gebracht und mit Waffen ausgerüstet?'

    Weil also die USA diese Hinterwäldler einst unter ganz anderen Voraussetzungen gegen die Russen unterstützt haben, darf man sie heute nicht bekämpfen, sondern muss sie und ihre terroristischen Aktivitäten gewähren lassen, richtig?

    So ein Blödsinn!

  2. Dieser Krieg wurde schon im April 2003 verloren. Mit ihrer knapp 1 Mio Mann starken Berufsarmee, von der lt. Pentagon 2/3 'not depoyable' sind, waren die USA zu keinem Zeitpunkt in der Lage einen Zweifrontenkrieg zu führen, und erst recht nicht zu gewinnen. Das gilt im übrigen auch für einen potentiellen Konflikt mit dem Iran.
    Seit vier Jahren werden US-Kampftruppen sukzessive nun von Afghanistan in den Irak verlagert und durch heisse Luft der NATO ersetzt. Kein wunder, dass Taliban und alle möglichen islamischen Söldner nun in Scharen einströmen. Wie man von den letzten verblieben Afghanistan-Kriegsreportern hören kann, kämpfen jetzt nicht die Taliban aus den Koranschulen Pakistans, sondern ganz normale Söldner, die aber ihr Handwerk schon in Bosnien, Algerien und im Irak unter Beweis gestellt haben. Sie sind ausgebildete Scharfschützen und können auch mit Flugabwehrraketen bestens umgehen. Da die Bevölkerung sich von den 'Besatzern' völlig abgewandt hat, sind sie auch noch integriert und absolut unbesiegbar.
    Was die Tornados mit ihren antiquierten Tornado-Papierfotos sollen, das weiss kein Mensch. Nach 1989 hat sich keiner mehr für die Fotografie der DDR aus 300 Meter Höhe interessiert. Deshalb wurde das System weder technisch weiterentwickelt und schon gar nicht in die US-Lufterkundung integriert. Die sitzt übrigends auch nicht in Kabul und hantiert mit Scharzweissfotos auf Kartentischen aus dem 2.Weltkrieg herum, wie sich das manche deutsche Michel vorstellen mögen.

  3. Frl Madoc, wie soll man Sie verstehen?

  4. Bis heute hat mir keiner erklären können, was Deutschland dort in diesem staubigen Land eigentlich verloren hat.
    Bei einer Volksabstimmung würde die große Mehrheit den sofotigen Abzug unserer Soldaten fordern.
    Noch ein Wort zu den Gutmenschen hier in unserem Land, die die Lufthohheit über den Intellektuellen - Stammtischen innehaben: Wer für ein Engagement in in diesem Land eintritt, soll selber den Stahlhelm aufsetzen und in Afghanistan persönlich für seine Werte eintreten. Es ist nämlich sehr einfach zu fordern 'wir' müssen dort Frieden und Demokratie verankern, wenn es anderer Leute Kinder sind und nicht die eigenen - sofern man überhaupt welche hat - die das vor Ort unter Lebensgefahr tun sollen.

  5. Wieso lernen die Herren nicht aus der Geschichte? Schon die Sowjets sind an Afghanistan verzweifelt, was sollen wir also machen? Mit noch größerer Härte vorgehen? Noch mehr Soldaten um den Konflikt noch mehr zu eskalieren? Was suchen wir in diesem Land? Es ist ekelerregend was dort passiert!

  6. ... genau das ist das Problem. Sie drücken sich schon um die Beantwortung meiner ersten Frage herum:

    'Ob MAN etwas gegen den Terror tun muss ist nie die Frage gewesen.'

    Ich habe Ihnen diese Frage aber nun einmal gestellt, also können Sie nicht sagen, das sei nicht die Frage. Also was ist nun? Muss man Ihrer Meinung nach etwas gegen Terror unternehmen, oder nicht?

    'Die Frage ist, ob die Bundeswehr/Nato etwas gegen den Terror tun muss. Diese Frage kann ich für mich klar mit NEIN beantworten.'

    Okay, damit gewinne ich auch hier meine Wette, denn was ist Ihre Alternative? Oder berhaupten Sie, dass es keinen islamistischen Terror gibt?

