Klimaforschung "Erbitterter Konkurrenzkampf"
Die Debatte um Ausmaß und Folgen des Klimawandels ist mehr als ein Faktenproblem. Es geht um Geld, Sensation - und um das Vertrauen in die Wissenschaft. Wie müssen wir damit umgehen? ZEIT online sprach mit dem Soziologen Peter Weingart
© IWT/Universität Bielefeld BILDErst beschworen die Forscher den Untergang herbei. Dann stellten selbst angesehene Kollegen den Klimawandel in Frage. Und nun machen sie wieder jenen Wissenschaftlern Platz, die eine Erwärmung der Erde für unvermeidlich halten? Wie steht es um die Glaubwürdigkeit der Forscher? Was darf die Öffentlichkeit glauben, was müssen die Medien leisten? Der Soziologe Peter Weingart widmet sich als Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung in Bielefeld dieser Problematik und hat bereits vor fünf Jahren ein Buch zur Klimadebatte veröffentlicht .
ZEIT online: Der neue UN-Klimaschutzbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) warnt eindringlicher denn je vor den negativen Folgen des Klimawandels. Finden Sie das noch glaubwürdig?
Peter Weingart: Ich glaube schon, dass man sich darauf ein gutes Stück weit verlassen kann. Für den IPCC-Bericht tragen alle großen Klimaforschungsinstitute dieser Welt ihre Ergebnisse zusammen und veröffentlichen sie erst dann, wenn weit gehend Konsens unter ihnen herrscht. Ich misstraue dem nicht. Ich bin allerdings auch kein Skeptiker des Klimawandels.
ZEIT online: Andere schon. Kritiker befürchten, der Bericht könnte nicht mehr objektiv sein, weil es zum politischen Mainstream geworden ist, eine starke Erderwärmung vorauszusagen. Wer da nicht mitmacht, könne bald sehen, wo er sein Forschungsgeld herbekommt.
Weingart: Ohne Zweifel wird das Geld immer auf den Haufen geworfen, den die Wissenschaft und auch die Politik ohnehin gerade im Visier haben. Die Medien spielen dabei die Rolle der Verstärker. Wenn der Klimawandel jetzt anlässlich des neuen IPCC-Berichts wieder in die Aufmerksamkeit der Medien tritt, dann können wir ziemlich sicher sein, dass daraus auch Budgetentscheidungen folgen.
ZEIT online: Gibt es überhaupt noch Forscher, die es sich leisten können, gegen den Trend zu forschen - also die Stärke der Erwärmung oder die gängigen Prognose-Methoden in Frage zu stellen?
Weingart: Mir ist in der Wissenschaft kein Beispiel dafür bekannt, dass die politische Favorisierung einer Forschungsrichtung alle anderen Richtungen blockiert hätte. Es sei denn, man verweist auf diktatorische Regimes. Der Mechanismus ist zwar ähnlich - eine sehr starke politische und mediale Aufmerksamkeit kann die gleichen Konsequenzen haben wie ein politisches Dekret. Nur dass wir hier natürlich eine offene Diskussion haben. Im Gegensatz zum politischen Dekret kann die Mediendebatte und auch der politische Diskurs durch neue Informationen in eine neue Richtung gelenkt werden.
Weingart: Man muss genau hinschauen, welcher Art dieses Eigeninteresse ist. Es gibt - auch in der Klimaforschung - viele, die fest davon überzeugt sind, an der vordersten Front eines Forschungsgebietes zu stehen, dessen Ergebnisse von buchstäblich lebenswichtiger Bedeutung sind. Diese Forscher nehmen für sich eine Warnfunktion in Anspruch und wollen unmittelbar politisch wirksam sein. Dieses Interesse ist zunächst völlig legitim. Gleichwohl besteht die Gefahr, dass ihnen von Skeptikern unterstellt wird, sie machten ja nur politische Propaganda. Es handele sich bei ihnen um Öko-Freaks, die gegen die Industriegesellschaft wären, oder ähnliches.
ZEIT online: Warum ist das eine Gefahr?
