Den Berechnungen des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) zufolge wird sich die Erde in Zukunft noch schneller erwärmen als bisher. Auf der Basis von hunderten Computersimulationen präsentieren die UN-Experten sechs Temperaturszenarien. Im besten Fall rechnen sie bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung von 1,1 bis 2,9 Grad Celsius. Im schlimmsten Fall soll das Thermometer um 2,4 bis 6,4 Grad emporklettern. Im gleichen Zeitraum würde der Meeresspiegel dann um bis zu 59 Zentimeter steigen. ©Leon Angerer BILD

Bei dem jetzt veröffentlichten Papier handelt es sich um den Datenteil des Reports. Ihm schließen sich im Verlauf dieses Jahres zwei weitere Abschnitte über Folgenabschätzung und Maßnahmen an. Schon jetzt beschreiben die Experten allerdings zahlreiche langfristige Klimaveränderungen, etwa in den Windstrukturen. Extreme Wetterereignisse wie Dürren, schwere Niederschläge, Hitzewellen und die Intensität tropischer Zyklon hätten bereits zugenommen. Zudem steige der Meeresspiegel immer schneller.

"Es gibt kaum noch Zweifel am menschengemachten Klimawandel", sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Martin Claußen. Dies mache der IPCC-Bericht "so deutlich wie nie zuvor". Natürliche Faktoren hingegen "spielen eine völlig untergeordnete Rolle", sagte der Potsdamer Forscher Stefan Rahmstorf, einer der Leitautoren des Reports. Der vierte Bericht des UN-Klimarats IPCC wurde am Freitag in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt, zahlreiche Informationen aus dem Datenwerk sind allerdings schon seit Monaten bekannt.

Bereits die bislang beobachtete Erwärmung des Klimasystems sei ohne Beispiel, so die Experten des IPCC. Elf der vergangenen zwölf Jahre seien unter den zwölf wärmsten, seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Wetteraufzeichnungen begannen. Auch im langfristigen Rückblick sei die Temperatur gestiegen, nämlich um 0,76 Grad zwischen 1850 und dem Jahr 2005.

Das IPCC folgert aus den Daten, dass die anhaltende Treibhausgas-Emissionen auf heutigem oder höherem Stand würden im globalen Klimasystem des 21. Jahrhunderts Veränderungen auslösen, "die sehr wahrscheinlich größer sein würden als die im 20. Jahrhundert beobachteten". Derart vorsichtig formulieren Politiker nicht: Der frühere Chef des UN-Umweltprogramms und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer kommentierte in einem Interview: "Wer jetzt noch nicht wach ist, der muss sich fragen, was denn eigentlich passieren muss, damit man den Ernst der Lage erkennt."

Zum Thema
Klimawandel - wodurch? - Noch immer haben die Computermodelle der Klimaforscher Schwächen. Die Schuld des Menschen an der globalen Erwärmung aber konnten die Rechner inzwischen beweisen »

Geld und Sensationen: Wie glaubwürdig ist die Klimaforschung? Ein exklusives ZEIT online-Interview mit dem Kommunikationsforscher Peter Weingart »

Der Klimabasar - Der Bericht des UN-Klimarats IPPC soll der Politik unabhängigen Rat liefern. Dabei haben die Politiker entscheidende Passagen selbst verhandelt »

Der Report - Auf der Website des IPCC finden Sie weitere Informationen zum Bericht des Panels »