    'Ob die Taliban die Terroristen des 9/11 bei sich ausgebildet und beherbergt haben kann ich genauso wenig beurteilen wie Sie.'

    Entschuldigen Sie bitte, aber woher nehmen Sie das? Das sind mittlerweile gesicherte Erkenntnisse.

    'Eine militärische Auseinandersetzung lehne ich in diesem Zusammenhang ab. Da gibt es politisch viel wirksamere Methoden wenn man es wirklich will (Afghanistan ist eines der ärmsten Länder der Welt, na merken Sie was?).'

    Bitte nicht schon wieder, Ihre Argumente sind einfach zu leicht zu widerlegen. Armut und Terror, meinen Sie diesen (Schein-)Zusammenhang? Warum kommt dann der Terror vornehmlich aus dem islamischen Raum und nicht aus Schwarzafrika, wo er herkommen müsste, würde Ihre These Stimmen? Der Zusammenhang zwischen Armmut und Terror ist wesentlich schwächer als der zwischen Wertvorstellungen und Terror. Hierzu gibt es inzwischen wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse.

    'Sie können auch den Frauen, so sie sich benachteiligt fühlen politisches Asyl gewähren, dann müssen die Talibanis unter sich bleiben….und sterben aus (bitte nicht ganz ernst nehmen).'

    Sie haben recht! So etwas kann man wirklich nicht mehr ernst nehmen.

    'Wenn man jedoch lediglich eine Ölpipeline durch das Land bauen möchte, dann ist es wohl erforderlich einen Angriffskrieg zu starten.'

    Ach ja, wieder mal das liebe Öl. Auch so ein Lieblingsargument von Ihnen, wenn Ihnen nichts mehr einfällt, was gegen die bösen USA sprechen könnte. Auf die Ölpipeline im Kosovo und in Bosnien warten wir bis heute und auch die in Afghanistan wird wohl auf sich warten lassen. Nebenbei: Selbst wenn's so wäre, womit heizen Sie? Womit betreiben Sie Ihr Auto? Womit, glauben Sie, läuft unsere Wirtschaft, die den Wohlstand schafft, von dem Sie ganz gut leben und von dem Afghanistan auch ganz gut leben könnte, würde eine solche Pipeline gebaut?

    'Es gibt in den USA sehr viele Bürger, die mit ihrem Regime (ich meine G. W. B. und seine neokonservativen Strippenzieher) überhaupt nicht einverstanden sind und die auch die offizielle Version des 9.11.2001 keineswegs als Fakt betrachten.'

    Richtig, es gibt Menschen, die mit ihrer Regierung nicht einverstanden sind. Das ist das Wesen einer Demokratie. Was wollen Sie damit nun beweisen?

    Bitte nicht schon wieder Verschwörungstheorien über den 9.11. Es gab bekanntlich auch Anschläge in London, Madrid, Djerba, Bali usw. usw. usw. Alles nur inszeniert?

    Sehr geehrter Herr, hören Sie bitte auf, uns vorzugaukeln, es ginge Ihnen um (Welt-)Frieden oder irgendwelche anderen humanitäre Belange. Es interessiert Sie doch in Wahrheit nicht, wie es in Afghanistan aussieht! Sie missbrauchen die Situation dort doch lediglich als Munition für Ihren rhetorischen Krieg gegen das verhasste Amerika! Das hat nichts mit einem kindischen Vorwurf zu tun, oder können Sie meine Fragen sinnvoll beantworten und diesen Vorwurf damit widerlegen?

    Schließlich: Bitte unterstellen Sie mir doch nicht ständig den Konsum irgendwelcher Medien. Ich schaue wirklich kaum CNN! Können Sie denn so schlecht damit umgehen, dass jemand Ihr Weltbild durcheinander bringt, dass Sie derart herablassende Unterstellungen nötig haben?

  7. Der Westen kann noch 250 Jahre Krieg in Afghanistan führen und hat dann immer noch weniger Verluste zu beklagen als die Sowjets mit ihrem Afghanistan-Krieg.

    Ausserdem leben wir nicht mehr in den 80ern, heute verfügt man über wesentlich bessere Ausrüstung als die Russen zu dieser Zeit.

    • Madoc
    • 09.02.2007 um 17:36 Uhr

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 61
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Afghanistan | Bundeswehr
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service