Weingart: Nach den sensationellen Weltuntergangs-Meldungen zu Beginn der Klima-Debatte schlug die Stimmung zum Teil um. Es gab skeptische Berichte in dem Stil: Erst haben die Klimaforscher viel Geld bekommen, und jetzt geht ihnen die Katastrophe verloren, es gibt gar keine Katastrophe, oder sie fällt nicht so schlimm aus wie zunächst prognostiziert. Auf einmal stellten die Medien es so dar, als hätten viele Forscher nur aus Interesse an Forschungsgeld und politischem Einfluss vor der Katastrophe gewarnt. Die Gefahr ist, dass solche Argumente die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zerschlagen.
ZEIT online: Sollen Medien nicht kritisch über Wissenschaft berichten?
Weingart: Doch, natürlich. Aber auch die Journalisten können kein Interesse daran haben, dass Meldungen, die sie gestern gebracht haben, sich heute als falsch erweisen - während sie die Reaktionen, die sie mit ihren Berichten ausgelöst haben, gar nicht mehr kontrollieren können. Die Mindeststandards guter Berichterstattung sollten eingehalten werden und natürlich muss sorgfältig recherchiert werden.
ZEIT online: Auch Forscher könnten sorgfältiger sein. Teile des neuen IPCC-Berichts haben Wissenschaftler schon im Herbst 2006 der Presse zugespielt, noch bevor die Beratungen darüber abgeschlossen waren, sich also die Inhalte noch ändern konnten.
Weingart: Wer zuerst publiziert, sichert sich einen Ruf in der Wissenschaft. Außerdem gilt: Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ist Kapital. In der Wissenschaft gelten inzwischen die gleichen Regeln wie an der Börse, wenn es darum geht, als erster an die Öffentlichkeit zu gehen. Dort, wo die Forschungsergebnisse von öffentlichem Interesse sind, herrscht sogar ein erbitterter Konkurrenzkampf. Das lässt sich umrechnen in die Zuwendung von finanziellen Mitteln durch den Staat oder andere Geldgeber.
ZEIT online: Wer sich am besten öffentlich verkaufen kann, gewinnt.
Weingart: Ja, und es fällt auf, dass die großen Wissenschaftsjournale Science und Nature sich immer mehr zu Presseorganen entwickeln, die an einem Massenpublikum orientiert sind, und nicht mehr nur an der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Das gilt vor allem, weil die sensationsfähigen Meldungen von den Medien in aller Welt verbreitet werden.
ZEIT online: Haben die Wissenschaftler heute eine Chance, seriös vor den Folgen des Klimawandels zu warnen, ohne beschuldigt zu werden, aus unlauteren Beweggründen zu handeln, oder Katastrophisten zu sein?
Weingart: Diese Gratwanderung zu bewältigen, ist außerordentlich schwer. Wir haben es hier mit unsicherem Wissen zu tun. Zum Beispiel mit sehr umfangreichen Computersimulationen. Es ist schwierig, diese Computersimulationen zu verstehen. Über die Jahre werden sie besser, trotzdem bleiben sie relativ grob in den Aussagen - vor allem gegenüber einem Wettergeschehen, das natürlich viel differenzierter ist, als es Computersimulationen bislang darstellen können. Oder: Was ist eigentlich die Funktion von Indikatoren? Die immer wieder beschworenen steigenden Durchschnittstemperaturen was bedeuten die für die Menschen, die ja in ganz verschiedenen Regionen leben ? Wie bezieht sich das auf unsere Wetter-Erfahrung, den langen kalten Winter im Vorjahr im Vergleich zum milden Winter jetzt? Das müsste man der Öffentlichkeit erst mal vermitteln. Und das ist eine Zumutung, die eigentlich schon zu weit geht.
ZEIT online: Die Medien sollen nicht versuchen, die Methoden zu erklären - damit sich jeder ein Bild von der Forschung machen kann?
Weingart: Nein, um Himmels Willen! Man hat keine andere Chance, als diesen schwierigen Schritt zu gehen, und zu vermitteln: Was verbirgt sich hinter den Unsicherheiten der Prognosen und wie müssen wir mit diesen Unsicherheiten umgehen. Die Möglichkeiten, die Wissenschaftler kritisch anzugehen, werden ja mehr, weil die Forschung komplexer wird und die Unsicherheit ihrer Resultate zunimmt. Wenn das, was die Wissenschaftler prognostiziert haben, nicht eintrifft, ist es sehr einfach zu sagen: Ach, das haben sie ja nur gemacht, weil sie Forschungsgelder kriegen wollten. Und das geht auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit.
ZEIT online: Das trifft ja am Ende auch die Öffentlichkeit. Keiner ist mehr sicher, was er beim Klimawandel glauben soll. Könnte die Wissenschaft ihre Glaubwürdigkeit nicht irgendwie wieder herstellen?
Weingart: Es wäre gut, wenn es eine klare institutionelle Grenzziehung zwischen Wissenschaft, Politik und Medien gäbe. Man will heute auf der einen Seite eine objektive und neutrale Wissenschaft haben, die nichts anderes tut, als Wahrheit zu produzieren. Auf der anderen Seite will man aber auch, dass sich die Wissenschaft der Öffentlichkeit öffnet und für sie und in ihrem Interesse Wissen produziert. Beides zugleich geht aber nicht.
ZEIT online: ... zumindest nicht, bis die Wissenschaft mit einer einheitlichen Stimme spricht. Wie zum Beispiel durch eine nationale Akademie der Wissenschaften. In Deutschland gibt es so etwas nicht, weil die Forscher sich nicht einigen können.
Weingart:
Eine Akademie, die zur Aufgabe hat, nur solche Problemen zu erforschen, die sie selbst als dringend begreift, und die Ergebnisse dann zu vermitteln - das wäre sicherlich ein Zeichen der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft der unabhängigen Wahrheitssuche. Wir leben trotzdem nicht mehr in der Welt des 19. Jahrhunderts, als die Wissenschaftler im Elfenbeinturm saßen, und ihnen jedes Wort geglaubt wurde, schon allein wegen der Distanz zwischen Wissenschaftlern und dem Rest der Bevölkerung. Das ist ein Schlaraffenland vergangener Zeiten. Und ich glaube auch nicht , dass wir uns wünschen sollten, in diese Welt zurück zu gehen, nur um das vermeintlich sicherere Urteil zu gewinnen. Unsere Forschung findet schließlich in einer demokratischen Gesellschaft statt. Und die Öffentlichkeit in dieser Demokratie will immer stärker teilhaben an den Prozessen der Wissenschaft. Und in diese Richtung geht auch weiterhin die Entwicklung.
Die Fragen stellte Björn Schwentker.
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- Datum 14.02.2007 - 05:53 Uhr
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„Für den IPCC-Bericht tragen alle großen Klimaforschungsinstitute dieser Welt ihre Ergebnisse zusammen und veröffentlichen sie erst dann, wenn weit gehend Konsens unter ihnen herrscht. Ich misstraue dem nicht.“
Schwentker fragt für Die Zeit:
„Keiner ist mehr sicher, was er beim Klimawandel glauben soll. Könnte die Wissenschaft ihre Glaubwürdigkeit nicht irgendwie wieder herstellen?“
Seit drei Jahrzehnten beschäftige ich mit den Grundlagen des Klimas. Ich darf wohl meine bescheidene Ansicht zu dem Thema des Beitrages äußern: Weder verfügen über die endgültigen Grundlagen für das Verständnis des Klimas noch sind bloße Computersimulationen die naturwissenschaftlich richtige Methode, um unser Verständnis zu fördern!
Die Klimaerwärmung mag von der Menschen Tätigkeit herrühren oder nicht und eine Klimaerwärmung mag eine große Gefahr für die Menschheit darstellen. Ich dagegen würde auch eine weitere Gefahrenquelle hinzufügen, nämlich die Computersimulationen (die auch noch „Konsens“ stiften sollen, wie es der Soziologe hier andeutet, es lebe das demokratische Prinzip bei der Wahrheitssuche!). „Il calcolatore: rovina della scienza e minaccia per il genere umano”, so der Titel eines Aufsatzes von C. Truesdell aus dem 1981. (Der Rechner: Ruin der Wissenschaft und Gefahr für die Menschheit.)
In den heutigen Fernsehnachrichten sagte ein Politiker, die Debatte darüber, ob die Erwärmung durch Menschen verursacht werde, sei seid heute beendet. Der Täter stünde fest. Eine höchst unwissenschaftliche und unkritische Haltung. Gott behüte uns vor solchen Politikern!
Gerade in der ZEIT, aber auch auf ZEIT-online, mussten sich die Experten des IPCC ein ums andere Mal vorhalten lassen, sie unterdrückten andere Meinungen, beeinflussten die Lesart- und Auslegung von Studien und drängten die Interpretation von Analysen in eine einseitige Richtung. Dann übernahmen die Politiker, selbst in den widerständigsten Regionen der Erde, einen Teil der Argumente, feilten neulich in Paris, fast in Ausschließlichkeit an den zusammenfassenden Zwischenberichten des neuen IPCC Gutachtens und veröffentlichten das. Schon gehört das Wissen der Klima- und Umweltforscher zum 'Mainstream', nach dessen Einseitigkeit Soziologen befragt werden.
In der realen Welt des größten Klimasünders, in den
USA, tobt derweil ein öffentlicher Kampf der Forscher den Einfluss der Politik auf Formulierungen,
Budgets und Stellenbesetzungen. Dort ist mittlerweile sogar Kongressabgeordneten bekannt, welche Klimmzüge die Bush-Administration anstellte, um Gutachtentexte und Forscheraussagen kontrollieren zu können.
Was mir auffällt. Die ZEIT-Redaktion findet selten einmal den Mut, eigene Einschätzungen zu relativieren und zurück zu nehmen, obwohl das doch gleichermaßen bester Ausdruck des eigenen intellektuellen Anspruchs und jener höchsten Form der Intelligenz, nämlich großer Weisheit, sein könnte.
In der Hoffnung auf Besserung.
Es ist doch ein wenig bezeichnend, dass Professor Weingart sich gleich zu Beginn des Interviews genötigt sieht, sich als “kein Skeptiker” zu bezeichnen. Offenbar will er damit vorbeugen. Er ist deshalb auch sehr zurückhaltend mit seinen Äußerungen, obwohl er einen guten Überblick hat.
Leider ist es in der Realität so, dass nicht nur ein Kampf um Forschungsgelder geführt wird. Der Kampf bedroht inzwischen wissenschaftliche Karrieren bis hin zu persönlichen Existenzen.
Richard Lindzen, renommierte Klimawissenschaftler am MIT, hat die Situation in einem Artikel vom 12. April 2006 im Wall Street Journal unter der Überschrift “Climate of Fear” beschrieben:
“Es gibt da eine bedrohlichere Seite. Wissenschaftler, die nicht übereinstimmen mit der Alarm-Stimmung sahen ihre Forschungsgelder versiegen, ihre Arbeit verspottet und sich bezeichnet als Industrie-Marionetten, wissenschaftliche Schreiberlinge und noch schlechter. Als Konsequenz gewinnen Lügen über Klimaveränderungen an Boden selbst dann, wenn sie offenbar konträr zu den Wissenschaften stehen”
Weiter
“
So, warum gibt es nicht mehr Wissenschaftler, die sich gegen diese “junk Science” öffentlich wehren.
Meiner Meinung nach sind viele Wissenschaftler nicht so sehr betroffen durch Geld als vielmehr durch Angst. “
Und als Abschluss :
“Alarmgeben eher als originäre Leistung ist ausschlaggebend um den Kampf um Forschungsgelder. Und nur die angesehensten älteren Wissenschaftler sind heute in der Lage, sich gegen den Alarm-Sturm zu wehren und sich gegen das Dreieck von Klimawissenschaftler, Interessenvertreter und Politiker zu wehren.”
Diese Äußerungen gehen weit über das hinaus, was Prof. Weingart im Interview sagt. Aber Lindzen ist Insider und kennt die Probleme hautnah.
So langsam faengt diese Diskussion ueber Forschungsgelder an ein wenig albern zu werden. Nicht weil sie so grundsaetzlich falsch waere, sondern weil sich die Argumente beliebig drehen und wenden lassen. Und weil sie, das weiss man seit Thomas Kuhn, fuer alle wissenschaftlichen Disziplinen gilt. Ich bin sicherlich kein alter erfahrener Wissenschaftler, aber einen kleinen Ueberblick konnte ich dann doch schon gewinnen. Kuhn spricht von Paradigmen und den beruehmten Wechseln. Man kann sicherlich mit Recht behaupten, dass im Moment das Paradigma "Globale Erwaermung" die Klimatologie beherrscht, Mainstream sozusagen. Dies heisst jedoch NICHT, dass saemtliche Forschung zum Ziel haben muss, globale Erwaermung nachzuweisen. Es ist vielmehr ein Blickwinkel, unter dem Probleme betrachtet werden. Ich will ja gar nicht abstreiten, dass es Wissenschaftler mit geradezu missionarischem Charakter gibt und einige sicher durch ihre Beitraege "anthropogene Fakten" schaffen wollen (was sind in der Wissenschaft schon Fakten? Messdaten? Sicher nicht, so komplex wie deren Erhebung und statistische Auswertung ist). Aber in den 3 Forschungsantraegen, die ich bisher schreiben durfte (alle 3 wurden gefoerdert), kam in zweien das Wort globale Erwaermung wenn ueberhaupt, dann nur am Rande vor. Als Ergebnis des ersten Antrags konnte ich Indizien sammeln, dass die Kopplung zwischen El Nino und dem Indischen Monsun eventuell doch nicht aufgrund der globalen Erwaermung abgerissen ist, publiziert in einem wichtigen Journal - das Paper wird uebrigens auf einer Klimaskeptikerseite gelistet. Das hat die Gutachter aber nicht davon abgehalten, das Projekt ein zweites Mal zu foerdern. Und im dritten Antrag heisst es, dass untersucht werden soll, OB eventuelle Trends im Extremniederschlag in Grossbritannien durch anthropogene Treibhausgasemissionen verursacht wurden. Ergebnis: zumindest fuer den Sommer bisher offen. Auch das soll veroeffentlicht werden und das wird es sicher auch. Kein Druck, der ausgeuebt wird, keine Kritik die ich von meinen Kollegen hoeren muss - drei von ihnen haben massgeblich am IPCC Bericht mitgewirkt. Kurz: Jeder Wissenschaftler wird brav in seinen Antrag schreiben, dass er natuerlich auch untersucht, was global Warming fuer einen Einfluss haben mag. Das gilt uebrigens fuer andere Naturwissenschaften auch, auch z.B. die Physik wird von Paradigmen bestimmt: Vor 25 Jahren war es die Chaostheorie, vor 10 Jahren die langreichweitigen Korrelationen, heute sind es die Netzwerke. Man wendet gerade neu entwickelte Konzepte auf verschiedene Systeme an, um sie unter einem Blickwinkel erklaeren zu koennen. Diese Konzepte sind so dominant, dass sie teilweise ohne Sinn und Verstand auf alles moegliche, z.B. El Nino, angewendet werden, manchmal widersprechen sich die Konzepte sogar, egal: Heute Chaos, morgen langreichweitige Korrelationen. Ich warte ehrlich gesagt noch auf das Paper, dass El Nino als Netzwerk beschreibt. Um diesem Mainstream gerecht zu werden, schreiben viele erfolgreiche Wissenschaftler Schluesselwoerter in ihre Antrage, die dann quasi von den Gutachtern abgehakt werden. Die machen noch keinen guten Antrag, aber sie muessen - man geht ja mit der Mode - einfach drinstehen. Und in der Klimatologie ist das Schluesselwort eben globale Erwaermung. Jeder, egal ob "Missionar", neutraler Wissenschaftler oder "Skeptiker" kann das erwaehnen und ihm werden im Normalfall auch seine Gelder genehmigt, wenn der Antrag Substanz hat. Jetzt mag man einwenden, dass aber doch allein die Wahl der Schluesselwoerter die Forschung und das Ergebnis beeinflussen kann. Sicher - aber ein Klimaskeptiker wird doch trotzdem weiter arbeiten wie er es will und eben versuchen nachzuweisen, dass es global Warming nicht gibt. Kurz: Ein guter Wissenschaftler, der halbwegs verstanden hat wie die Antragsschreiberei funktioniert und ein wenig diplomatisch mit seinen Kollegen umgeht, wird kaum Probleme haben, weiter zu arbeiten und zu veroeffentlichen.
Jedenfalls finde ich es irritierend, wenn gewisse Wissenschaftler, dazu noch aus den USA, behaupten, Klimaskeptiker lebten in einem Klima der Angst. Ich glaube, ein Skeptiker z.B. bei der NASA (auch dort wird Klimaforschung betrieben) hat es bei der jetzigen Regierung deutlich einfacher als ein Mainstreamklimatologe oder gar Verfechter eines menschgemachten Klimawandels.
Noch eine kleine Anekdote: Ich arbeite an einem renommierten Britischen Klimainstitut, nach den Fluten der letzten Tage gab es zahlreiche Anrufe von Medienvertretern. Und solche sind es, die meine Kollegen regelrecht unter Druck setzen, die Fluten auf die globale Erwaermung zurueckzufuehren.
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